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Neuss: SEK stürmt Wohnung - Terrorverdächtiger ist in Haft

21-Jähriger festgenommen : SEK stürmt Wohnung in Neuss - Terrorverdächtiger in Haft

Ein 21 Jahre alter Neusser sitzt seit Sonntag in Haft. Er soll Anschläge auf Polizisten und Soldaten geplant haben und Verbindungen zu einem festgenommenen Islamisten in Wien gehabt haben. Ein ehemaliger Nachbar meint, sich an den Mann zu erinnern. Er habe sich auffällig verhalten.

"Der Bürgermeister hatte vom Einsatz und den Ergebnissen keine Kenntnis", sagt Kloppenburg, der durch eine Anfrage unserer Redaktion erste Hinweise erhalten hatte. Der Rathaus-Chef, so Kloppenburg, sei erleichtert, dass Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft in guter Zusammenarbeit einer möglichen Gefährdung vorbeugen konnten.

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, in Personalunion auch Leiter der Kreisbehörde, sagte, dass nach seiner Kenntnis kein Personal der Neusser Polizei am Einsatz beteiligt gewesen sei. Wann er über den Einsatz informiert wurde, ließ Petrauschke offen. Der Spezialeinsatz in der Nacht zum Sonntag sei schnell und "relativ geräuschlos" erfolgt. Er gehe davon aus, dass der Festgenommene nicht auf der Liste der sogenannten Gefährder stehe. Der Landrat hatte Mitte vergangener Woche im Kreisausschuss auf Anfrage erklärt, dass der Kreispolizeibehörde "deutlich weniger als eine Handvoll Gefährder" im Kreis bekannt seien.

Neuss ist in der Vergangenheit beim Thema Salafismus jedoch immer wieder in die Schlagzeilen gerückt - allerdings vor allem der Stadtteil Weckhoven, unter anderem wegen des Vereins "Helfen in Not". Diesen stufte der Verfassungsschutz schon 2013 als "extremistische salafistische Bestrebung" ein. Im Juli 2014 musste die selbsternannte Hilfsorganisation ihr Vereinsheim an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße räumen. Nun geriet ein weiterer Stadtteil in den Fokus.

Das Sondereinsatzkommando der Polizei rückte am Samstagabend gegen 23.30 Uhr in Weißenberg an und verschaffte sich Zutritt zu einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus. Dort nahmen die Beamten einen 21 Jahre alten Mann und eine Frau fest. Die Frau wurde am Sonntag wieder auf freien Fuß gesetzt; gegen den Mann wurde Haftbefehl erlassen.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hatte zuvor nach einem Hinweis österreichischer Behörden ein Verfahren wegen Vorbereitung einer staatsgefährdenden Straftat eingeleitet. Der Verhaftete soll ein mutmaßlicher Komplize eines 17-Jährigen sein, der einen Anschlag in Wien geplant hatte.

Ein Neusser erklärte am Sonntag gegenüber unserer Redaktion, dass er bis vor einiger Zeit noch gegenüber des verhafteten Mannes gewohnt habe. Früher sei der Mann ein "ganz normaler Typ" gewesen, dann habe er eine muslimische Frau kennengelernt und sei mit dem Islam in Kontakt gekommen. Diese Frau habe ihn dann verlassen, der Mann sei jedoch in die islamistische Szene geraten und habe eine neue Frau kennengelernt; Mann und Frau seien im Viertel schon aufgrund ihrer Erscheinung aufgefallen.

Der Mann habe Nato-Kleidung und Arafat-Schal getragen und eine kämpferische Erscheinung abgegeben. Vor acht bis neun Monaten sei er mit einer IS-Fahne barfuß über die Straße gelaufen - in Begleitung der Frau. Der nach eigenen Angaben ehemalige Nachbar des Verhafteten sagt, er habe dies in einem Video gesehen. Er habe der Polizei den Sachverhalt geschildert. Die Frau des Mannes sei stets voll verschleiert aufgetreten. Dass es sich bei beiden um die am Samstag Festgenommenen handelte, konnte die Polizei am Sonntag nicht verifizieren.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, der Anwohner habe das Video selbst gedreht. Tatsächlich ist es ihm zugespielt worden. Wir haben dies korrigiert und bitten um Nachsicht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: SEK-Einsatz in Neuss-Weißenberg

(NGZ)