Neuss: Schüler wollen als UN-Delegierte die Welt retten

Weltpolitik am Nelly-Sachs-Gymnasium in Neuss: Schüler wollen als UN-Delegierte die Welt retten

Zum achten Mal hat das Nelly-Sachs-Gymnasium eine Model-Konferenz der Vereinten Nationen veranstaltet – mit allem, was dazu gehört. Im schicken Zwirn diskutierten die „Delegierten“ zwei Tage lang Weltbewegendes – alles auf Englisch.

Sarah Linder will heute einiges erreichen. Deshalb nimmt die 17-Jährige an der Konferenz der Vereinten Nationen teil – heute allerdings nicht im UN-Hauptquartier in New York, sondern im Neusser Dreikönigenviertel. „Ein liberalerer Umgang mit Drogen, mehr Wert auf Menschenrechte“, zählt sie auf. In den nächsten zwei Tagen ist Sarah Lindner nämlich nicht mehr Schülerin der Stufe Q2, die in Jeans und Sneakers zum Unterricht erscheint, sondern eine kanadische UN-Delegierte im dunkelblauen Kostüm, die die Interessen ihres Landes in der Weltgesundheitsorganisation vertritt. „Das ist ein sehr spannendes Projekt, weil wir versuchen gemeinsam mit anderen Lösungen für echte Probleme in der Welt zu erarbeiten“, bemerkt sie.

Die Neusserin ist eine von rund 150 Teilnehmern des UN-Planspiels, das Neunt- bis Zwölftklässler des Nelly-Sachs-Gymnasiums zum achten Mal organisieren. „Dress to impress – kleide Dich so, dass du andere beeindruckst“, ist auf Seite 8 des aufwändig gestalteten Booklets zur Konferenz zu lesen. Will heißen: Die männlichen Delegierten haben weißes Hemd und dunklen Anzug, die Damen Blusen und Kostüme mit nicht allzu kurzen Röcken zu tragen. Schließlich setzen sich die Jungdelegierten mit ganz großen Krisen auseinander.

Etwa 30 Schüler des „Nelly“ diskutieren mit Gästen vom Quirinus-Gymnasium und der Internationalen Schule in Neuss, sowie aus Köln, Warschau und Alphen aan den Rijn rund um das Konferenz-Motto „The Situation is heating up – Change is needed“ zu Klimawandel, internationalen Konflikten, Gesundheitskrisen und anderen brennenden Themen. „Um die Positionen ihres jeweiligen Landes zu vertreten, müssen sie vorher deren Situation und Position recherchieren“, erklärt Englischlehrerin Meike Knoth, die die Arbeitsgemeinschaft und den Projektkurs „MUNelly“ gemeinsam mit Kollegin Anna-Christina Schäfer leitet und die Schüler bei der Planung der Konferenz unterstützt hat.

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Zudem verständigen sich die Schüler während der Konferenztage ausschließlich auf Englisch – ein „enormer Mehrwert“, sagt Meike Knoth. „In Englisch, please“, heißt es auch für alle Redner bei der Eröffnungszeremonie am Donnerstagmorgen, inklusive Jörg Geerlings (CDU), stellvertretender Bürgermeister und Landtagsabgeordneter. Das dritte Mal schon sei er hier und sehr beeindruckt über die aktuellen Debatten, die denen im Landtag zumindest teilweise ähneln, sagt Jörg Geerlings zu den Jungdelegierten.

Routiniertes Englisch spricht der 17-jährige Moritz Hütten, der gemeinsam mit Alice Kraus Batista in die Rolle von UN-Generalsekretär António Guterres geschlüpft ist und die Model-Konferenz leitet. „Unser Motto passt zu so vielen Problemen auf diesem Planeten – Ernährung, Klimawandel, politische Konflikte. Es macht unheimlich viel Spaß mit Schülern aus aller Welt über solch komplexe Themen zu debattieren“, bemerkt Hütten, der sich nach dem Abitur eine internationale, vielleicht auch politisch orientiere Laufbahn vorstellen kann. Schon heute will er als „Vorsitzender des UN-Sicherheitsrats“ mit den Delegierten eine Lösung zu einem ganz großen Konflikt erarbeiten – dem zwischen Israelis und Palästinensern.

Es sind spannende Erfahrungen, die die Schüler beim UN-Planspiel sammeln. Und diese Erfahrungen lassen sie die große Politik mit ganz anderen Augen sehen.

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