Neuss: Schau auf Schloss Reuschenberg mit Malerei von Udo Dzierks

Ausstellung auf Schloss Reuschenberg in Neuss : Gemalte Inszenierungen

Die Kunstinitiative Wurzeln und Flügel stellt auf Schloss Reuschenberg den Maler Udo Dzierks vor. Er hat zusammen mit Kurator Thomas Hirsch 68 Arbeiten ausgesucht. Die Schau hat den Titel „Glückliche Fügung“.

Mit 68 Arbeiten dürfte die neue Schau der Kunstinitiative Wurzeln und Flügel auf Schloss Reuschenberg die größte Einzelausstellung sein, die dort bisher gezeigt wurde. Sie ist Udo Dziersk gewidmet, Maler und Professor an der Kunstakademie Düsseldorf, Weltreisender, Wuppertaler, überhaupt ein Mensch, der alles, was er sieht und erlebt, aufsaugt, zunächst in Skizzen festhält und dann in seinem großen Atelier im Bergischen (eine ehemalige Schreinerei) in groß- oder auch mittelformatige Bilder umsetzt. Die Räume des Gebäudes am Schloss, das sich unter der Hand der Vereinsvorsitzenden Beate Düsterberg zu einer beliebten Ausstellungslocation entwickelt hat, kann Dziersk fast mühelos mit einer Auswahl nur aus dem eigenen Bestand bestücken. Wobei er großen Wert drauf legt, die Schau gemeinsam mit Thomas Hirsch kuratiert zu haben: „Er kennt mich und meine Kunst schon lange.“

Herausgekommen ist dabei eine eindrucksvolle Übersicht über das Schaffen des Malers unter dem wirklich passenden Titel „Glückliche Fügung“. Nicht im Sinne einer Retrospektive, sondern mit Konzept. Denn sie zeigt die Entwicklung eines Künstlers, der aus den Einflüssen der Kunst in den 1970/80er Jahren heraus seine malerische Handschrift weiterentwickelt hat – und diese ist längst unverkennbar. Allein das Beispiel Farbe belegt dies: Während die Bilder aus den 1990er Jahren einen noch sehr farbintensiven Hintergrund haben, wird es mit den Jahren im Sinne des Wortes lichter. Die Palette schwankt zwischen zarten Grün-,Türkis- und Blautönen, in sich ebenfalls kräftig, aber differenzierter. „Die Farbe verändert sich mit der malerischen Entwicklung“, bestätigt Dziersk, allerdings sei das nicht als qualitative Einschätzung gemeint, sondern als Status.

„Harold meets Moud“ ist 2002 in Beijing entstanden. Moud ist im Übrigen ein orientalischer Teppich. Foto: Helga Bittner

Schon immer aber hat ihn die „Figur in einem Raum“ interessiert. Dabei reagiert er auf das, was ihn umgibt, in seinem Alltag, aber auch auf seinen Reisen oder während seiner Arbeit als Gastprofessor in der chinesischen Stadt Xi’an, die vor allem dank der ausgegrabenen Terrakotta-Armee hierzulande bekannt ist. Statt der tönernen Soldaten finden sich auf Dzierks Bildern jedoch Figuren der „Pferdestelen“ (an Hund oder Katze aus Stein wurden im früheren China die Pferde angebunden). Zu Hauf stünden sie inzwischen auf dem Campus, sagt Dzierks und gesteht lachend, dass er sie einfach mag und deswegen auch immer wieder Motiv in seinen Bildern sind.

Udo Dziersk samt seiner Büste auf dem Bild „Sempre Dritto“ von 2010. Foto: Helga Bittner

Sie sind ebenso in Szene gesetzt wie etwa eine Büste von ihm, die mal ein Student von ihm gemacht hat und nun von Dzierks in einer Rücken- und in einer Vorderansicht in jeweils ein Gemälde integriert ist. Und das ihn die Inszenierung einer Figur schon immer gereizt hat, zeigt auch das vor rund 30 Jahren entstandene Bild „Arbeiterdenkmal“ nach einer Prag-Reise.

Die Räume haben die beiden Kuratoren so geschickt wie sinnvoll aufgeteilt: die neuen Arbeiten wie die „Palermo“-Serie etwa im Foyer, ein Raum für die direkte Gegenüberstellung von Alt und Neu, ein anderer Raum für Motive aus dem Alltag – wie eine Entdeckungsreise.