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Neuss: Schulkonzert der Deutschen Kammerakademie gelingt im zweiten Anlauf

Im Humboldt-Gymnasium in Neuss : Schulkonzert gelingt im zweiten Anlauf

Zuletzt musste die Aufführung der Deutschen Kammerakademie im „Humboldt“ abgesagt werden. Jetzt klappte es.

Die Premiere eines neuen Konzeptes musikalischer Klassik-Education fiel beinahe ins Wasser: Weil das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium Neuss wegen eines Magen-Darm-Infektes, der viele Schüler und Lehrer erkranken ließ, vergangene Woche vorübergehend schließen musste, fiel auch das Schulkonzert mit der Deutschen Kammerakademie Neuss (DKN) dem Virus zum Opfer. Der Nachholtermin konnte aber bereits am Montag stattfinden.

„Wir mussten mit Hotels reden und einige Flüge umbuchen, es klappte alles“, sagte der Orchestermanager Martin Jakubeit. Ihm gelang es, die Stimmführer der DKN für ein Streichquintett mit dem Sonderauftrag „Klassik-Education“ zu gewinnen: Konzertmeisterin Fenella Humphreys spielte die erste Geige, Karla Assmann (Violine II), Andrés Mehne (Viola), Milan Vrsajkov (Violoncello) und Vilmos Buza (Kontrabass) komplettierten das Quintett. Das Kammerkonzert wurde zweimal in der dritten und vierten Schulstunde für jeweils 60 Schüler im Musikraum 3.005 mit allerdings sehr trockener Akustik gegeben. Das Programm wurde von der DKN in enger Zusammenarbeit mit der Fachschaft Musik des Gymnasiums erarbeitet. Den ersten Kontakt hatte Charlotte Kons vermittelt, die am „Humboldt“ Lehrerin für Kunst und Literatur ist und der DKN eng verbunden ist.

Für die Moderation konnte die Kölner Musikwissenschaftlerin Wibke Rademacher gewonnen werden, für die „Musikvermittlung meine Leidenschaft ist“.

Warum lebte Georg Friedrich Händel in London? Die Antwort gab die Londonerin Fenella Humphreys – „Weil er die Stadt liebte und dort sehr erfolgreich war“ –, und spielte Händels Besuch der Königin von Saba aus dem Oratorium „Salomon“ im Quintett in herzerfrischendem Tempo.

Mit dem Vornamen „Amadeus“ konnte nur eine Schülerin etwas anfangen, aber fast alle kannten das Thema, mit dem Mozarts „Kleine Nachtmusik“ beginnt. „Mozart hat, wenn er nicht komponierte, getanzt“, erläuterte Wibke Rademacher den letzten Satz „Menuett“. Dann forderte sie auf „Hände vor das Gesicht, Augen und Mund zu“, um dem lyrischen Andante „Liebestraum“ von Max Reger zu lauschen, mehr noch der „Company“ für Streichorchester des amerikanischen Komponisten Philip Glass. Dann durften die jugendlichen Zuhörer den Bass-Rhythmus von Astor Piazollas „Libertango“ auch körperlich erfahren. Nur Anju aus der Schülerschar spielt ebenfalls Geige und fand das Ensemble „einfach nur Klasse“.

Die Schülerin mit dem persischen Namen „Narges“ empfand diese Unterrichtsstunde als ein „tolles Erlebnis“. Das bestätigt der Musiklehrer Sebastian Zafirakis: „Unsere Schüler haben die Musik auf sich wirken lassen. Einige Mädchen haben gekuschelt, zwei bei der Nachtmusik sogar geweint.“ Markus Wölke, der Schulleiter des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums, wollte eigentlich nur kurz vorbei schauen, blieb dann aber eine ganze Unterrichtsstunde, und hofft, dass diese hochklassige Premiere bald eine Fortsetzung finden kann.