Neuss: Realschule in Holzheim leidet unter langsamer Internet-Verbindung

Breitband-Ausbau in Neuss : Schule hat genug vom „Steinzeit-Internet“

Ungeduldige Schüler, Überstunden in der Schulverwaltung – genervte Lehrer: Für die Realschule Holzheim ist die langsame Internetverbindung ein tägliches Ärgernis. Sie fordern ein schnelles Handeln. Doch Besserung ist in Sicht.

Retro-Fans, die sich in die Zeit zurück katapultieren lassen möchten, in der das Internet tatsächlich noch „Neuland“ war, sollten mal für einen Tag in der Realschule Holzheim hospitieren. Denn dort weht ein Hauch von digitaler Steinzeit durch die Computer-Räume. Was klingt wie ein Scherz, ist für Schüler und Lehrer bitterer Alltag. Ungeduldige Schüler, vergeudete Unterrichtszeit, Überstunden und streikende Programme in der Schulverwaltung: Die langsame Internetverbindung an der Realschule Holzheim kostet täglich Nerven. „In Erdkunde Karten zu laden, dauert eine gefühlte Ewigkeit – manchmal geht es gar nicht“, sagt der stellvertretende Schulleiter Michael Schwirn.

Sind verärgert über die langsame Internet-Verbindung. Schulleiter Wolfgang Spangenberger (r.) und sein Stellvertreter Michael Schwirn. Foto: Georg Salzburg(salz)

Bei einem Vor-Ort-Termin unserer Redaktion am Montag wurde an einem Schulrechner eine Geschwindigkeit von 175 Kilobit pro Sekunde gemessen. Die anderen Geräte wurden zu diesem Zeitpunkt gar nicht benutzt. Normalerweise ist die Verbindung also noch langsamer. Knapp eine Minute dauert es bis zum Beispiel die Seite einer Suchmaschine vollständig geladen ist – eigentlich eine Sache von Sekunden. Fest steht: An den Computern liegt es nicht: „Die wurden erst vor wenigen Monaten erneuert“, sagt Schulleiter Wolfgang Spangenberger. Seit anderthalb Jahren beschwert sich die Schulleitung bei der Stadt Neuss – die jedoch nicht alleinverantwortlich für den Breitbandausbau an den Schulen ist.

175 Kilobit pro Sekunde – schnell ist anders. Foto: Janßen/Simon Janßen

Der Rhein-Kreis Neuss hatte jüngst mitgeteilt, dass die Deutsche Telekom innerhalb der nächsten 24 Monate die förderfähigen sogenannten weißen Flecken – also Bereiche, die eine Datenrate von weniger als 30 Megabit pro Sekunde aufweisen – mit Glasfaser ausgestattet werden. Dem Rhein-Kreis steht dafür eine Fördersumme von 7,9 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln zur Verfügung. „Unser Ziel ist es, jeden Haushalt, jedes Unternehmen und jede Schule mit einem schnellen Glasfaseranschluss auszustatten“, so Landrat Hans-Jürgen Petrauschke.

Der Realschule Holzheim geht das nicht schnell genug. „Das sind immer noch zwei Jahre“, sagt Schulleiter Spangenberger. Schließlich ist das pädagogische Netz, an das die rund 30 Computer und 30 iPads angedockt sind, nur das kleinere Problem. Noch langsamer gehen die Arbeitsprozesse beim Verwaltungsnetz, das noch über eine sogenannte 6000er-Leitung verfügt. Ausbaden muss das zum Beispiel Heide Eberding vom Schulleitungs-Team, die unter anderem den Stundenplan erstellt. Arbeitsschritte, die normalerweise zehn Minuten dauern, werden für sie zu einem einstündigen Groß-Projekt. Schon beim Scrollen hat die Software aufgrund der leistungsschwachen Leitung Probleme. Nahezu täglich hängt sich das Programm auf. „Dann muss ich jedes Mal bei der ITK Rheinland anrufen“, sagt Heide Eberding. Nicht selten führt die „Steinzeit-Leitung“ für sie und ihre Kollegen zu Überstunden, weil sich manche Arbeiten nur mit dem schnellen Internet zu Hause erledigen lassen.

Auch die Gesamtschule an der Erft hatte lange mit einer langsamen Internetverbindung zu kämpfen. „Bei uns hat sich in den vergangenen anderthalb Jahren zum Glück etwas getan“, sagt der stellvertretende Schulleiter Sebastian Lehmkühler. So habe man mittlerweile ein – theoretisches – Leistungsmaximum von 100 Megabit pro Sekunde.

Nach Angaben von Nicole Bungert vom städtischen Presseamt, genießen die Schulen eine „generell hohe Priorität beim Breitbandausbau“. Die Stadt sei mit allen Schulen im Gesprächskontakt.

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