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Neuss: Seelsorger von der Krim wird Pfarrer in der Nordstadt

Amtseinführung in Neuss : Ein neuer Pfarrer für die Furth

Yuriy Babych wurde auf der Krim geboren und schlug erst spät die theologische Laufbahn ein. Am kommenden Sonntag wird er als Pfarrer der Reformationskirchengemeinde in sein Amt eingeführt.

Hinter Yuriy Babych liegt ein weiter Weg, seit er im März 1977 auf der Krim geboren wurde. Und das in mehrfacher Hinsicht. Am vorläufigen Ende dieses Weges ist aus dem Sohn einer Volksdeutschen, der in der atheistischen Sowjetunion heranwuchs, ein evangelischer Seelsorger geworden, der sich anschickt, mit seiner fünfköpfigen Familie auf der Furth sesshaft zu werden. Das Presbyterium wählte den Spätaussiedler schon im September als Pfarrer für die Reformationskirchengemeinde, in die er am Sonntag von Superintendent Dietrich Denker eingeführt wird.

Mit der Amtseinführung beginne für ihn die Input-Phase, sagt Babych. Er habe sich zwar schon mit der Gemeinde beschäftigen und auch bereits mit einigen Mitgliedern plaudern können, die so neugierig auf ihn waren, dass sie ihn an seinem letzten Dienstsitz in Krefeld anriefen. Doch wolle er erst Strukturen und Traditionen verstehen und akzeptieren lernen, sagt er. Ein „Das machen wir jetzt so“ werden die evangelischen Christen auf der Furth nicht von ihm hören.

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Dabei ist auch diese Gemeinde im Umbruch begriffen. Wenn Pfarrer Manfred Burdinski, der die andere Pfarrstelle auf der Furth innehat, in drei Jahren pensioniert wird, wird die Zahl der Pfarrstellen auf 1,5 reduziert – und die Zusammenarbeit mit Schwestergemeinden unter dem Dach des evangelischen Gemeindeverbandes Neuss neu gestellt werden. Mittelfristig ist zudem die Aufgabe der Reformationskirche als Gottesdienstort und der Ausbau der Versöhnungskirche zu einem diakonisch-kirchlichen Zentrum für die Nordstadt zu meistern. „Dafür wird ein neues Denken gebraucht“, sagt Babych. Auch im Verband.

Dass ein solches neues Denken in den Gemeinden auf der Krim fehlt, war ein Grund für den Seelsorger, seinen weiteren beruflichen Weg in Deutschland zu gehen. Aber er hat Verständnis dafür, dass die evangelisch-lutherischen Christen sich in ihrer Isolierung innerhalb der sowjetischen Gesellschaft kaum anders entwickeln konnten.

Ihm half auf seinem Weg, dass er als Sohn einer evangelisch-gläubigen Mutter geboren wurde, die ihn umgehend taufen ließ – nach russisch-orthodoxem Ritus, weil anderes nicht möglich war. Aber diese Taufe werde von anderen christlichen Religionsgemeinschaften anerkannt, sagt Babych. Das Leben der kleinen Kultusgemeinden auf der Krim bekam nach dem Zerfall der Sowjetunion auch durch Pfarrer der bayerischen Landeskirche Aufwind, die auf die Krim geschickt worden waren, um dort Strukturen zu schaffen und zu festigen. Babych wurde von einem solchen konfirmiert und dadurch sein Interesse geweckt, sich kirchlich ausbilden zu lassen. Das geschah erst ab 2004 und nach einem betriebswirtschaftlichen Studium. Der Spätaussiedler schrieb sich an der Kirchlichen Hochschule Bethel ein, schloss 2012 das Studium in Wuppertal ab und ging als Vikar zurück auf die Krim. Dort unterstützte er einen Pfarrer aus Bayern bei der Betreuung von sieben Gemeinden, bis dieser 2014 nach Deutschland zurückgerufen wurde und die politische Situation auch Babych ein Bleiben unmöglich machte.

Zurück in Deutschland, absolvierte er sein Vikariat in Velbert. „Der Wechsel war krass, die Unterschiede groß“, erinnert sich Babych, der sich seine Monate auf der Krim auch nicht auf sein Vikariat anrechnen ließ. Als Pfarrer im Probedienst kam Babych 2018 nach Krefeld, wo man ihm eine dauerhafte Perspektive aufzeigte. Doch die angebotene Stelle hätte nicht zu seinen Kompetenzen gepasst, so dass er sich noch einmal auf die Suche machte.