Neuss: Schützenpräsident Martin Flecken im Interview

Schützenpräsident Martin Flecken im Interview : „Ein Präsident schießt nicht“

Martin Flecken, Präsident der Neusser Bürgerschützen, stellte sich auf dem blauen NGZ-Sofa den Fragen von Chefreporter Ludger Baten. Es wurde ein Gespräch über Frauen im Schützenwesen und das Jubiläumsjahr 2023.

Kontrastprogramm beim Neusser Grenadierkorps: Nachdem vor Jahresfrist Bürgermeister Reiner Breuer als Festredner beim Patronatstag noch einen Wandel im Umgang mit den „Nüsser Röskes“ eingefordert hatte, stellte Schützenpräsident Martin Flecken fast auf den Tage genau ein Jahr später an gleicher Stelle fest: Frauen in Uniform beim Schützenfest seien für ihn nicht denkbar. Sie seien zwar immer dabei und selbstverständlich, sagte Flecken. Aber das Neusser Schützenfest sei „ein Schauspiel, bei dem die marschierenden Rollen an die Männer verteilt sind“. Verhaltener Applaus quittierte diese Aussage.

Flecken kam nicht als Festredner ins Landestheater. Er nahm vielmehr als Interviewpartner von NGZ-Chefreporter Ludger Baten auf dem blauen NGZ-Sofa Platz. Mit diesem neuen Format wollten die Grenadiere ihrem Festkommers einen neuen Impuls geben und hatten erstmals auch eine offene Einladung an alle Interessierten ausgesprochen. Die erlebten einen gut aufgelegten Martin Flecken und bekamen drei Wochen vor der „Zog, Zog“-Versammlung interessante Infos aus erster Hand zu hören.

Das sagt der Präsident –

zu den Königbewerbern: Mit Jochem Kirschbaum vom Schützenlustzug „Schwemmböxges“ steht bereits ein Königsbewerber fest. Für den 56-Jährigen wäre es der vierte Versuch, die Königswürde zu erringen. Martin Flecken ist überzeugt, dass es zwei bis drei Königsbewerber werden, hofft aber auf fünf. Er selbst wird nicht darunter sein. „Ein Präsident schießt nicht.“

zu den Ehrengästen: „Es gibt keine Liste möglicher Ehrengäste“, stellt Flecken klar. Und wenn, dann würde er den neuen US-Botschafter „nicht auf diese Liste setzen“. Wer tatsächlich eingeladen ist und zusagt, wird erst am Oberstehrenabend (4. August) berichtet.

zu den Ehrenabenden Das Komitee will erreichen, dass wieder mehr Züge in die Stadthalle kommen und nicht nur zum Umzug ihren Biwakplatz verlassen. Anreiz für neu gegründete Züge: Sie werden an ihrem Tisch in der Halle ein Fässchen Bier vorfinden, das, so Flecken, von den Ex-Majestäten bezahlt wird.

zu den Biwaks „Die finden wir toll“, stellt Flecken klar. Vor allem, wenn sie von den Schützen und ihren Familien selbst organisiert werden. Zunehmend würden die Biwaks aber das Interesse kommerzieller Betreiber wecken. „Das wollen wir nicht“, sagt er. Erst recht, wenn dadurch die Züge verdrängt werden.

zu seinem Vorgänger Thomas Nickel habe die Öffnung zu den Korps vorangetrieben und es – auch über die immer namhaften Ehrengäste – geschafft, das Neusser Schützenfest bundesweit bekannter zu machen.

zum Jubiläum 2023 Die Feiern zum 200-jährigen Bestehen des Neusser Bürger-Schützen-Vereins beschäftigen das Komitee noch nicht. Er wolle erst sein erstes Jahr als Präsident meistern, sagt Flecken und dann auch mit den jubilierenden Grenadieren und Jägern überlegen, was man machen könne – nichts „zu Akademisches“, viel fürs Schützenherz.

seine eigene Rolle Neun Jahre Amtszeit wären möglich, aber auch mit nur drei Jahren könnte man prägend wirkend, sagt Flecken. Ein Übergangspräsident sei er nicht.

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