Neuss: Premiere von „Oh, wie schön ist Panama“ im RLT

Kinderstück „Oh, wie schön ist Panama“: Auf ins Land unserer Träume

Mit „Oh, wie schön ist Panama“ feierte das erste Kinderstück der neuen Spielzeit Premiere im RLT. Ein Stück, das nicht nur die Kleinen erfreut.

Panama ist für jeden ein anderer Ort. Für die einen ist es vielleicht ein schöner Strand am türkisblauen Meer. Für andere eine einsame Hütte in den Bergen. Für den kleinen Bären und den kleinen Tiger ist Panama ein Land, das von oben bis unten nach Bananen riecht. Dort ist alles viel schöner und größer – und Bienenstichkuchen gibt es auch. Kurz: Es ist das Land ihrer Träume. Also verlassen sie ihr Haus am Fluss, wo sie eigentlich alles haben, was das Herz begehrt, und machen sich auf den Weg nach Panama. Und weil sie nicht genau wissen, wohin sie gehen müssen, bauen sie den Wegweiser einfach selbst.

Im Studio des RLT schlüpfen Katharina Dalichau und Hubertus Brandt in die Rollen von Bär und Tiger. Erkennen kann man sie keineswegs an kuscheligen Ganzkörperkostümen, sondern an braunen Armstulpen und gestreifter Hose. Sie bewegen sich über eine mit Holzkisten vollgestellte Bühne, die sich mit ein wenig Phantasie in einen Wald, ein Boot oder ein Haus verwandeln lassen.

Dabei unterstützen die Geräusche, die Emilia Haag im hinteren Bereich der Bühne erzeugt: Watet der Bär beispielsweise beim Angeln durch den Fluss, drückt sie einen Schwamm in einem Wassereimer aus. Und herrscht auf dem Meer Flaute, erzeugt sie mit einem Tuch nicht nur Wind, sondern auch das entsprechende Heulen.

Besonders begeistert sind die jungen Zuschauer ab vier Jahren, an die sich das Stück richtet, immer dann, wenn Emilia Haag ein Tier verkörpert, das Bär und Tiger wie im Janosch-Buch auf ihrem Weg nach Panama treffen. Und ihre Figuren sind es auch, die der Inszenierung von Frances van Boeckel eine Ebene für die mitschauenden Erwachsenen geben: der Wasser spuckende Frosch beispielsweise kann das Wort „Quak“ in diversen Sprachen sagen, der schwerhörige Frosch liest Macbeth, die kleinkriminelle Maus spricht mit texanischem Akzent und der Maulwurf ist „im Untergrund undercover“ unterwegs.

Dabei reichen stets nur ganz wenige Kostümteile, und schon ist den Kindern klar: Da kommt das verrückte Huhn! Und das ist jetzt der Löwe! Vor dem und dem großen wilden Wald kann man sich dann tatsächlich auch ein bisschen fürchten – damit sind Bär und Tiger nicht allein. Aber wie gut ist es, wenn man dann einen Freund hat, an den man sich in der Not ankuscheln kann. Denn, so die Botschaft des Stücks: Freunde helfen einander in der Not, tragen sich gegenseitig, wenn sie nicht mehr weiter können, und bauen gemeinsam eine Regenhütte.

Am Ende noch ein besonders schöner Regieeinfall: Als die Krähe Bär und Tiger die Aussicht auf Panama verspricht, steigen die beiden in Zeitlupe eine Leiter hoch, während eine Instrumentalversion von „I want to get away“ erklingt. Sie strahlen über das ganze Gesicht. Und als es nicht mehr schöner werden kann, kommt eine Postkarte von Tante Gans an. Die ist in Madagaskar, und dort riecht es überall nach: Vanille.

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