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Neuss: Schwimmer ignorieren Badeverbot

Am Blankenwasser in Neuss : Schwimmer pfeifen auf das Badeverbot

Drei Menschen sind im Rhein-Kreis dieses Jahr in Baggerseen ertrunken – einer auch im See am „Blankenwasser“. Das interessiert illegal Badende dort wenig. Trotz der Gefahren kühlen sich vor allem junge Menschen im Wasser ab.

Diesen Sommer häufen sich die Meldungen über Badeunfälle in NRW: Erst am Sonntag ertrank ein junger Mann im Unterbacher See in Düsseldorf. Im Rhein-Kreis Neuss starben dieses Jahr bereits drei Menschen in Baggerseen: ein vierjähriger Junge und ein 19-Jähriger im Kaarster See – und im April ein 18-Jähriger im Baggersee am „Blankenwasser“ in Uedesheim. Das Betreten des Areals und das Baden im See sind dort verboten, allerdings ist das vielen herzlich egal. An heißen Tagen tummeln sich dort zahlreiche „Badegäste“, die zum Teil weit auf den See hinaus schwimmen.

Vor allem junge Menschen gehen am „Blankenwasser“ ins kühle Nass. „Ich bin mit meinem Kumpel einmal quer durch den See ans andere Ufer geschwommen“, sagt ein 19-Jähriger, der erklärt, von dem Badeverbot nichts zu wissen. Seine Freunde hingegen haben die Schilder gesehen: „Wir trauen uns zu, hier zu schwimmen. Wir passen ja auf.“ Ein anderer Besucher lässt auch seinen kleinen Sohn mit Schwimmflügeln im Wasser plantschen – allerdings nur im Uferbereich. „Die Abkühlung tut gut“, sagt der Vater, der selbst auch mal in etwas tiefere Bereiche des Sees vordringt. „Aber nicht zu weit. Das ist mir zu gefährlich“, sagt der 24-Jährige. „Es gibt aber Leute, die sich deutlich mehr trauen und weit hinaus schwimmen.“

Paul Erich Gürtler findet das „unverantwortlich“. Er vertritt einen der beiden privaten Eigentümer des Sees. „Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass sich Menschen dort abkühlen wollen. Aber das ist gefährlich“, sagt Gürtler, der das Areal gerne einzäunen würde. Das Problem: Eine Auflage verbietet genau das. Im Zuge der Rekultivierung sollten alle Anlagen, die zur Kiesförderung gebraucht wurden, entfernt werden, also auch der Zaun. „Ohne Zaun ist eine strafrechtliche Verfolgung derjenigen, die sich dort aufhalten und schwimmen, schwierig.“ Gürtler wünscht sich ein Nutzungskonzept wie am gegenüberliegenden Sandhofsee – mit Pächter, der das Hausrecht durchsetzen kann.

Kontrollen finden demnach am „Blankenwasser“ nicht statt – auch nicht durch die Stadt Neuss. „Der kommunale Service- und Ordnungsdienst ist zur Durchsetzung eines Badeverbots nicht berechtigt und nicht zuständig“, sagt Stadt-Sprecher Peter Fischer: „Unser Ordnungsbereich hat sich nach dem tödlichen Badeunfall aber mit den Eigentümern, der Feuerwehr und den Rettungsdiensten zu einem Runden Tisch getroffen.“ Dort habe man über Schutzmaßnahmen beraten. So sollen weitere Verbotsschilder aufgestellt und Sträucher gepflanzt werden, die den Zutritt erschweren. Fischer weist zudem darauf hin, dass die Stadt in Kooperation mit der DRK-Wasserwacht Flyer erstellt hat, in denen vor Gefahren in Badeseen gewarnt wird. Zwischenzeitlich seien 43 Schulen und 123 Vereine in Neuss informiert worden.

Der See am „Blankenwasser“ in Uedesheim ist offensichtlich stark frequentiert. Davon zeugen auch große Mengen Müll. Foto: Christian Kandzorra

Am „Blankenwasser“ wird nach wie vor fröhlich geschwommen. Auf den ersten Blick sind dort keine Gefahren zu erkennen. Lutz Seebert ärgert sich, dass viele auf das Verbot pfeifen: Er ist Einsatzleiter bei der DLRG-Ortsgruppe Neuss und häufig an Einsätzen im Wasser beteiligt – auch bei solchen ohne guten Ausgang. „Die Gefahren, die im See lauern, sind oft nicht sichtbar“, sagt er. Baggerseen wie der am „Blankenwasser“ werden vom Grundwasser gespeist. „Das Wasser kann an der Oberfläche 20 Grad warm und bereits 80 Zentimeter tiefer zehn Grad kalt sein. Das kann bei Badenden zu Kreislaufproblemen und einem Erstarren führen – und zum Ertrinkungstod.“ Gefährlich seien zudem abrutschende Abhänge unter Wasser, durch die Soge entstehen könnten – und Unterwasserströmungen, die von oben gar nicht sichtbar sind. „Der See ist kein Swimmingpool“, betont Seebert. Er verdeutlicht, dass der See für Rettungskräfte nur schwer erreichbar ist: Auch sie müssen sich im Ernstfall den Weg über schmale Trampelpfade und durch Sträucher bahnen.