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Neuss: Schiffsmodellbauverein feiert im Stadtgarten

Stadtgarten in Neuss : Modell-Bauer feiern am Weiher

Ein Hauch von Hochsee: Rund 30 Schiffe ließen die Mitglieder des Schiffsmodellbauvereins Neuss bei ihrem Sommerfest am Weiher zu Wasser.

Dieter Enkel erinnert sich noch gut an den Schreckmoment. „Plötzlich brannten die Haare der Frau“, sagt der 80-Jährige. Doch Entwarnung: Es handelte sich dabei lediglich um eine kleine weibliche Puppe – eine von zwei „Passagieren“ auf seinem Modellschiff Molli –, deren blonde Haarbedeckung ein wenig zu nah an die Dampfmaschine gekommen war, die für den Antrieb des Modells sorgt. Es war nur eine von vielen kleinen Anekdoten, die die Mitglieder des Schiffsmodellbauvereins Neuss jetzt bei ihrem großen Sommerfest austauschten.

Knapp 30 Modelle ließen die Experten im Weiher im Stadtgarten – den hat der Verein nämlich inklusive einer Hütte gepachtet – zu Wasser. Viele Spaziergänger und Fahrradfahrer legten am Sonntag einen Zwischenstopp ein, um die Fischkutter, Schnellboote, Schlepper, Yachten und Co. zu bestaunen.

 Liebe zum Detail: Dieses Schiff der Fischereiaufsicht wurde mit dem Namen „Narwal“ versehen.
Liebe zum Detail: Dieses Schiff der Fischereiaufsicht wurde mit dem Namen „Narwal“ versehen. Foto: Simon Janßen

„Unseren Verein gibt es seit 2003, wir haben viele Mitglieder aus dem Rhein-Kreis Neuss, aber auch aus Düsseldorf“, sagt Vorstandsmitglied Christof Höing, der auf die Vielfältigkeit und Detailverliebtheit bei den einzelnen Modellen aufmerksam machte. So kämen nicht nur Materialien wie Holz, Kunststoff und Metall zum Einsatz – manchmal bekämen zum Beispiel auch ausrangierte Küchengeräte eine neue Bestimmung: „So wird aus einem alten Sieb schonmal ein kleines Gitter“, sagt Höing, der zwar zugibt, dass der Schiffsmodellbau ein „Altherren-Hobby“ sei, der 14 Jahre alte Oliver, das jüngste Mitglied des Vereins, zieht den Altersschnitt jedoch etwas runter.

 Knapp 30 Modelle gab es im Stadtgarten zu bestaunen.
Knapp 30 Modelle gab es im Stadtgarten zu bestaunen. Foto: Simon Janßen
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Dieter Vogels aus Neuss kam am Sonntag unter anderem mit seinem Versorger-Schiff „Grampian Pride“ in den Stadtgarten – ein Modell in Feuer-Rot im Maßstab 1:40, an dem der 80-Jährige bereits seit 2013 tüftelt. So richtig fertig ist er nie. „Es gibt immer etwas zu tun, jeden Tag zwei bis drei Stunden“, sagt der Senior. Angefangen habe er mit dem Modellbau im Jahr 1975, musste das Hobby aber berufsbedingt 30 Jahre ruhen lassen. Angetrieben wird die Grampian Pride mit einem Elektromotor – das gilt auch für den großen Kran, der mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet wurde. Auch in seinem benachbarten Hochsee-Schlepper fällt eine Kleinigkeit direkt ins Auge – eine winzige Neuss-Fahne.

 In einigen Schiffen gab es „Passagiere“ zu entdecken.
In einigen Schiffen gab es „Passagiere“ zu entdecken. Foto: Simon Janßen

Das offizielle Anfahren des Vereins fand bereits im Mai statt. Coronabedingt im kleinen Kreis. In der Regel treffen sich die Experten sonntags am Weiher, um ihre ferngesteuerten Schätzchen zu Wasser zu lassen. Manchmal finden sogar auch Nachtfahrten statt. „Viele Boote haben eine tolle Beleuchtung“, sagt Höing.

Angetrieben werden die Modelle mit Elektromotoren, Dampfmaschinen – oder durch Wind. Zahlreiche Vereine, auch aus der Umgebung, haben sich nach Angaben des Vorstandes in den vergangenen Jahren aufgelöst. Durch Aktionen wie das Sommerfest wollen die Neusser Schiffsmodellbauer dazu beitragen, dass ihr Hobby weiterhin nach außen getragen wird.