Check-in-Berufswelt in Neuss Schülern fällt die Berufswahl schwerer als vor einigen Jahren

Neuss · 60 Unternehmen waren bei der Messe „Check in Berufswelt“ im erzbischöflichen Berufskolleg vertreten, um die Schüler über berufliche Werdegänge zu informieren. Was auffiel: Viele Jugendliche haben noch keine Vorstellung, welchen Weg sie einschlagen wollen.

 Über viele Interessenten freuten sich auch die Schirmherren Hans-Jürgen Petrauschke, Landrat des Rhein-Kreis Neuss und Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Niederrhein.

Über viele Interessenten freuten sich auch die Schirmherren Hans-Jürgen Petrauschke, Landrat des Rhein-Kreis Neuss und Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Niederrhein.

Foto: Andreas Woitschützke

Was sie nach dem Schulabschluss machen möchten wissen viele Schülerinnen und Schüler nicht. Die Jugendlichen seien wesentlich weniger entscheidungsfreudig als noch vor ein paar Jahren, berichtet Dagmar Tolkmitt, die Koordinatorin für berufs- und studienvorbereitende Maßnahmen am Erzbischöflichen Berufskolleg Neuss. Den Ursprung dieser Entwicklung vermutet Tolkmitt bei der Corona-Pandemie: „Viele Angebote sind weggefallen und der Austausch unter den Schülern konnte auch nur sehr begrenzt stattfinden“, erklärt sie. Umso wichtiger sei es, den Schülern in dieser Zeit mit diversen Angeboten neue Perspektiven zu eröffnen. Dazu gehört auch die „Check In Berufswelt“-Messe, die am vergangenen Mittwoch im Forum des Erzbischöflichen Berufskolleg Neuss Marienhaus (EBK) an der Rheinstraße stattfand. Neben Schülern der örtlichen Lehreinrichtungen und deren Eltern waren auch Interessierte aus Schulen in Dormagen angereist, um die 15. und bisher größte „Check In“-Messe mit 60 teilnehmenden Unternehmen zu besuchen.

Eingeläutet wurde der Beginn der Messe von Esther Wolters, der Schulleiterin der Gastgeberschule, die prompt versprach: „Für jeden Schüler und jede Schülerin wird es eine Inspiration geben, was er oder sie nach dem Abschluss alles machen kann.“ Auch die Schirmherren Hans-Jürgen Petrauschke, Landrat des Rhein-Kreis Neuss und Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Niederrhein, waren vor Ort und hießen die Interessenten willkommen. Steinmetz ließ es sich nicht nehmen bei dieser Gelegenheit, nochmals auf den „Pop-Up-Store“ der IHK hinzuweisen, der sich auf dem Neusser Markt in einem leeren Ladenlokal eingerichtet hat und Jugendlichen berufsberatend zur Seite steht. Das Angebot fand bereits großen Anklang.

Viele Schüler hatten bereits einen Anhaltspunkt, welche Berufsgruppen für sie in Frage kommen, als sie die Messe besuchten: „Nach meinem Anerkennungsjahr möchte ich in Düsseldorf Soziale Arbeit studieren“, erzählt Eva Joost, die die zwölfte Klasse des Berufskollegs Neuss besucht. „Ich möchte sehr gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Auf der Messe möchte ich mich deshalb in Richtung sozialer Berufe wie Pflege und Pädagogik orientieren und informieren“, sagt die 17-Jährige.

Auch Josy Schmidt ist sich sicher, was sie nach der Schule machen will: „Erst möchte ich das Fachabitur fertigmachen, dann ein FSJ und danach ein duales Studium in Kommunikation und Event-Management anfangen. Noch habe ich aber keine Praktika gemacht und weiß noch nicht, wo ich das FSJ machen möchte“, berichtet die Zwölftklässlerin.

Vor dem Stand des Großkonzerns „Bayer“ steht Tom Gesch mit seinen Eltern und lässt sich beraten. Dem knapp 14-Jährigen schwebt zwar zur Zeit eher ein Job bei der Polizei oder in einer Gaming-Firma vor, aber sicher ist er sich noch nicht: „Ich will etwas Praktisches machen, aber wenn es Spaß macht, kann ich mir auch was Theoretisches vorstellen“, erklärt er. Seinem Vater, einem gelernten Werkzeugmechaniker, geht er oft und gerne zur Hand. „Er ist handwerklich sehr begabt“, meint auch die Mutter des Jüchener Gesamtschülers.

Doch neben der Beratung der Besucher ist die Veranstaltung auch für die teilnehmenden Unternehmen eine gute Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Mit vielversprechenden Slogans, Mitmach-Aktionen und diversen Werbegeschenken locken die Firmen die Schüler zu ihren Ständen. Neben den obligatorischen Kugelschreibern und Schlüsselanhänger werden auch Powerbanks, blaue Ikea-Hüte und hochwertige Trinkflaschen an potenziellen Nachwuchs verteilt. „Natürlich kommen auch einige, um die Artikel abzugreifen, aber wirklich viele Schüler haben auch Interesse am Beruf“, erzählt eine Mitarbeiterin der Volksbank. Auch das Diakoniewerk Neuss-Süd war mit einem Stand vertreten; die Bilanz ist positiv: „Wir hatten hier viele interessierte Schüler, die auch sehr explizite Fragen hatten. Unser Stand ist sehr gut angekommen“, meint eine Beraterin.

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