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Neuss: Rolf Geisslers Grafik im Mappenprojekt "Wir" posthum erschienen

Mappenprojekt „Wir“ in Neuss : Rolf Geisslers Grafik ist posthum erschienen

Der Künstler Rolf Geissler hat seine Grafik „Hotspot: In Aucherbachs Keller ist der Teufel los“ noch kurz vor seinem Tod in der Bretagne dem Kulturamt übergeben.

In der Bretagne ist Rolf Geissler ganz plötzlich gestorben, und in der Bretagne ist er auch begraben worden. Vor mehr als drei Wochen, so plötzlich und völlig unerwartet, dass im Katalog zum Mappenprojekt kein Todesdatum vermerkt ist: „Da war schon alles gedruckt“, sagt die Kulturdezernentin Christiane Zangs, die über den Tod des Grafikers genauso traurig ist wie der neue Leiter des Kulturamts, Benjamin Reissenberger. Kurz, bevor er aufbrach, in den seit 21 Jahren am selben Ort verbrachten vierwöchigen Urlaub, hatte Rolf Geissler noch die Grafik für das Mappenprojekt „Wir“ an das Kulturamt übergeben

„Er war einfach froh und glücklich, als das Kulturamt ihn fragte“, sagt seine Lebensgefährtin Regina Bender, die ebenfalls Künstlerin ist. Das Corona-Thema habe ihn nicht nur stark beschäftigt, sondern auch immer wieder den Niederschlag in seiner Arbeit gefunden. „Hotspot: In Auerbachs Keller ist der Teufel los“ heißt seine Arbeit, die Feiernde mit dem Teufel (Mephisto?) zeigt. Gearbeitet auf die Art, mit der Geissler immer den Menschen porträtierte: mit viel Sarkasmus.

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Die Grafik wurde von ihm ausgesucht aus einem umfangreichen Werk, in dem er die Corona-Zeit, die Einsamkeit, die teilweise fragwürdigen politischen Bestimmungen zeichnete. Da gibt es die Boxer, die weitermachen durften, weil sie doch Handschuhe tragen, da gibt es das Corona-„Engelchen“, das zur Weihnachten entstand. Jährlich erschien eins, und wie gern hätte er noch Nr. 40 in diesem Jahr gemacht. Und da gibt es eben Auerbachs Keller, wo Goethes Mephisto den Faust hinführte, um ihm das Treiben des Volkes mit Trinken, Singen und viel Gelächter zu zeigen. Dass der Dichter als Student gern in dem Leipziger Weinlokal verkehrte, wusste natürlich auch Rolf Geissler. 

Die Arbeit steht für den Grafiker, für Rolf Geissler als Menschen, der am Menschsein ebenso litt wie auch sich erfreute, der belesen war wie kaum ein anderer, der unglaublich viel gearbeitet hat. Seit 1973 hatte er das Atelier an der Büttger Straße in Neuss.