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Neuss: Requisiteurin am Rheinischen Landestheater

Berufe am Theater : Ohne Geschick geht es nicht

Vor fünf Jahren wechselte Birgit Drawer am Landestheater in die Requisite am RLT. Dafür braucht viel handwerklisches Geschick. Vorher war sie Bühnentechnikerin.

Seit 23 Jahren arbeitet Birgit Drawer am RLT. Die meiste Zeit allerdings in der Bühnentechnik, hat beim Aufbau- und Abbau im eigenen Haus, aber auch bei Abstechern geholfen. Und schon da hat die 53-Jährige viel handwerkliches Geschick bewiesen. Denn das braucht man, um überhaupt über einen Wechsel in die Requisite nachzudenken, geschweige denn eine gerade dort freiwerdende Stelle anzunehmen.

Seit fünf Jahren ist Birgit Drawer nun eine von zwei festen Requisiteurinnen am RLT (für ein Jahr ist zudem noch eine FSJlerin dabei), sozusagen ein Quereinsteiger, aber hat damit auch eine Tradition fortgesetzt, die immer noch die Requisite eines Theater bestimmt. „Die meisten Kollegen kommen immer noch aus anderen Bereichen“, sagt Drawer, die allerdings auch weiß, dass es inzwischen Schulen für angehende Requisiteure gibt: „Mit Abschluss und Prüfung.“

Die Mischung aus Handwerk und „ein bisschen künstlerisch“ Arbeiten ist es, die Drawer am Theater fasziniert. Und: „Es gibt keine Routine.“ Dafür nimmt sie auch die Arbeitszeiten abends in Kauf, wenn ein Requisiteur eine Produktion begleitet. Zu ihren Aufgaben gehören schließlich Auf- und Abbau genauso wie zum Beispiel das Anfertigen von Obst. „Wenn es einfach nur in einer Schale liegt, ist es meistens aus Styropor“, erzählt sie. Wenn aber in einem Stück eine Banane gegessen werde, sei die natürlich echt: „Etwas anderes ist auch kaum zumutbar“, sagt sie lachend.

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Und wie ist das mit Rotwein auf der Bühne? Oder Whisky? „Rotwein ist meistens Kirschsaft“, sagt sie, „und beim Whisky wird die bräunliche Farbe durch Zuckercouleur erreicht.“ Braunes Zuckerwasser also... Was sagen die Schauspieler dazu? „Die sind das gewohnt“, kommt es fast ungerührt zurück. Aber Drawer ergänzt auch: „So schlecht schmeckt es nicht.“ Das weiß sie aus eigener Erfahrung, denn natürlich probiert eine Requisiteurin schon mal, was sie den Schauspielern vorsetzen muss.

In Pandemie-Zeiten verlangt die Arbeit jedoch noch besondere Aufmerksamkeit. Gläser, wie sie etwa in der Produktion „Wunschkonzert“ eingesetzt werden, tragen das Namensschildchen des entsprechenden Darstellers, andere Dinge müssen zweifach vorhanden sein (etwa, wenn eine Requisite durch vier statt nur zwei Hände gehen muss) oder auch aufwendig desinfiziert werden.

50 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringt Drawer in der Werkstatt. „Der Dienst beginnt um acht Uhr“, sagt sie, trifft sich dort auch gern mit ihrer Kollegin, um zu „brainstormen“. Schließlich sie es manchmal kniffelig, sich erstens was auszudenken und zweitens dann auch zu fertigen. Wie etwa bei einem Regenschirm, unter dem es – wenn er aufgespannt ist – regnen sollte. „Das war wirklich schwierig“, sagt Drawer lachend, „da muss man nachdenken, tüfteln und ein bisschen erfinden.“ Oder eine Pinocchio-Nase, die auf der Bühne wächst, oder ein Schwangerschaftsbauch, der im Spiel immer dicker wird... Seit einiger Zeit sind die Requisiteure von verschiedenen Theater über eine Gruppe verbunden. „Da werden dann auch solche Probleme diskutiert.“

Überhaut funktioniere die Zusammenarbeit unter den Bühnen gut, etwa, wenn nach Requisiten gefragt werde, sagt Drawer und erinnert sich an ein Gewehr, aus dem vorn ein Regenschirm kommt: „Den hatten wir nicht und konnten ihn auch nicht kaufen.“