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Neuss: Philipp van Endert mit "Cartouche" bei "Blue in Green"

„Blie in Green“ in Neuss : Ein Jazz-Abend mit „Cartouche“

Philipp van Enderts Cartouche-Trio überzeugt bei „Blue in Green“ in der Alten Post. Dort hatte die Formation um den Düsseldorfer Gitarristen und Kuratoren der Jazzkonzertreihe „Blue in Green“ in der Alten Post, Philipp van Endert, vor zwei Jahren auch seine Livepremiere.

Es war die erste Band nach sehr langer Zeit, für die van Endert der Leader war – und für die er das Gros der Kompositionen geschrieben hatte. Das Konzert konnte damals vollauf überzeugen: mit seinem kammermusikalischen Duktus, die lässig-raffinierte Verwendung von Melodien und einem dichten, antizipierenden Zusammenspiel zwischen van Endert, dem Kontrabassisten André Nendza und dem Trompeter und Flügelhornisten Christian Kappe in den Improvisationen.

Seitdem ist viel passiert: Ein Album ist erschienen, das mit „Cartouche“ den gleichen Namen hat wie van Enderts Trio, und viele Konzerte in Deutschland haben das sowieso schon dicht gewebte und voraushörende Interplay der drei Freunde noch mehr verstetigt und stärker verdichtet. Die Signale, dass deren zweiter Auftritt in der Alten Post Neuss spannend und aufregend werden würde, standen also auf Grün – auch und gerade deshalb, wenn man die Erinnerung im Ohr hat, wie van Endert mit seinem Cartouche-Trio vor fast zwei Jahren geklungen hat. Und das war das Spannende bei diesem Konzert am vergangenen Donnerstag in der Alten Post: Erinnerungen daran wach zu rufen, womit das Trio vor zwei Jahren überzeugen konnte, zu vergleichen und zu analysieren, was sich seitdem geändert hat – oder anders gesagt: ob sich überhaupt etwas geändert hat.

Da ist zum einen dieses untrügliche Gespür der drei für die Allmacht und Varianz des Melodischen im aktuellen Jazz: der Möglichkeit, dass selbst schlichte, singbare, nahezu volksliedhafte Themen zum Ausgangspunkt werden, um im Fluss des improvisatorischen Prozesses das Folklore-artige noch stärker zu reduzieren, sodass nur allerkleinste Partikel übrig bleiben und zum Material werden, um variabel neue melodische Girlanden zu knüpfen. Da ist zum anderen das Harmonische, das den schlichten Charakter der Melodien gleichermaßen zu unterstreichen wie zu kontrastieren weiß.

Aus dieser kontrastierenden Durchführung des melodisch-thematischen Materials zieht die Improvisationsmusik ihre Kraft, um dann doch mehr als nur Energiequelle zu sein, aus der die drei Musiker schöpfen, um mit ihrem Publikum an die Grenzen des harmonischen Raums zu gehen. Dieser Kontrast ist zugleich der Treibriemen für den rhythmischen Impuls dieser leisen und lyrischen Musik.