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Neuss: Rainer Aring stellt neue Arbeiten in der Galerie "amschatzhaus" aus

Ausstellung von Rainer Aring in Neuss : Zeichnungen einer widerständigen Natur

In der Galerie „amschatzhaus“ geht es auch unter Corona-Regeln weiter: mit der Ausstellung „Botanica“ von Rainer Aring. Der Künstler stellt damit zum vierten Mal in Holzheim aus.

Corona hatte auch die Galerie „amschatzhaus“ fest im Griff und nun ist es an der Zeit, sich wieder vorsichtig und mit Abstand natürlich, herauszuwagen. Allerdings gibt es für den Besuch (und nicht nur der Vernissage) der neuen Ausstellung Bedingungen: Anmeldung für bestimmte Zeitfenster gehören ebenso dazu wie eine Mund-Nasen-Bedeckung.

Dem „Wald“ gilt Rainer Arings Aufmerksamkeit. Foto: Aring

Der Kölner Künstler, Rainer Aring, Beuys-Schüler, Zeichner von experimentellen Subtilitäten mit pointiertem Wortwitz, hat das Thema „sich herauswagen“ wörtlich genommen und begibt sich mit der aktuellen Schau in die Natur, in das „da draußen“. Unter dem Titel „Botanica“ macht Aring die Natur zur Kunst, denn die Natur steckt in der Krise, sagt er. Der ökonomische Fußabdruck des Menschen ist größer als die Natur ihn verkraften kann.

Es ist das vierte Mal, dass Rainer Aring in der Holzheimer Galerie ausstellt. 2016 hatte er zuletzt da „Vom Sattel aus – Erftskizzen und Aquarelle“ in der Tradition etwa eines Max Clarenbach gezeigt und sich schon damals als ausgewiesener Experte mit dem anderen Blick auf Natur und die Menschen erwiesen.

„Seit nun mehr 25 Jahren wohne ich in der ;Waldreichsten Gemeinde Nordrhein-Westfalens’ und schaue vom Fenster aus dem zunehmenden Sterben der Natur zu“, erklärt er zu seinen jüngsten Motiven, „der Wald wird totbraun, Vögel kommen kaum noch auf unsere Dachterrasse, Feld- und Wiesenblumen lassen vertrocknet die Köpfe hängen. Das ist es, was mich seit Jahren umtreibt“, sagt Rainer Aring und allen Kitschvorwürfen zum Trotz, widmet er sich intensiv der Pflanzenwelt. Er bildet die Üppigkeit der Natur ab, als hätte ihr letztes Stündlein geschlagen. Rainer Aring reagiert mit seinen aktuellen Werken auf die Vorstellung einer von Menschen beeinflussten, künstlichen Natur, die seit rund zwei Jahrzehnten unter dem Schlagwort Anthropozän, die öffentliche Diskussion beherrscht. Dabei positioniert er sich zwischen Kunstnatur und Naturkunst, indem er einerseits die synthetischen Prozesse von Natur analysiert und andererseits die Natur als Motiv- und Ideengeberin nutzt.

Kein anderer als Rainer Aring schafft es, Poesie und Atmosphäre gleichzeitig mit einem Augenzwinkern und tiefster Ernsthaftigkeit ineinander fließen zu lassen. Seine Zeichnungen sind eine Kombination aus zumeist naturalistischen Bleistiftzeichnungen und expressiver Über- oder Untermalung mit Ölfarben auf Leinwand. Technisch strebt Rainer Aring dabei an, dass die Materialitäten in diesem Prozess weder miteinander konkurrieren, noch sich wechselseitig nivellieren, sondern eine veritable Steigerungsgemeinschaft bilden. Insbesondere die großformatigen Leinwandarbeiten leben vom Fließen, Zerlaufen oder Verspritzen der Farben, um den darunterliegenden Naturdarstellungen Anmutungen von Gestrüpp, Dickicht und Wucherungen zu verleihen.

Die neue Ausstellung mit den Arbeiten von Rainer Aring in der Galerie „amschatzhaus“ zeigt auf, dass Kunst und Natur widerständig sind und jederzeit kraftvoll, neue künstlerische Positionen hervorbringen können.

Info Hauptstraße 18, 5. September bis 31. Oktober, www.amschatzhaus.de, info@amschatzhaus.de

(hbm)