Autorin erzählt in Neuss vom Dating Von High-Heels-Schenkern und Dampfplauderern

Neuss · Buch-Autorin Renate Kaiser (58) hat in Neuss jetzt Einblicke in ihre kuriosesten Dating-Erlebnisse gegeben. Ob sie am Ende „Mr. Right“ tatsächlich getroffen hat?

Inhaberin Andrea Buchholz und Autorin Renate Kaiser (r.).

Inhaberin Andrea Buchholz und Autorin Renate Kaiser (r.).

Foto: Andreas Woitschützke

Als Andrea Buchholz im September 2019 ihren „Store No. 16“ an der Krämerstraße eröffnete, wusste noch kein Mensch von der Coronapandemie. Mittlerweile hat sie die ganze miese Zeit für den Einzelhandel mitgemacht, aber „mich gibt es noch“, sagt sie. Und ihr Optimismus half ihr dabei.

Dieser Optimismus führte jetzt auch zu einer bemerkenswerten Lesung in ihrem Geschäft. Zu Gast war die Autorin Renate Kaiser, die aus ihrem in diesem Jahr erschienen Buch „Ich date – also bin ich“ las. Vorab muss man wissen: Renate Kaiser (58) hat sich nach 23 Ehejahren von ihrem Mann getrennt – die gemeinsame in Neuss geborene Tochter war 18 Jahre alt – und hat in zahllosen Onlinedatings, wie sie selbst feststellt, nach einem Partner gesucht. Ihre dabei gemachten Erfahrungen schildert sie in 38 Kurzgeschichten auf 288 Seiten.

Sie erlebt Männer, die zum Date ein Paar High-Heels mitbringen, andere, die immer noch bei Mama wohnen oder eine Drittfrau suchen, Männer, die sie in ihr Luxus-Penthouse nach Zürich einladen und dabei den Flug spendieren, kurz: „Viele Begegnungen waren wirklich nur nett, aber im Grunde nur nichts sagend“, fasst sie zusammen. Eine Episode spielt tatsächlich in Neuss unter dem Titel „Parkgebühren“. Renate Kaiser trifft im Hafen einen Kirchenmusiker aus Krefeld, der sich zuallererst über die teuren Parkgebühren in Neuss beschwert. Also zahlt sie das Essen in der „Hafenliebe“ und bezeichnet dieses Date als „Flop“. Ihr Fazit: „Eine Begegnung im Onlinedating ist wie ein Vorstellungsgespräch. Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.“

Leider hat die letzte Episode, in der Renate Kaiser „The Right Man“ etwas kitschig trifft, kein Fazit. Denn diese, in allen 37 Episoden zuvor getroffen, können Onlinedatern sehr hilfreich sein. So lautet im Kapitel „Kann ich für drei Wochen bei dir einziehen?“ das Fazit: „Wer und wann in meine Wohnung einziehen durfte, das wollte ich ganz alleine bestimmen.“ Natürlich kommt man im Onlinedating ohne Humor nicht weiter, etwa „wenn befreundete Single-Frauen denselben Mann daten“ oder ein „Großgebinde an Zahnbürsten“ entdeckt wird.

Um aufzuklären: Paul, der High-Heels-Schenker, erzählte den ganzen Abend nur von seinem Haus in Dormagen, war der reinste Dampfplauderer und hätte die 1,79 Meter große Renate Kaiser gerne in seinen mitgebrachten Louboutins, den High-Heels mit roter Sohle, beim Date angeschaut. Nach einer wunderbaren italienischen Nacht mit Maurizio musste Renate feststellen, dass die angebotene frische Zahnbürste aus einem Konglomerat von mindestens 20 neuen Bürsten stammte. Ihr Fazit war dennoch: „Eine Nacht voller Sinnlichkeit mit einem rassig-eleganten Italiener: Welche Frau Anfang 50 wünscht sich das nicht?“ Schade, ein zweites Mal traf sie ihn nicht. Das alles las Renate Kaiser klar und bar jeder Regung, aber nicht ohne Heiterkeit, mit der sie ihre Zuhörerinnen, in überwiegender Zahl, ansteckte. Hauptberuflich ist die Autorin für die Öffentlichkeitsarbeit der Volkshochschule Köln tätig – und arbeitet zur Zeit an ihrem fünften Buch.

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