Rhein-Kreis Neuss: Neuss richtet Energiekonferenz aus

Rhein-Kreis Neuss : Neuss richtet Energiekonferenz aus

Politiker und Stadtwerke-Vertreter trafen sich in der Quirinusstadt, um über Energiepolitik zu sprechen. Im Mittelpunkt standen vor allem die Erfahrungen der französischen Nachbarn, zum Beispiel mit Biogas und Photovoltaik.

Eine Runde aus Bürgermeistern, Beigeordneten und Vertretern kommunaler Stadtwerke erhielt bei einer Energiekonferenz im Ratssaal der Stadt Neuss einen Einblick über das Versorgungssystem im Nachbarland Frankreich. Dieses setzt mit mehr als 50 Kernkraftwerken vor allem auf die Atomenergie. Einige davon liegen im direkten Grenzgebiet und führen seit Beginn des nationalen Atomausstiegs zu kontroversen Diskussionen. Dies sollte aber nicht die zentrale Frage der eineinhalbtägigen Konferenz sein. Eher, wie es das Thema der abschließenden Podiumsdiskussion beschrieb: Deutschland und Frankreich - Brüder im Geiste auch bei der Energiepolitik?

"Auch Frankreich entwickelt sich in anderen Bereichen weiter. Es gibt nicht nur die EDF als großen Betreiber der Kernkraftwerke", sagte Reinhard Sommer. Der ehemalige Beigeordnete der Stadt Brilon ist Vorsitzender des Deutsch-Französischen Ausschusses (DFA) im Rat der Gemeinden und Region Europas und war Gastgeber der Konferenz. Der Ausschuss wurde 1988 zum Nachfolger der Internationalen Bürgermeisterunion mit dem Ziel der Vertiefung der deutsch-französischen Beziehungen auf kommunaler Ebene. Viele Städte bewerben sich um Konferenzen, nun folgte man der Einladung des Neusser Beigeordneten Frank Gensler.

In der Quirinusstadt standen vor allem die Erfahrungen der französischen Nachbarn im Mittelpunkt. Durch die geographische Lage trägt die Wasserkraft in Frankreich seit jeher zur Energiegewinnung bei. Kohlevorkommen gibt es nur wenige.

Der Versorger "Gaz Électricité de Grenoble" (GEG), ein Unternehmen in privatwirtschaftlicher und öffentlicher Hand mit 437 Mitarbeitern, beleuchtet den Eiffelturm in Paris. Er versorgt aber vor allem rund 450 000 Einwohner im Großraum der Stadt Grenoble in den französischen Alpen mit Gas und Strom. Dabei setzt der Konzern inzwischen auch verstärkt auf Photovoltaik und Biogas. "Gerade, wenn es um die großen Herausforderungen der Energiepolitik geht, müssen auf regionaler und lokaler Ebene die Lösungen gefunden werden", sagte GEG-Generaldirektor Olivier Sala.

In seinem Impulsreferat stellte er den rund 20 Konferenzteilnehmern die Form des "gemischtwirtschaftlichen Unternehmens" für den Energiesektor vor.

Beim Stichwort Biogas entwickelte sich unter den Konferenzteilnehmern ein reger Meinungsaustausch. "Es gilt, die Schwierigkeit zu lösen, wie eine Beschaffungssicherheit für Biogasanlagen langfristig gesichert werden kann. Bisher weiß man noch nicht, wie man die Ressourcen dafür in gleich großen Mengen liefern kann", erklärte Henri Devys. Als Projektmanager der Tilia GmbH hat er bereits Stadtwerke in Deutschland und Frankreich beraten. In seinem Referat thematisierte er darum das deutsche und französische System im Energiesektor.

"Deutschland ist Frankreich bei der Energiewende voraus. Aber beide Seiten können voneinander lernen", sagte Devys. Etwa im Bereich der Solarenergie: Deutschland habe den Bau von Photovoltaikanlagen stark gefördert, aber unsystematisch, erläuterte der Projektmanager. Frankreich dagegen organisiere dies zentral über eine öffentliche Ausschreibung.

(NGZ)
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