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Neuss: Prozess gegen mutmaßliche Feuerteufel beginnt in Düsseldorf

13 Brände in Neuss gelegt : Ehemalige Feuerwehrleute legen Geständnis vor Gericht ab

Drei ehemalige Neusser Feuerwehrmänner haben am Dienstag vor dem Düsseldorfer Landgericht zugegeben, in 13 Fällen Fahrzeuge angezündet zu haben. Sie müssen mit mehrjährigen Haftstrafen rechnen. Der entstandene Sachschaden ist gigantisch.

Mit Geständnissen hat am Düsseldorfer Landgericht der Prozess gegen drei freiwillige Feuerwehrleute des Löschzugs der Neusser Furth begonnen. Die jungen Männer im Alter zwischen 20 und 23 Jahren räumten ein, in 13 Fällen im Neusser Norden Autos, Transporter, Lkw und Motorräder angezündet zu haben. Dabei war laut Staatsanwaltschaft ein Schaden von rund einer Million Euro entstanden.

Rückblick: Anfang Februar klickten bei den drei Feuerwehrleuten von der Furth die Handschellen. Die Bevölkerung reagierte auf die Verhaftung entsetzt wie erleichtert. Zum einen hatte die Brandserie zwischen Oktober 2017 und Januar 2018 für große Unruhe gesorgt, zum anderen machte sich Fassungslosigkeit breit, als drei Feuerwehrleute als Feuerteufel enttarnt wurden. „Ich war genauso fassungslos“, erklärte Staatsanwältin Britta Zur, „Menschen, die eigentlich Feuer verhüten sollen und die auch wissen, dass Brände wahnsinnig gefährlich sind, legen hier absichtlich Feuer.“

Das Motiv des Trios: Sie wollten Löschen, den Helden spielen und die Aufregung der Einsätze erleben – so jedenfalls erklärten sie es am Dienstag vor Gericht. „Ich wollte kein Loser sein, war deshalb mit dabei“, meinte einer der Angeklagten, der erst später in die Brandserie „eingestiegen“ war. Zum Zeitpunkt der ersten Brandstiftungen war er gerade ein halbes Jahr im Löschzug Furth und hatte dort schnell Anschluss gefunden. Seine beiden Kameraden hatten ihm von ihren Taten berichtet. „Daraufhin hab’ ich mitgemacht. Ich habe aber nie selbst etwas angezündet“, erklärte er vor Gericht, „das waren die anderen beiden. Das Aufregende für mich waren die Einsätze danach.“ Man habe stets nur im Neusser Norden gezündelt, damit man auch sicher sein konnte, dass man zum Brandort gerufen wird. Nur einmal ging das Vorhaben schief – da nämlich waren die „Kollegen“ des Löschzugs Stadtmitte schneller. Daraufhin zündeten die drei Angeklagten in derselben Nacht an anderer Stelle weitere Autos an, um doch noch zum Zug zu kommen. Die Polizei war dem Trio erst auf die Schliche gekommen, nachdem sich eine Zeugin gemeldet hatte. „Die Frau hatte einen der drei von einem brennenden Auto weglaufen sehen. Mit ihrer Hilfe konnte ein hervorragendes Phantombild erstellt werden“, so Chefermittler Dirk Gütte, „das Phantombild sah einem der drei Angeklagten sehr ähnlich.“

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„Keiner der drei kann für die Brandstiftungen heute eine wirklich nachvollziehbare Erklärung liefern“, meinte Verteidiger Marcel Schwager zum Prozessauftakt, „aus der heutigen Sicht ist mein Mandant völlig fassungslos, wie so etwas geschehen konnte.“ Ähnlich äußerte sich auch Verteidiger Gerd Meister. „Das war die größte Dummheit seines Lebens“, so der erfahrene Strafrechtler, „vielleicht kommt er noch mit einer Jugendstrafe davon. Bei einem Teil der Taten war er noch Heranwachsender.“

In jedem Fall müssen die drei Angeklagten mit mehrjährigen Haftstrafen rechnen. Außerdem drohen von den Geschädigten und ihren Versicherungen hohe Schadensersatzforderungen. „Das sind bei jedem der drei Angeklagten etliche hunderttausend Euro“, so Rechtsanwalt Schwager. Das Urteil könnte schon in der kommenden Woche verkündet werden. Ausgestanden ist die Sache damit für die Justiz übrigens noch nicht. Staatsanwältin Zur erklärte am Rande des Verfahrens, dass wohl auch noch ein vierter Feuerwehrmann von den Taten wusste. Ihm soll in einem gesonderten Verfahren der Prozess gemacht werden.

(mape)