Neuss: "Phantastische Reise" in den menschlichen Körper mit Prof. Haude

Herz-Spezialist aus dem Lukaskrankenhaus Neuss: „Phantastische Reise“ in den menschlichen Körper

1966 war es blanke Utopie, als in dem US-amerikanischen Film „Die phantastische Reise“ Maschinen und Menschen auf Mikrobengröße verkleinert wurden.

In einem speziellen U-Boot reiste eine Gruppe Menschen durch die Blutbahnen eines Wissenschaftlers, um an dessen Gehirn eine komplizierte Operation vornehmen zu können. Menschen zu minimieren, ist nach wie vor pure Science Fiction. Doch mittels miniaturisierter Medizintechnik durch die Gefäße des menschlichen Körpers zu gelangen, ist längst Realität. Wenn sich einer damit auskennt, dann ist es Professor Michael Haude, Leiter der Medizinischen Klinik I am Neusser Lukaskrankenhaus.

Interventionelle – also minimal-invasive – Behandlungen von Herzerkrankungen mittels Mikrotechnik sind in der Kardiologie alltäglich. „Wir können vieles von dem machen, was der Film suggeriert“, so Haude. „Wir sind mit unseren miniaturisierten Werkzeugen in der Lage, so zu schauen, als wenn wir tatsächlich vor Ort wären.“ Ermöglicht wird dies mittels optischer Geräte und bildgebender Verfahren wie dem Ultraschall, erklärt Haude. „Alles Dinge, die wir schon seit langer, langer Zeit haben – aber eben für die Anwendung von außen. Mittlerweile können wir aber Ultraschall, Licht und Kamera auf Katheter setzen und mittels dieser dünnen, feinen Plastikschläuche in den Körper zur Diagnostik und Therapie einbringen.“

Ein immenser technischer Fortschritt: „So ist die Diagnostik des Herzens und der Gefäße von außen möglich, obwohl sie nicht nah unter der Haut liegen“, sagt Haude. „Es ist ähnlich wie die Fahrt mit dem U-Boot in dem Film. Auch wir schauen bis ins Herz.“ Seit etwa 30 Jahren sei diese Technik möglich, so der Klinikchef. „Allerdings in dieser hochwertigen Bildqualität und mit dem bedeutenden Informationsgehalt erst seit etwa zehn Jahren.“ Die Auflösung liege mittlerweile bei zehn Mikrometern, also dem Millionstel eines Meters. Haude nennt einen eindrucksvollen Vergleich: „Ein rotes Blutkörperchen, das durch unsere Adern fließt, hat die Größe von etwa zehn Mikrometer. Damit bekommt man eine Vorstellung davon, wie gut wir gucken können.“

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Wichtig sei dies besonders vor dem Hintergrund, dass Herz-Kreislauferkrankungen die häufigste Todesursache in den westlichen Ländern sind. Denn Herzkatheter-Untersuchungen können nicht nur Erkrankungen des Herzens, der Herzklappen oder der Herzkrankgefäße sichtbar machen, sondern ermöglichen auch, heutzutage gleich die Behandlung vorzunehmen.

Die kardio-vaskuläre Medizin habe bereits viel erreicht, so Haude. Gefragt nach seinen Visionen für die Kardiologie in 50 Jahren – der Begriff der Utopie sei ihm zu negativ belegt – sagt er: „Wenn man zurückschaut, was sich alleine in den letzten fünf Jahrzehnten in der Herz-und Kreislaufmedizin getan hat, ist es nicht seriös, für einen so langen Zeitraum Prognosen anstellen zu wollen. Aber ich denke, dass wir beispielsweise in zehn Jahren noch wesentlich nachhaltiger minimal-invasiv Patienten behandeln können – ohne große Operationen.“ Er vermutet zudem, dass es Medikamente geben wird, die mittels molekularbiologischer und gentherapeutischer Techniken den Alterungsprozess wesentlich verlangsamen können. Visionen, die auch Schattenseiten haben könnten. Daher konstatiert Haude: „Unweigerlich kommen dann aber ethische Fragestellungen auf. Deshalb sollte bei jedem Fortschritt der Medizin das Ziel sein, ein lebenswertes Leben und nicht einfach nur mehr Lebensjahre zu ermöglichen.“

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