Neuss: Picnic-Gründer sprechen über Online-Shopping und Einzelhandel

Podiumsdiskussion der MIT bei Picnic in Neuss: Online-Shopping ergänzt den Einzelhandel

Gründer des Online-Supermarkts Picnic debattierten mit Wirtschafts- und Einzelhandelsvertretern über E-Commerce.

Viele Neusser kennen die schmalen weißen E-Flitzer mit dem Picnic-Logo, die nachmittags und abends durch die Neusser Straßen huschen. Der aus den Niederlanden stammende Online-Supermarkt breitet sich rasant aus und liefert neben dem Rhein-Kreis jetzt auch in Mönchengladbach. „Wir wollen expandieren, keine Frage“, verkündet Arthur Oesterle, einer der Gründer, am Dienstagabend beim Diskussionsforum der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU im Rhein-Kreis in den Picnic-Räumen im Barbaraviertel.

Sieben bis zehn neue Liefergebiete sollen 2019 dazukommen. Wer seinen Einkauf per App erledige, spare im Jahr 20 Arbeitstage, 912 Fahrkilometer und 230 Kilo Abfall durch weggeworfene Lebensmittel, rechnet Oesterle vor. Noch liegt der Online-Anteil in der Lebensmittelbranche bei einem Prozent. Bei Reisen sind es 39, bei Elektronik 26 Prozent. Das wollen Startups wie Picnic, in Kooperation mit Edeka, und seit neuestem in Neuss auch „getnow“ in Kooperation mit der Metro und DHL, ändern.

Weniger optimistisch blickt der Neusser Einzelhandel auf das blühende Geschäft im Netz. „Dass die Menschen offenbar gerne online einkaufen, sehen wir Händler etwas argwöhnisch“, gesteht Christoph Napp-Saarbourg, Vorsitzender der Zukunftsinitiative Neuss (ZIN). Er war genau wie Kreisdirektor Dirk Brügge und Dirk Günnewig vom Landesverkehrsministerium Podiumsmitglied in der von NGZ-Chefreporter Ludger Baten moderierten Diskussionsrunde zu künftigen Bedürfnissen der Konsumenten und zur Digitalisierung. „Jeder Kunde, der nicht mehr in die Stadt kommt, fehlt in der Frequenz – das ist, wovon die Innenstädte leben“, sagt Napp-Saarbourg.

  • Picnic beendet Testphase : Startschuss für Neusser Online-Supermarkt

Dabei biete Picnic seinen Kunden mehr als einen kostenfrei gelieferten Online-Einkauf, antwortet Oesterle. „Wir bezeichnen uns als modernen Milchmann.“ Will heißen: Handverlesene Fahrer klingeln beim Kunden und bringen ihm die frische Fracht, die teilweise sogar vom Bauern um die Ecke stamme, in eigens entwickelten Bio-Tüten aus Zuckerrohr bis in den fünften Stock – und bauen so ein Vertrauensverhältnis auf, das der Online-Handel ansonsten selten biete. Das kommt offenbar an. Im Rhein-Kreis erfüllt Picnic mittlerweile 2200 Bestellungen pro Woche.

Auf die Frage Batens, ob er die Bedenken der ZIN teile, antwortete Kreisdirektor Dirk Brügge: Im Gegenteil – man sei „begeistert, dass sich ein junges Startup im Rhein-Kreis niederlässt. Umgekehrt müssen sich die Händler überlegen, wie sie die Innenstadt so attraktiv gestalten, dass es Spaß macht, dort einzukaufen.“ Das beinhalte auch Digitalisierungsstrategien, die die Wirtschaftsförderer gemeinsam mit den Unternehmen erarbeiten müssten.

Ein vielfältiges Angebot sei von Vorteil, bemerkt Dirk Günnewig, Leiter Mobilität, Digitalisierung und Vernetzung im Landesverkehrsministerium. „Die Innenstadt ist nicht tot wegen des Online-Handels, sondern kann auch davon profitieren.“ Fahren etwa weniger Menschen zum Supermarkt, reduziere das den Verkehr und die Staus auf dem Weg in die Innenstadt.

Mehr von RP ONLINE