Neuss: Rheinmetall Automotive will bei E-Mobilität zulegen

Pierburg in Neuss: Rheinmetall Automotive will bei Elektromobilität zulegen

Der Automobilzulieferer will seinen Umsatz bei der Elektromobilität deutlich steigern.

Kai Kioschis huscht ein Lächeln übers Gesicht. Der Leiter der Abteilung Elektromobilität der Rheinmetall Automotive AG weiß um die Vorzüge des kleinen Flitzers, den das Unternehmen auf dem Verkehrsübungsplatz in Mettmann vorstellt. Entwickelt wurde er an den beiden Standorten Neuss und Neckarsulm in Gemeinschaftsarbeit. Das Fahrzeug auf Basis eines Fiat 500 trägt den Namen „Remove“. Das steht für Rheinmetall Electric Mobility Vehicle. Vor allem aber ist es ein wichtiger Schritt für das Unternehmen auf dem Weg ins Zeitalter der E-Mobilität.

Am Tag nach der Vorführ- und Testfahrt in Mettmann stellt Horst Binnig, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall Automotive AG und Vorstandsmitglied der Rheinmetall AG, in Neuss zwar klar, dass der Verbrennungsmotor auf Basis heutiger Erkenntnisse eine substanzielle Zukunft bis 2040 habe. Aber die E-Mobilität werde stark wachsen, und in diesem Bereich will der Automobilzulieferer seine Stärken ausspielen und seinen Umsatz kräftig steigern.

Die Rheinmetall Automotive AG, zu der Pierburg gehört, hat daher die Vision 2025plus auf der Agenda. Derzeit ist die Rheinmetall Automotive AG zu 85 Prozent verbrennungsmotor-orientiert. Aber die E-Mobilität legt zu. Rheinmetall Automotive will auch in Zukunft stärker als die Weltwirtschaft (plus 3,7 Prozent in 2017) wachsen. Im vergangenen Jahr legte der Automotive-Bereich um acht Prozent auf rund 2,8 Milliarden Euro (2016: 2,67 Milliarden Euro) zu. Das Ziel: 2040 sollen allein neue Technologien, neue Produkte und E-Mobilität einen Umsatz von 2,3 Milliarden Euro machen.

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Der Remove ist ein Baustein auf dem Weg dorthin. Der Automobilzulieferer hat ihn als Kompetenzträger für alternative Antriebe konzipiert. Im Fokus stehen ein eigenentwickeltes Batteriepack sowie ein zunächst auf kleine Fahrzeugklassen zielender, aber ausbaufähiger Traktionsmotor. In Verbindung mit dem neuen Elektroantrieb erreicht der Wagen eine Spitzengeschwindigkeit von 135 km/h und erzielt eine berechnete Reichweite von 235 Kilometer. Der Hersteller hat sich bei der Entwicklung des Traktionsmotors und des Batteriepacks für die Bereiche Energiespeicherung sowie den E-Antrieb mit seiner Peripherie entschieden. Beim Batteriepack wird ein Konzept verfolgt, das die Integration und die thermische Konditionierung unterschiedlicher Batteriezelltypen erlaubt. Rheinmetall Automotive versteht die an zukünftigen Elektrofahrzeugen ausgerichtete Konfiguration als Beispiel für ein mögliches Serienkonzept, das auf Kundenwünsche individuell angepasst werden kann.

Den Mittelpunkt der Entwicklung stellt ein 90 kW starker, flüssigkeitsgekühlter permanentmagneterregter Synchronmotor dar. Als zweiter Entwicklungsschwerpunkt wurde eine 29 kWh große Lithium-Ionen-Batterie nach einem modularen Konzept für das Elektrofahrzeug aufgebaut.

Bei der Konzeption ist der Hersteller davon ausgegangen, dass zukünftige Elektrofahrzeuge und Hybride zu einem erheblichen Anteil über Unterflurbatterien verfügen. Der Vorteil: Sie beeinträchtigen das Ladevolumen das Fahrzeugs kaum, verschieben den Fahrzeugschwerpunkt nicht nach oben und können in die Fahrzeugstruktur eingebunden werden.

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