Neuss: Rheinisches Schützenmuseum bietet Kindern kostenlose Kurse an

Ferienprogramm in Neuss : Heavy Metal im Schützenmuseum

Das Rheinische Schützenmuseum bietet in den Sommerferien kostenlose Kurse für Kinder und Jugendliche an. Bei einer Metallwerkstatt haben sie ihre persönlichen Schützenorden und Anhänger gestaltet.

Neuss Aus dem Keller des Rheinischen Schützenmuseums quietscht und knarrt es. Geister, die gibt es im Gewölbekeller allerdings keine – es sind sieben Kinder, die Kunst aus Metall herstellen. Lautstark sägen, feilen und gravieren sie die Materialien in der eigens dafür hergerichteten Werkstatt.

Insgesamt sieben Kinder waren bei der Metallwerkstatt dabei. In drei Stunden sind etliche Ketten- und Schlüsselanhänger sowie Orden entstanden. Foto: Andreas Woitschützke

Der Kursus ist Teil des landesweiten Programms „Kulturrucksack“ des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft. Dabei wird Wert darauf gelegt, Kindern und Jugendlichen, die Tür zu kulturellen Angeboten zu öffnen. Deshalb wird der dreistündige Kursus auch kostenlos angeboten und bietet den Kindern auch ein Sommerferienprogramm.

Den Kursus im Schützenmuseum leitet Susanne Gersak. Die Kunsthistorikerin fertigt selbst aus Metall Kunst an und veranstaltet die Werkstatt für Kinder bereits zum vierten Mal im Rheinischen Schützenmuseum. „Das ist der richtige Ort, denn die Kinder können sich in der Ausstellung von den Orden inspirieren lassen“, sagt Gersak. Doch nicht nur Schützenorden sollen entstehen. „Wir haben das Programm bewusst Metallwerkstatt genannt, weil es so auch für Mädchen interessanter ist“, sagt die Künstlerin.

Auch die Schwestern Larissa und Anika haben sich für den Kursus angemeldet. Während Annika passend zu ihrem Hobby Anhänger in Judo-T-Shirt-Form bastelt, fertigt Larissa einen Herzanhänger an, der aus zwei Teilen besteht. „Den möchte ich meiner Freundin schenken“, sagt sie. Der Anhänger solle die beiden in der weiterführenden Schule noch mehr zusammenschweißen. Deshalb steht auch „BFF“ – die englische Abkürzung für beste Freunde für immer – auf dem Anhänger.

Kleeblatt, Herzchen, Pokémon – zur Auswahl stehen diverse Motive. Foto: Andreas Woitschützke

Welche Symbole und Motive die Kinder wählen, das dürfen sie selbst entscheiden. Einige Schablonen hat Gersak mitgebracht, darunter auch Silhouetten von Pokémons. „Besonders beliebt sind Pikachu und Evoli“, sagt Gersak, die den Kindern beim Ausschneiden der Motive hilft. Anschließend müssen die dünnen Aluminumplättchen noch mit der Drahtbürste abgerieben und die scharfen Kanten abgefeilt werden. Damit sich kein Kind verletzt, tragen alle Schutzhandschuhe. Die beiden Brüdern Fynn und Aric kratzen mit großer Energie darauf los – sie haben es eilig. „Wir wollen noch etwas für unsere Eltern schaffen“, sagt Aric, der bereits einen Bruderanhänger mit Fynn und einen Pokémon-Orden erschaffen hat.

Neben ihnen liegen einige Orden zum Trocknen, darunter auch klassische in den Neusser Farben. „Ich lasse den Kindern da ganz freie Hand“, sagt Gersak, die allerdings ein bisschen erstaunt darüber ist, wie wenig Glitzer in diesem Kursus verwendet wird. Britta Spies vom Schützenmuseum ist das ganz Recht. Den Glitzer findet sie sonst noch wochenlang in allen Museumsfluren wieder. Die Tore für Kinder zu öffnen sei ihr jedoch besonders wichtig, deshalb werden immer wieder Kurse für Kinder zwischen acht bis 14 Jahren im Museum angeboten.

Zum Schluss können die Kinder ihre entstandenen Werke noch gravieren. Mit der Maschine, die ein bisschen nach Zahnarzt klingt, verziert Anika ihre Judo-T-Shirts mit feinen Linien. „Ich finde das cool, dass wir alles selbst ausprobieren können“, sagt sie und verziert ihre Judo-T-Shirts noch in den passenden Farben. Ihr Anhänger soll künftig an ihrer Trainingstasche einen neuen Platz finden.

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