Neuss Semesterprogramm der Alten Post mit neuen Kursen und Workshops

Alte Post startet neues Semester : Zwischen Modedesign und Theater

Die Kurse und Workshops in der Alten Post bleiben auch im neuen Semester in der Hand von Dozenten, die Künstler in ihrem Metier sind. Dabei setzt die Leitung jedoch auf die Verpflichtung einer jüngeren Generation.

Wunschlos glücklich sind sie nicht, aber „letztendlich zufrieden“. Sagen Hans Ennen-Köffers und Klaus Richter, der Leiter und sein Stellvertreter der Alten Post, die jedes Jahr zwei Semesterprogramme ausarbeiten – und sich jedes Mal auch wünschen, dieses oder jenes könnte (noch) besser laufen. Meckerei ist das nicht, auch wenn die Zahlen für die Kurse der Alten Post seit Jahren recht stabil bei 1000 Anmeldungen liegen. Aber Ennen und Richter sind beide zu sehr Künstler (Ennen ist Dramaturg, Richter bildender Künstler), als dass sie nicht wünschen würden, dass ihre Angebote noch stärker angenommen werden. „Zeichnen wollen die Menschen“, sagt Ennen-Köffers – doch in einem leicht bitteren Ton –, „aber wenn wir dann entsprechende Kurse anbieten, kommt keiner.“

Doch unverdrossen erneuern sie jedes Semester ihre Offerten, freuen sich darüber, wenn die „studienvorbereitenden Kurse“ besser angenommen werden (wie aktuell) oder Künstler bei ihnen anklopfen, um sich und ein Thema anzubieten. „Ideal ist es, wenn derjenige auch gleich seine Teilnehmer mitbringt“, meint Richter und erzählt vom Neuzugang Christoph Kühne, der einen Kursus „Impro-Theater“ (ab 18 Jahre) im Gepäck hatte und sogleich „locker zehn“ (Richter) Teilnehmern versprach. Und das auch gehalten hat.

Neue Dozenten wie Kühne bringen auch neuen Schwung in die Alte Post. Den verspricht sich Richter auch von zwei Absolventen der Düsseldorfer Modeschule, Charlotte Kirby und Lars Lüth, die „Modedesign“ anbieten: „Vom Entwurf bis zum fertigen Kleidungsstück“, sagt Richter. Ähnliches erhofft er von den Methoden  von Aleksandra Konopek in ihrem Kursus „Strich, Linie, Raum“, die die Teilnehmer mit  3D-Stiften (Doodler) fast greifbare Raumobjekte entwerfen lässt.

Das zweite Standbein der Schule für Kunst und Theater ist der von Ennen-Köffers verantwortete  darstellende Bereich. Dass die Alte Post derzeit über vier feste Ensembles verfügt, obwohl doch jedes Semester neue Produktionen und manchmal auch wechselnde Dozenten auf dem Programm stehen, erfüllt ihn durchaus mit Stolz. Natürlich bleibt es dabei, dass den Teilnehmern auch alle anderen Kurse, die für das Spiel auf der Bühne wichtig sind, kostenfrei besuchen können. Auch wenn diverse Ex-Schüler der Alten Post heute auf bundesdeutschen Bühnen vor allem im Bereich Musical stehen, erwartet Ennen-Köffers nicht, dass sich nur zukünftige „Stars“ anmeden. Was er erwartet, ist allerdings Ernsthaftigkeit und Disziplin, denn ohne lassen sich die Aufführungen am Ende des Semesters nicht stemmen.  Er selbst stellt im Übrigen eine Erich-Kästner-Revue auf die Bühne. Der Autor wäre im kommenden Jahr 120 Jahre alt geworden – ein passender Anlass für Ennen-Köffers, seine schon vor 20 Jahren zusammengestellte Bühnenhommage  an Kästner zu erneuern. Nur im Facebook hatte er dafür geworben – „und zwölf Teilnehmer haben sich gleich gemeldet“.

In der Werbung setzten Ennen-Köffers und Richter auf das Programmheft und das zum zweiten Mal produzierte Faltblatt. 1000 Stück haben sie davon drucken lassen, 6000 von dem Heft. Allerdings gehen beide davon aus, dass sich das Verhältnis auf Dauer umkehren wird, „denn die Akzeptanz des Faltblatts steigt vor allem bei Jüngeren“, sagen sie übereinstimmend.

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