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Neuss: Satire zu Corona unterm Zeltdach am Theater am Schlachthof

Kabarett in Neuss : Satire zu Corona unterm Zeltdach am Theater am Schlachthof

Die Kabarettisten Martin Maier-Bode und Daniel Graf zeigen die Premiere ihres für die Pandemie entwickelten Programms „Lockerungsübungen“.

Neuss „Endlich mal wieder Menschen sehen, mit denen man nicht verwandt ist“: Martin Maier-Bode war glücklich, als er zusammen mit Daniel Graf „Lockerungsübungen in Corona-Zeiten“ präsentierte. Die Zuschauer saßen unter einem großen Pavillonzelt, und auf Wunsch gab es auch eine Schüssel mit kaltem Wasser zur Kühlung der Füße.

Die beiden Kom(m)ödchen-Ensemble-Mitglieder haben nichts von ihrer Spielfreunde eingebüßt in Zeiten des Lockdowns. Gekonnt waren sie sich die verbalen „Bälle“ zu, widmeten sich zunächst den Auswirkungen der Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen.

Da war zum Beispiel das Home-Schooling mit „pickeligen Hausbewohnern“, wo Mathe-Kenntnisse erforderlich wurden, die man vor langer, langer Zeit bewusst aus dem Gedächtnis verbannt hatte. Das Duo sollte aber nicht allzu lange verharren in Schilderungen über die Lockdown-Zeiten, wo Martin Maier-Bode angeblich ganze Weinberge leergetrunken haben will – und wo die Anglizismen wie Pilze aus dem Boden schossen: „Homeoffice hieß früher „Lass“ Papa mal in Ruhe“, ein „Call“ war ein Anruf“, erinnerte sich Maier-Bode. Aber wie hört es sich an, statt im Internet zu surfen, seine Freizeit mit „Brettsegeln im Zwischennetz“ zu verbringen.

Das Programm war prall von solchen Pfiffigkeiten – und auch von Rollenspielen, die die Handschrift von Maier-Bode trugen: Voller Elan und Spielfreude, aber auch mit politischer Botschaft. Maier-Bode wurde zum Fall für die Psychotherapie. Sein Problem: Seine SPD ist ihm nicht links genug. Sein Bekenntnis, Sozialdemokrat zu sein, quittierte der Therapeut Daniel Graf lapidar mit folgendem Satz: „Das ist vielleicht ein bisschen ungewöhnlich, aber sowas kann passieren.“

Daniel Graf hatte bereits kurz zuvor den weißen Kittel übergezogen und war in die Rolle des Pandemieberaters geschlüpft. Er bestätigte Corona-bedingte geistige Ausfallerscheinungen wie diese: „Immer mehr Menschen können sich Markus Söder als Bundeskanzler vorstellen, und wir haben keinen Impfstoff dagegen.“ Die Schützen bekamen ebenfalls ihr Fett weg wegen ihres Ansinnens, als Weltkulturerbe anerkannt zu werden. Dann hätten sich dieses Prädikat auch der Ballermann und den Sauerlandlandstern verdient.

Trotz des Traums vom Super-Sozialstaat ist Maier-Bode nicht entgangen, dass die Chinesen, die den Wohlfahrtsstaat so gar nicht kennen, auf dem Vormarsch sind, Stichwort „Neue Seidenstraße“. Dass die von Shanghai ausgerechnet bis nach Duisburg führen soll, verblüffte das Duo: „Die können ja nicht mal 2. Fußballbundesliga.“

Als „neuen Gegner“ machten sie die USA aus. Ihre Befürchtung: Trump führt die Sklavenarbeit wieder ein. Liberalisierung der Märkte ist für die beiden Kabarettisten ein Reizwort. Daraus machten sie eine Apokalypse unvorstellbaren Ausmaßes, eine Art Pandemie, die die ganze Welt ergreift und die viel härter zuschlägt, als es Corona jemals schaffen wird: „Die Niederländer deregulieren das staatliche Deichwesen und gehen freiwillig unter.“