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Neuss: Serie Berufe am Theater mit zwei RLT-Auszubildenden

Berufe am Theater : Azubis mögen ihre Arbeit

Til Topeit und Nour al Hamdan sind zwei von insgesamt sechs Auszubildenden in der Veranstaltungstechnik des RLT. Topeit steht kurz vor dem Ende seiner Lehrzeit.

Til Topeit weiß schon, was er machen wird: am RLT bleiben. Aber noch ist der 23-Jährige Auszubildender am Theater, macht dort drei Lehrjahre (er ist im letzten) durch, die ihn befähigen werden, als Fachkraft für Veranstaltungstechnik zu arbeiten. Nach der Lehre einen Arbeitsplatz zu bekommen, ist heute nicht einfach, weiß er. Vor allen Dingen in diesen Pandemie-Zeiten, wo Veranstaltungen so gut wie gar nicht stattfinden, Fachkräfte also arbeitslos sind.

Aber nicht allein das ist für den Noch-Azubi Grund zur Freude. Ihm gefällt es am RLT. Vor allem im Team, aber auch die Arbeit an sich fasziniert ihn. Immer noch. „Sie ist etwas Besonderes“, sagt er, „sie fordert viel, aber man kann eben auch sehr kreativ sein.“

Damit weiß er sich mit seinem Mit-Azubi Nour al Hamdan einig, einer von fünf anderen, die mit Topeit die Ausbildung machen. Der 25-Jährige ist erst im ersten Lehrjahr, hat also noch ein bisschen Zeit, bis er sich Gedanken über das Danach machen muss, aber sagt auch jetzt schon: „Es wäre toll, wenn ich am RLT bleiben könnte.“

Dass die Arbeitszeiten sind, wie sie sind, mal von ihnen verlangen, spätabends noch zu arbeiten, ficht die beiden nicht an. Aber Topeit weiß von einem Kollegen in seiner Berufsschulklasse, dass der der Veranstaltungstechnik eben wegen der unterschiedlichen Arbeitszeiten den Rücken kehren will. Doch ob Spätdienst oder Frühdienst – für Topeit und al Hamdan ist klar, dass sie niemals deswegen das Handtuch werfen würden. „Am Theater lernt man einfach alles“, sagen beide, „ob Licht, Ton, Bühnenbildauf- und abbau“. Aber man müsse sich irgendwann festlegen, sagen beide ebenfalls unisono.

Auf unterschiedlichen Wegen sind Topeit und al Hamdan zu dem Job gekommen. „Ich habe 2015 mein Fachabitur gemacht“, erzählt Til Topeit, „aber ich wusste nicht, wo es hingegehen sollte.“ Als Schulbegleiter habe er gearbeitet, FSJler war er – bis ein Praktikum im RLT die Entscheidung brachte. Die Arbeit im Team und an sich gefiel ihm, mit den Diensten morgens oder abends (je nach Abstecher und Vorstellung) kam er gut klar.

Nour al Hamdan hat etwas länger gebraucht, um zu wissen, was er wollte. 2012 habe er die Schule beendet, sagt er und gibt auch zu: „Ich habe viel rumprobiert.“ Sein Jahr als Freiwilliger im Haus der Jugend gemacht, im Restaurant, im Garten- und Landschaftsbau gearbeitet... „Irgendwann war mir klar, dass ich mir etwas Richtiges suchen musste“, sagt er. Til Topeit kannte er vom gemeinsamen Musikmachen in einer Band, und er wusste von ihm auch, dass ihm die Arbeit am RLT gefällt. „Aber ich habe mich auch sonst informiert“, betont al Hamdan, „einen Probetag am RLT gemacht und mich dann auf eine Ausbildung in der Veranstaltungstechnik beworben.“ Dass er sofort genommen wurde, bezeichnet er heute noch als Glücksfall. Gleich bei seinem ersten Auftrag habe er erfahren, welche Wirkung seine Arbeit auf der Bühne haben kann: „Ich musste nämlich für ,Black Rider’ Glasfaser durch Hunderte von Löchern in einer rund drei Meter hohen Holzwand ziehen“, erzählt er und lacht: „Das ganze ergab einen Sternenhimmel, der mich umgehauen hat.“

Auch Topeit mag nicht nur die große Abwechslung der Arbeit am Theater, sondern findet auch, dass er dort „etwas fürs Leben lernt“. Zum Beispiel Dübel in eine Wand zu setzen. „Ich dachte immer, dass ich das kann“, sagt er schmunzelnd, „musste mich aber dann eines Besseren belehren lassen.“

Dass Topeit und al Hamdan im Sinne des Wortes eher im Dunklen arbeiten (sie tragen meistens dunkle Kleidung, um beim Auf- oder Abbau eines Bühnenbildes auf offener Bühne nicht aufzufallen) gehört für beide dazu.