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Neuss: Saskia Matheisen, DRK-Wasserwacht am Rhein, im TV Tränen nahe

DRK-Wasserwacht in Neuss : „Es ist ein Gefühl von Ohnmacht!“

Die ehrenamtliche Retterin Saskia Matheisen erzählt von einer Aufklärungsarbeit, die nicht ernst genommen wird: Immer wieder gehen Menschen – trotz ständiger Warnungen – im Rhein schwimmen und gefährden sich damit selbst.

Mit Rettungsbooten, Tauchern und einem Hubschrauber haben Einsatzkräfte am Wochenende im Rhein nahe des Düsseldorfer „Paradiesstrands“ nach einem vermissten Mann gesucht. Der Einsatz sollte später ohne gute Nachrichten beendet werden: Der 18-Jährige ist bis heute verschwunden!

Der tragische Vorfall erschüttert auch das Team der DRK-Wasserwacht Neuss bis ins Mark. Denn nur rund zwei Stunden, bevor der junge Mann als vermisst gemeldet wurde, warnten die Ehrenamtler in derselben Bucht vor den Gefahren des Rheins – in Form eines speziellen Flyers, der in Zusammenarbeit mit DRK, DLRG, der Stadt sowie der Feuerwehr entworfen wurde und seit dem vergangenen Wochenende präventiv am Rheinufer verteilt wird.

Wie bitter nötig – und oft auch frustrierend – diese Aufklärungsarbeit ist, bekam Saskia Matheisen, stellvertretende technische Leiterin bei der DRK-Wasserwacht Neuss, am Wochenende wiedermal zu spüren. Während eines TV-Interviews wurde sie auf einen Mann aufmerksam gemacht, der hinter ihr in einer Rhein-Strömung schwamm. „Ich habe zuerst gedacht, er sei tot, weil er auf dem Rücke trieb“, sagt die 23-Jährige unserer Redaktion.

Als sie den Mann vom Uferrand aus schließlich eindringlich aufforderte, das Wasser zu verlassen – mit dem Hinweis, dass dort in diesem Jahr bereits neun Menschen ertrunken sind –, folgte eine unfassbare Reaktion. „Er hat nur gegrinst und mich ausgelacht“, sagt Saskia Matheisen, die hinzufügt: „Es ist ein Gefühl von Ohnmacht.“ Noch emotional bewegt von dieser Reaktion war die 23-Jährige im TV-Interview den Tränen nahe: „Die Leute machen es immer wieder – es wird nie enden!“

In ihrem jungen Alter war die ehrenamtliche Retterin bereits in sechs Einsätze involviert, bei denen Menschen tot aus dem Rhein geborgen wurden. „Bei diesen Menschen ist viel Selbstüberschätzung dabei“, sagt sie.

Normalerweise ist die DRK-Wasserwacht Neuss in den Sommermonaten am Wochenende mit acht Personen am Rhein im Einsatz. Wegen Corona sei dies aktuell jedoch nicht möglich. „Wir wollen auch nicht zu viel Präsenz zeigen, um bei den Menschen kein all zu großes Sicherheitsgefühl aufkommen zu lassen“, sagt sie.

Auch Lutz Seebert von der DLRG Neuss kann in vielen Momenten nur noch den Kopf schütteln ob der Leichtsinnigkeit vieler Menschen. Erst am vergangenen Wochenende wurden er und seine Kollegen Zeugen, wie Schwimmer sogar Plantsch-Utensilien wie Schlauchboote mit zum Rhein brachten. Wenig später mussten sie einem 34-Jährigen Mann das Leben retten, der hilflos im Wasser trieb. Er wurde in ein Krankenhaus gebacht – doch längst nicht immer geht es derart glimpflich aus!