Neuss: Schülerinnen erforschen Stadtgeschichte

Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten : Neusser Schülerinnen erforschen Stadthistorie

Gleich vier Neusser Schülerinnen haben einen von 250 Förderpreisen beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten abgeräumt. Alle haben sich mit Themen aus der Neusser Stadtgeschichte auseinandergesetzt.

Die Flüchtlingskrise hat es Gesine Siebert angetan. „Auf der Suche nach einem Thema für meine Geschichts-Facharbeit bin ich auf Gastarbeiter in Neuss gestoßen“, erzählt die 17-Jährige, die die Jahrgangsstufe elf am Marienberg-Gymnasium in der Innenstadt besucht. Nach ersten Recherchen im Stadtarchiv hat sie ihr Thema auf den Streik bei dem Neusser Autozulieferer Pierburg im August des Jahres 1973 und den damit verbundenen Konflikt zwischen Gastarbeitern und angestammter Arbeiterschaft eingegrenzt. Außerdem hatte sie sich entschlossen, ihre Arbeit beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten einzureichen.

Das sollte sich als eine gute Entscheidung herausstellen. Denn die junge Wissenschaftlerin befindet sich unter den 250 Landessiegern, die die Jury aus bundesweit fast 2000 Wettbewerbsbeiträgen zum Thema „So geht’s nicht weiter – Krise, Umbruch, Aufbruch“ ermittelt hat. Ein Kriterium des Wettbewerbs, bei dem in diesem Jahr fünf Beiträge aus Neuss eingereicht wurden: Das Thema muss lokal, also in diesem Fall in der Neusser Stadtgeschichte, verankert sein. „Genau das ist auch unser Kernthema“, sagt Stadtarchivleiter Jens Metzdorf. Seit vielen Jahren betreuen seine Mitarbeiter Neusser Schüler, die sich auf die Spuren der Stadtgeschichte begeben und kooperieren mit dem Marienberg-Gymnasium in einer Bildungspartnerschaft. „Meine Erkenntnisse habe ich aus Zeitungsartikeln aus dem Jahr 1973, in denen auch Zeitzeugen zitiert wurden, sowie aus Büchern – im Internet war leider nichts zu finden“, sagt Gesine Siebert.

Auch ihre Mitschülerin Henrike Edler hat sich in ihrer Heimatstadt Neuss auf eine Spurensuche begeben. Mit ihrer Arbeit zum Neusser Bürgerschützenfest in der Nachkriegszeit hat die 18-Jahre alte Marienbergerin einen von 250 Förderpreisen ergattert. „Das ist besonders bemerkenswert, weil die Abiturientin die Arbeit neben den Prüfungsvorbereitungen geschafft hat“, bemerkt Schulleiter Josef Burdich. Obwohl Henrike Edler nicht aus einer Schützenfamilie stammt, fasziniert sie die Historie des Bürger-Schützen-Festes, das seit vielen Jahren Ende August von allen Neussern gemeinsam gefeiert wird. „Ich wollte herausfinden, wie die Neusser Schützen ihre Krise im zweiten Weltkrieg bewältigt haben.“ Quellen fand sie im Schützenmuseum mit dem Joseph-Lange-Schützenarchiv. „Aus Protokollen und Filmen wurde ersichtlich: Schon kurz nach dem Krieg war das Schützenfest wieder das wichtigste Ereignis in Neuss.“

Ein weiterer Förderpreis ging an zwei noch sehr junge Forscherinnen. Die Drittklässlerinnen Sonja Metzdorf und Lisanne Zühlke haben sich mit dem Neuanfang ihrer nach dem Krieg zerbombten Martin-Luther-Schule beschäftigt. Mit Unterstützung von Annekatrin Schaller, die sich im Stadtarchiv um historische Bildungsarbeit kümmert und Schülern bei der Auffindung, Auswertung und Verarbeitung von Quellen hilft, haben sich die Neunjährigen durch eine umfangreiche Schulchronik aus den Nachkriegsjahren gearbeitet. Besonders spannend fanden sie die Erzählungen von zwei ehemaligen Schülern der Martin-Luther-Schule. „Nach dem Krieg waren 60 Schüler in den Klassen und im Sommer sind die Kinder ohne Schuhe zur Schule gegangen“, weiß Sonja Metzdorf.

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