Neuss: Präsident und Oberst ziehen Bilanz zum Schützenfest

Interview Neusser Schützenchefs ziehen Festbilanz: „Verein und Regiment sind eins“

Präsident Martin Flecken und Oberst Walter Pesch ziehen eine positive Schützenfest-Bilanz. Sie hatten Premiere als neues Führungsduo.

Herr Flecken, Herr Pesch, wie die Dialektik des Lebens so spielt. Da feiern Präsident Flecken und Oberst Pesch als neues Führungsduo der Schützen ihre Premiere und beginnen ihre Zusammenarbeit mit einem Zapfenstreich am Schützenfest-Samstag ...

Martin Flecken ... der das Ende der uniformfreien Zeit dokumentiert. Bestens zusammengearbeitet haben wir aber schon früher, besonders seit letztem November. Beim Zapfenstreich galt es, unserem Ehrenpräsidenten Thomas Nickel verdienten Dank und Anerkennung auszusprechen. Der Zeitpunkt vor dem Totengedenken und der Reveille war perfekt, der Markt die richtige Kulisse.

Walter Pesch Der Zapfenstreich war der gute Übergang zum Schützenfest mit dessen militärischen Elementen, die beginnen, wenn die Tambourkorps das „Freut Euch des Lebens“ durch die Stadt tragen.

Das „Freut Euch des Lebens“ fand für Sie, Herr Pesch, aber direkt nach der Parade schon ein schmerzhaftes Ende. Sie arbeiten seit einigen Tagen wieder. Inwieweit sind Sie gesundheitlich wieder hergestellt?

Pesch Der Sturz ist beim Absitzen passiert. Ein dummer Fehltritt, der mir auch bei anderer Gelegenheit hätte passieren können. Wie sich herausstellte, habe ich mir dabei den neunten Brustwirbel gebrochen. Hinzu kamen schwere Prellungen an Becken und Niere. Aber im „Lukas“ wurde ich bestens versorgt und in sechs Wochen darf ich wieder Fahrradfahren und werde wieder mit dem Reiten beginnen.

Sie werden also auch 2019 als Oberst das Regiment führen?

Pesch Dazu bin ich sehr gerne bereit, aber darüber entscheiden die Schützen. Wenn sie mich am Oberstehrenabend wählen, dann werde ich 2019 als Oberst mit ihnen feiern. Ich werde dann gesund sein. Ich behalte keine Beeinträchtigungen zurück. Ich danke für einen enormen Zuspruch, den ich aus Reihen der Schützen und ganz vieler Neusserinnen und Neusser nach dem Sturz erhalten habe. So wurde mein körperlicher und seelischer Schmerz gelindert. Ich danke meinem Adjutanten Ben Dahlmann, dem ich den Auftrag, das Regiment zu führen, übertragen habe. Das hat er sehr gut gemacht und ist dabei vom Grenadiermajor Markus Ahrweiler und dessen Adjutanten Markus Degen bestens unterstützt worden.

Wie wichtig ist es denn, dass der Präsident als ziviler und der Oberst als militärischer Anführer der Schützen harmonieren?

Flecken Für mich ist es wichtig, dass wir gut zusammenarbeiten, und wir arbeiten geräuschlos zusammen. Verein und Regiment sind eins, da darf man keine Gegensätze schaffen. Ich kann mich auf Oberst Walter Pesch voll und ganz verlassen.

Pesch Für mich war es das dritte Schützenfest als Oberst – mit dem zweiten Präsidenten. Mit Martin Flecken besteht Augenhöhe, auch besteht Augenhöhe zu allen Korpsführungen und allen Mitgliedern des Komitees. Das ist ein moderner Führungsstil eines neuen Präsidenten, der super gestartet ist. Seine Rede bei der Parade auf dem Markt war stark. Aber nicht nur der Präsident war neu. Auch Dr. Achim Robertz, der Flecken als Schützenmeister gefolgt ist, hat bei seiner Premiere einen außerordentlichen Job gemacht.

Es ist viel von Harmonie und Augenhöhe zu hören. Herrscht auch Harmonie und Augenhöhe im Verhältnis zum Rathaus?

Flecken Wir danken Bürgermeister Breuer und der Verwaltung. Die Kooperation vor und während des Schützenfestes war gut. Trotzdem ist es gut, da stimme ich dem Bürgermeister zu, wenn wir einen Vertrag zwischen Stadt und Verein schließen. Das schafft Klarheit.

