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Neuss: Schützen trauern um Jakob Matheisen

Nachruf : Neusser Schützen trauern um Jakob Matheisen

Traurige Nachricht: Jakob Matheisen, Schützenkönig 1991/92 und Ehrenmitglied des Neusser Grenadierkorps, ist im Alter von 83 Jahren gestorben.

Bei Facebook bekundeten am Dienstag bereits zahlreiche Schützen ihr Beileid und erinnerten an den Verstorbenen.

Mit Matheisen verlieren die Neusser Schützen eines ihrer bekanntesten Gesichter, das mit seiner natürlichen Autorität, herzlicher Kameradschaft und unaufgeregtem Bürgersinn das Schützenwesen bodenständig lebte. Matheisen stand für ein Schützenfest für alle, vor allem für ein Schützenfest der kleinen Leute – im wahrsten Sinne des Wortes.

Jakob Matheisen war ein Ur-Neusser. Geboren in einem Haus an der Spulgasse, besuchte er die Münsterschule und wuchs rund um den „Veehmaat“ auf. Nach seiner Lehre zum Großhandelskaufmann trat er in das 1922 gegründete Speditionsunternehmen der Familie ein und übernahm 1969 dessen Leitung. Schwer fiel ihm, das schilderte er anlässlich seines 80. Geburtstags 2016 im Gespräch mit unserer Redaktion, jener Gang im August 2010, als er den letzten Möbelwagen seiner Spedition beim Straßenverkehrsamt abmeldete und in Ruhestand ging. Da hatte er mehr Zeit für seinen Garten.

In Neuss wurde der Unternehmer vor allem durch sein Engagement im Brauchtum bekannt. Verwurzelt war er sowohl im Schützenwesen als auch dem Karneval. Die „Blauen Funken“ verliehen ihm vor Jahren ihre Ehrenkette, das Grenadierkorps ernannte ihn zum Ehrenmitglied. 1954 war er dem Korps beigetreten, als er den Zug „Immer treu“ mit Freunden gründete. Er wurde zum Feldwebel (Spieß) gewählt und übte dieses Amt mehr als sechs Jahrzehnte aus. Kein Wunder, dass er häufig auch einfach nur „der Feldwebel“ oder „Regimentsspieß“ genannt wurde. 2018 wurde er vom damaligen Oberst Walter Pesch beim Grenadierball folgerichtig auch offiziell zum Regiments-Feldwebel ernannt. Die Ehrung nahm in Abwesenheit von Pesch dessen Adjutant Ben Dahlmann vor.

Das Grenadierkorps würdigt sein Ehrenmitglied im Internet mit herzlichen Worten. Dabei wird auch ein legendärer Satz von Jakob Matheisen zitiert. Er sei zwar nur „ne kleene“ Kerl, „aber er ich freu mich wie ne große“ hatte er nach dem Vogelschuss auf der Festwiese gesagt, als er sich die Königswürde in Neuss sicherte und damit ein Traum wahr wurde. Im Korps war sich Jakob Matheisen nie für irgendeine Arbeit zu schade. Und er packte an, wenn er gebraucht wurde. Seine Umzugwagen hätten zum Beispiel nicht nur für Transporte aller Art für das Korps, sondern auch als Künstlergarderobe gedient.

(abu/lue-)