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Neuss: Ruhiger „erster“ Shopping-Samstag in der Innenstadt

Neusser Innenstadt : Ruhiger „erster“ Shopping-Samstag

Trotz Lockerungen kam es in der Innenstadt am Wochenende zu keinen größeren Menschen-Ansammlungen in und vor den Geschäften. Obwohl vergleichsweise wenig los war, musste man zum Einkaufen deutlich mehr Zeit einplanen als sonst üblich.

Seit vor einer Woche die kleineren Geschäfte wieder öffnen durften, kommt langsam, aber sicher wieder Leben in die Innenstadt. Am Samstag war jedoch die Zurückhaltung der Menschen, sich ins Getümmel zu stürzen, unübersehbar: Im Stadtzentrum war deutlich weniger los als in der Zeit vor Corona. Das gefiel Elke Stern: „Die Stadt war mir in den letzten Tagen zu voll. Das ist heute zum Glück nicht so.“

Wenn sie frische Luft schnappen möchte, geht sie in eine der Neusser Grünanlagen. Was ihr auffiel: Der Countdown der Schützen hoch oben am Rathaus: „Noch 126 Tage zum Schützenfest“, war da noch zu lesen, obwohl das große Fest ja in diesem Jahr ausfällt. Dass in Zeiten von Corona selbst der Kauf eines Eisbechers eine komplizierte Prozedur sein kann, wurde an der Gelateria Italiana deutlich: Da galt es, den Inhalt gleich mehrerer Plakate zu studieren und zugleich auf die orangefarbenen Linien zu achten, die mittels Klebeband auf dem Boden aufgetragen worden waren. Das Eis – darauf machte ein Schild aufmerksam – darf nur in einem Abstand von mindestens 50 Metern zur Eisdiele geschleckt werden.

Das Ordnungsamt zeigte Präsenz in der Innenstadt. Foto: Andreas Woitschützke

Gleich nebenan, in der Boutique Bonita, wartete Lilli Schaufler auf Kundinnen. „Gestern war hier viel los“, sagte die Verkäuferin, die bereits eine Maske trug und die die Disziplin der Kundinnen lobte. Auch hier gilt es nämlich, Abstand zu halten. Rund einen Monat lang war das Geschäft geschlossen. Lilli Schaufler hat so ihre Zweifel, dass die entgangenen Umsätze jetzt aufgeholt werden können in einer Zeit ohne Begegnungen, ohne geselliges Miteinander und ohne Urlaubsreisen. Obwohl vergleichsweise wenig Menschen in der Innenstadt unterwegs waren, musste man zum Einkaufen deutlich mehr Zeit einplanen als sonst üblich: „Wir haben Schutzmasken vorrätig“, stand auf einem Schild an der Glockenapotheke. Vor der Tür hatte sich ebenso eine kleine Schlange Wartender gebildet wie vor dem gegenüber liegenden Zeitschriften- und Tabakwarengeschäft. Klaus Gravemann vom Bücherhaus am Münster hatte in den vergangenen Tagen folgende Erfahrungen gemacht: „Die Kundenfrequenz war eigentlich ziemlich normal. Allerdings nehmen sich die Kunden weniger Zeit zum Stöbern.“ Diese verhielten sich sehr diszipliniert, drängelten nicht vor, um an ihren Lese-Stoff zu kommen. Noch vor einer Woche waren die Bücher durch einen Türspalt gereicht worden, so als sei es etwas Verbotenes, sich mit Literatur zu befassen.

Karl-Peter Lux hatte auf dem Wochenmarkt unter anderem Spargel, Basilikum und Erdbeeren gekauft. „Das läuft hier heute schon ziemlich normal ab“, fiel ihm auf. Vor einer Woche hatte es noch eine Art Einbahnstraßen-Regelung gegeben. Allerdings war auf den ersten Blick erkennbar, dass der Abstand von 1,50 Metern längst nicht immer eingehalten wurde. In Sichtweite war der blaue Bus des Ordnungsamtes geparkt, Mitarbeiter hatten den Markt im Auge. Ein Mitarbeiter erklärte, dass der Märkt stärker frequentiert sei als noch vor einer Woche. Monika und Günter Schubert hatten ihre Galerie nach vier Wochen endlich wieder geöffnet. Am Samstag herrschte dort zunächst gähnende Leere, was die Galeristen, die seit 40 Jahren im Geschäft sind, jedoch nicht verunsicherte: „Wir haben viele treue Kunden und einer davon hat seinen Besuch für nachmittags angekündigt.“

Christoph Napp-Saarbourg hatte seine Einhorn-Apotheke wie alle seine Kollegen nicht schließen müssen. „Wir haben immer gut zu tun gehabt“, sagte der Apotheker. Am Samstag gehörte unter anderem Schützenkönig Kurt I. Koenemann zu seinen Kunden – er trug eine rote Maske mit einer Krone drauf. In der Einhorn-Apotheke gibt es eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Masken zu kaufen. Als Vorsitzender der Zukunftsinitiative Innenstadt Neuss erklärte Napp-Saarbourg, die Geschäftsleute seien insgesamt recht zufrieden gewesen.

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