Ihre Einlassungen lassen nur eine Schlussfolgerung zu: ein rundum gelungenes Fest. Richtig?

Flecken Abgesehen vom Sturz unseres Regimentschefs: Ja. Wir hatten ideales Wetter, das für eine entspannte Atmosphäre gesorgt hat. Das gilt auch für die Festwiese. Ministerpräsident Armin Laschet ist bis 19 Uhr geblieben und war begeistert. Auch die beiden weiteren Einmaligen Ehrengäste, Bischof Kohlgraf und IHK-Präsident te Neues, waren begeistert dabei.

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Pesch Wir können nur allen danken, die mitgeholfen haben. Unter anderem der Polizei und den Hilfsdiensten, aber auch dem Möbelhaus Höffner, das wiederum Lastkraftwagen und Fahrer zur Absicherung der Zugwege zur Verfügung gestellt hat. Wir danken den Neussern, die ihre Häuser beflaggen, und wir danken unseren Schützen, die so mit Herzblut und doch adrett durch die Straßen der Stadt ziehen.

Schützenkönig Georg Martin wurde oftmals als speziell bezeichnet. Haben Sie ihn in seinem Regentenjahr so eigenwillig erlebt?

Flecken Georg Martin hat seine Sache gut gemacht, er war authentisch, hat seine Rolle gefunden und hatte mit Angelika Kurz eine Königin, die toll mitgemacht hat. Drei Kandidaten haben am Dienstag für einen packenden Wettstreit gesorgt. Bruno Weyand wird mit seiner Frau Karin ein starkes Königspaar bilden.

Pesch Ich finde es gut, dass es Abwechslung in den Korps gibt, die den König stellen, und nun ein Gildist auf dem Thron sitzt.

Hat sich das größere Zelt auf der Wiese bewährt? Wie viele Besucher fasst das neue Zelt?

Flecken Das größere Festzelt soll nicht unbedingt mehr Leute fassen, sondern für mehr Platz und somit mehr Luft sorgen. Das ist gelungen.

Pesch Bei gutem Wetter ist das Zelt immer zu groß, weil viele Leute draußen stehen. Bei Regen wird das Zelt immer zu klein sein, weil alle unters trockene Dach wollen. Also: Es geht nicht um Quantität, sondern um Qualität, und da hat sich das neue Zelt bewährt.

Ihren Geschäftsleiter Uli Bolz hat die Öffentlichkeit kaum wahrgenommen ...

Flecken ... und daran sehen Sie, wie gut er arbeitet. Uli Bolz erledigt wertvolle Arbeit und engagiert sich weit über das Maß hinaus, das er honoriert bekommt. Seine Arbeit, die er leistet, oft gemeinsam vor allem mit den Komiteemitgliedern Michael Schmuck, Mario Meyen und Markus Jansen, macht sich gerade im Bereich Vermarktung und Organisation für den Verein bezahlt. Außerdem ist er ein kluger Ratgeber mit Schützenbegeisterung, die er in Wevelinghoven und Holzheim auslebt, und einer doch distanzierten Außensicht aufs Neusser Fest. Wir werden auch 2019 mit Uli Bolz zusammenarbeiten.

Stop and Go. Hand aufs Herz: Wie hat Ihnen der Dienstagabend-Umzug gefallen?

Pesch Die Diskussion um den Dienstagabend-Umzug ist so alt wie der Neustart des Schützenfestes nach dem Krieg. Wir haben einen neuen Zugweg erprobt, der Stärken und Schwächen hatte. Es gab gewollte Stopps zum Kredenzen und Tanzen, es gab erzwungene Stopps, weil drei Notrufe im Bereich Hymgasse und ein Brand im Hafen den Einsatz von Rettungskräften erforderlich machten. Die Ablaufkommission wird im November zu einer Sondersitzung zum Dienstagabend-Umzug zusammenkommen.

Was bleibt?

Pesch Die wunderbare Freude an unserem Schützenfest, das wir Neusser als Familienfest mit unseren Frauen und Kindern feiern.

Flecken Dafür engagieren wir uns alle gemeinsam. Der Schütze, der sich eingliedert und fröhlich-ernsthaft mitmarschiert, der Oberst, der Major oder der Präsident, die bereit sind, Verantwortung auf Zeit für das Ganze zu übernehmen, auch unsere Röskes, die stets mitfeiern und uns unterstützen. Am Ende stehen wir alle gemeinsam an der Bierbude und stoßen mit einem Schützenbräu auf unsere schöne Kirmes an.

(lue-)
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