Neuss: Runder Tisch soll Drogenszene bekämpfen

Kriminalität in Neuss : Runder Tisch soll Drogenszene bekämpfen

Am 15. Mai soll eine stadtteilübergreifende Strategie entwickelt werden. Bei Polizei und Stadt stößt die Einladung auf wenig Interesse.

Heroin, Marihuana, Kokain und Waffen: So könnte man die „Fundstücke“ der Polizei aus den vergangenen Wochen bezeichnen. In eng getaktetem Rhythmus finden immer wieder gezielte Kontrollen im und rund um den Rosengarten statt, um der dort ansässigen Drogenszene den Garaus zu machen. Bislang galt das Marienviertel als Haupt-Problembezirk in Sachen Drogenkriminalität. Doch die Erkenntnisse aus den vergangenen Wochen zeigen: Es gibt weitere Orte in Neuss, wo gehandelt werden muss – und wird!

Um gemeinsam weitere Lösungen zu erarbeiten, lädt die Anwohnerinitiative Marienviertel für den 15. Mai zu einem ersten stadtteilübergreifenden Runden Tisch zum Thema Drogenkriminalität. Zwar hatte es in der Vergangenheit auf Einladung der Stadt bereits mehrere solcher Treffen gegeben, dabei wurde jedoch fast ausschließlich die Situation rund um den Marienkirchplatz thematisiert. Der nächste Runde Tisch soll weiter greifen. Der Vorsitzende der Initiative, Andreas Alberts, nennt unter anderem das Jröne Meerke, den Berliner Platz und mehrere Spielplätze im Stadtgebiet als weitere Schwerpunkte der Alkohol- und Drogenszene. „Es gibt mehr als ein Dutzend Orte“, sagt er.

Einladungen zur Teilnahme am Runden Tisch gingen unter anderem an die Stadt, Polizei, Sozialdienste sowie Mitglieder der im Stadtrat vertretenen Fraktionen. Wie unsere Redaktion auf Nachfrage erfuhr, hat die Polizei allerdings kein Interesse an einer Teilnahme.

„Themenbezogene Erörterungen finden regelmäßig mit den zuständigen Stellen der Stadt Neuss in guter Kooperation statt“, lautet die Begründung von Polizeisprecherin Daniela Dässel. Darüber hinaus berichte die Polizei am 6. Juni im Hauptausschuss über die Entwicklung der Sicherheits- und Kriminlitätslage in Neuss.

Auch ob die Stadt an der Veranstaltung teilnehmen wird, ist noch fraglich. Aktuell laufe die „verwaltungsinterne Prüfung“, heißt es auch Nachfrage. Der in der Einladung beschriebene Sachverhalt werde von der Stadt nicht geteilt. Allerdings betont Sicherheitsdezernent Holger Lachmann, dass bereits der Runde Tisch zum Marienviertel Erfolg brachte. Es habe ein intensiver Austausch zwischen den Beteiligten stattgefunden „und es wurden sowohl konkrete Maßnahmen verabredet als auch Vorgehensweisen erläutert“. Der von der Stadt veranstaltete Runde Tisch habe einen konkreten Beitrag zur jetzigen Verbesserung der Situation am Marienkirchplatz geleistet.

Andreas Alberts ist enttäuscht ob der Reaktion von Polizei und Stadt. „Das ist kein gutes Signal, dass man die anderen Teilnehmer im Regen stehen lässt. Wir fühlen uns vor den Kopf gestoßen“, sagt der Vereinsvorsitzende und fügt hinzu: „Die Beweggründe für die Absage sind mir nicht ganz klar.“ Allerdings habe er bereits von anderen potenziellen Teilnehmern grünes Licht erhalten – so wird zum Beispiel die Initiative Nordstadt vertreten sein, wie der Vorsitzende Joachim Goerdt bestätigte – auch um unter anderem über die Probleme am Berliner Platz zu sprechen.

Auch Thomas Kaumanns kritisiert die Haltung von der Polizei und Stadt. „Ich finde das sehr bedauerlich. Mittlerweile sollte klar sein, dass Drogenkriminalität in Neuss ein flächendeckendes Problem ist“, so der CDU-Stadtverordnete, der findet: „Je mehr Akteure bei einem Runden Tisch – desto besser.“

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