Neuss/Sibirien: Chris Ley läuft Marathon bei minus15 Grad in Badehose

Neusser in Sibirien: Ein Eis-Marathon in Badehose

Der Neusser Motivationscoach Chris Ley ist bei minus 15 Grad in Boardshorts über den gefrorenen sibirischen Baikalsee gelaufen.

Ein Marathon über einen gefrorenen See bei minus 15 Grad, oberkörperfrei, unten rum nur in Boardshorts gekleidet. Verrückt, denkt der eine – kein Problem, denkt sich Chris Ley. Der Neusser Motivationscoach nahm am 2. März am „Baikal-Marathon“, einem Extremlauf über den tiefsten und ältesten Süßwassersee der Welt in Sibirien (Russland) teil. Das Ziel erreichte der nach eigenen Angaben „ungeübte Läufer“ unversehrt nach viereinhalb Stunden.

„Die meisten anderen haben nur den Kopf geschüttelt und gesagt, ich sei bescheuert“, erinnert sich Chris Ley an die Momente kurz vor dem Start. Außer ihm nahmen 100 weitere Menschen aus der ganzen Welt an dem Lauf teil. Ley sei natürlich der einzige in Shorts gewesen, erzählt er, die anderen hätten sich mit dicker Kleidung gegen die Kälte schützen wollen. Doch Ley braucht so etwas nicht. Er findet: Was man will, das schafft man auch. Für die Vorbereitung auf den Lauf hat sich der 32-Jährige drei Monate Zeit gelassen. Ein erster Schritt sei das normale Lauftraining zu Hause in Neuss gewesen, erklärt er. Oft lief er dabei oberkörperfrei durch die Straßen, um sich an das Rennen in der Kälte zu gewöhnen. Die verwirrten Blicke von Passanten hat er dabei getrost ignoriert.

42 Kilometer bei -15 Grad in Boardshorts. Chris Ley hat den Baikal-Marathon oberkörperfrei bestritten. Foto: Chris Ley

Das Wichtigste bei der Vorbereitung seien aber Meditation, Atemübungen und das Kältetraining gewesen, mit dem er seinen Körper langsam an die extremen Temperaturen gewöhnt hat. „Angefangen habe ich mit kaltem Abduschen. Der zweite Schritt war, komplett kalt zu duschen. Im dritten Schritt habe ich regelmäßig ein Eisbad in der Badewanne genommen“, erzählt Chris Ley, der derzeit mit seiner Frau und seinem Sohn in der Neusser Innenstadt wohnt. Der krönende Abschluss des Trainings: Ein Eisbad im Baikalsee bei drei Grad Wassertemperatur, knapp eine Woche vor Beginn des Marathons. Und dann sei er einfach losgelaufen. „Auf der ersten Hälfte hat es geschneit, dort mussten wir richtig durch den Schnee stapfen. Auf der zweiten Hälfte kam die Sonne raus, dann wurde es zu einer Rutschpartie“, erzählt Chris Ley. Trotz der schwierigen Laufbedingungen habe er die Teilnahme an dem Lauf in Badehose aber zu keinem Zeitpunkt bereut. „Ich habe mich fantastisch gut dabei gefült“, erinnert er sich, „mein Körper war während des Laufs gigantisch heiß. Das ist das fantastische am Kältetraining.“

In Sibirien nahm Chris Ley knapp eine Woche vor Start des Marathons ein Eisbad im See bei drei Grad Wassertemperatur. Foto: Chris Ley

In nächster Zeit hat Ley, der bereits den berühmten 250-Kilometer-Lauf durch die Atacama-Wüste in Südamerika absolviert hat, erst einmal nichts außergewöhnliches mehr geplant. Er wolle sich mehr Zeit für seinen Verein „Open Your Eyes“ nehmen, mit dem er seit einem Jahr Familien mit erblindeten Kindern unterstützt. Für Ley ist das Projekt eine Herzensangelegenheit, denn: „Unser Sohn ist aufgrund einer schweren Krankheit mit eineinhalb Jahren erblindet.“

Auch Atemübungen und Meditation gehörten in der dreimonatigen Vorbereitung dazu. Foto: Chris Ley
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