Reformationskirchengemeinde Neuss Ein Seelsorger der Veränderung

Neuss-Nordstadt · Nach 25 Jahren im Dienst der evangelischen Reformationskirchengemeinde auf der Furth geht Pfarrer Manfred Burdinski in den Ruhestand. Am Sonntag wird er offiziell entpflichtet. Was bleibt?

 Manfred Burdinski war 25 Jahre evangelischer Pfarrer in der Nordstadt. Jetzt wird er verabschiedet.

Manfred Burdinski war 25 Jahre evangelischer Pfarrer in der Nordstadt. Jetzt wird er verabschiedet.

Foto: Burdinski

Wo Manfred Burdinski wirkt, weht immer auch ein wenig vom „Wind der Veränderung“. Der Pfarrer begleitete 2018 als Aufsichtsratsvorsitzender die Fusion der Diakonischen Werke in Stadt und Rhein-Kreis, die er gelungen nennt, und warb als stellvertretender Vorsitzender des evangelischen Gemeindeverbandes schon früh für die Verschmelzung der innerstädtischen Christuskirchengemeinde mit der Reformationskirchengemeinde auf der Furth. Kostenpflichtiger Inhalt Jetzt ist sie beschlossen, wird zum 1. Januar 2025 Realität. „Das wurde höchste Zeit“, sagt Burdinski – und fügt ein „Auf Wiedersehen“ hinzu. Denn die nächste Veränderung betrifft seine Person.

Seit der Konfirmationsfeier in der Reformationskirche im April hat sich Burdinski nicht mehr auf den Predigtplan der Gemeinde setzen lassen. Er urlaubt seitdem und bereitet sich auf seinen Ruhestand vor. Schlussakt wird die förmliche Entpflichtung durch Superintendent Dietrich Denker am Sonntag, 2. Juni, sein. Das geschieht im Familiengottesdienst (Beginn: 10.30 Uhr) und beendet fast schon eine Ära. Denn Burdinski wirkte auf der Furth ein Vierteljahrhundert lang.

Geboren wurde der Seelsorger 1958 in Ostpreußen. Aus Polen ausreisen durfte seine Familie dann 1962. Sie fand in Wuppertal eine neue Heimat, wo Burdinski aufwuchs. Als Spross eines sehr protestantischen Elternhauses entschied er sich früh, Theologie studieren zu wollen. Diese Studien nahm er in Wuppertal auf, setzte sie in Bochum und Bonn fort und schloss sie in Wuppertal ab.

Damals, berichtet Burdinski, war Priestermangel bei der evangelischen Kirche im Rheinland offenbar noch ein Fremdwort. Auf eine Stelle gab es bis zu 120 Bewerbungen, sodass der junge Theologe viele Absagen erhielt, bevor er dann 1993 in Kaarst auf eine Sonderpfarrstelle rutschte. Schwerpunkt: Jugend- und Konfirmandenarbeit. Sechs Jahre blieb er mit seiner Familie in Kaarst, erinnert sich noch heute gerne an viele Aktionen und auch an die Einrichtung einer „Offenen Tür“ für die Jugendarbeit.

Offenbar hat sich Burdinski so einen Namen machen können, denn 1999 wurde ihm eine der Pfarrstellen der Reformationskirchengemeinde angetragen. Für ihn mehr als eine glückliche Fügung, denn er sollte den Bezirk zwischen dem Hauptbahnhof und der Gladbacher Straße betreuen. Ein sozial stark durchmischtes Quartier mit recht hohem Ausländeranteil. „Der Umgang mit allen Menschen hier hat mir immer Freude gemacht“, sagt Burdinski, der sich stets um einen engen Kontakt zu den, wie er es nennt, muslimischen Schwestern und Brüdern bemühte. Ihn freue deshalb besonders, sagt Burdinski, dass es an der Gemeinschaftsgrundschule „Die Brücke“ eine Lehrkraft mit der Berechtigung zum muslimischen Religionsunterricht gibt, die sich an der Gestaltung der Schulgottesdienste, für ihn ein wichtiges Standbein seiner seelsorglichen Tätigkeit, beteiligt. So sei es gelungen, daraus eine interreligiöse Feier zu machen.

Auch in seiner neuen Gemeinde legte Burdinski ein besonderes Augenmerk auf die Jugendarbeit, die am Berliner Platz eine feste Adresse bekam. 2008 wurde dort ein neues Jugendzentrum bezogen. Das soll auch eine Anlaufstelle für junge Menschen bleiben, wenn der Ausbau der Versöhnungskirche abgeschlossen ist und die Reformationskirche am Berliner Platz als Gottesdienstort aufgegeben wird.

Reformations- oder Versöhnungskirche ausbauen – oder doch einen Neubau an anderer Stelle ins Werk setzen? Auch diese Debatte gehörte zu den Veränderungen, die die Gemeinde in Burdinskis Amtszeit beschäftigte. Künftig, hat Burdinski dem Presbyterium als seinem eigentlichen Arbeitgeber schon mitgeteilt, will er zu solchen gemeindepolitischen Dingen nichts mehr sagen. Ja, er werde ein Jahr in der Gemeinde überhaupt nicht in Erscheinung treten, bestenfalls im evangelischen Gemeindeverband Neuss Vertretungsdienste übernehmen.

Ersetzt werden wird Burdinski nicht. Mit seinem Ausscheiden wird die Zahl der Pfarrstellen reduziert. Die durch Fusion der Christus- und der Reformationskirchengemeinde entstehende „Evangelische Stadtgemeinde Neuss“ wird ab Januar noch drei Pfarrer beschäftigen – mit Yuiry Babych auf der Furth.

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