Neuss: Patrick Adenauer beim Unternehmer-Treff auf Gut Gnadental bei Zülow

Auf Gut Gnadental in Neuss : Adenauer-Enkel kam zum Unternehmer-Treff

Patrick Adenauer, Enkel des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer, sprach auf Gut Gnadental über notwendige Infrastuktur-Investitionen, Fehler in der Finanzpolitik und seine familiären Verbindungen nach Neuss.

Beim letzten Gnadentaler Unternehmer-Tisch (GUT) in diesem Jahr freute sich Gastgeberin Jutta Zülow mit einem Augenzwinkern, dass „dank meiner Initiative“ die Ufo erst ab Donnerstag streikt. So konnte der Moderator Ulrich Deppendorf (69), Leiter des ARD-Hauptstadtstudios von 2007 bis 2015, ungehindert einfliegen. Er hatte einen in Wirtschaftsfragen höchst kompetenten Gesprächspartner: Patrick Adenauer (59), jüngstes Kind von Konrad Adenauer, dem ältesten Sohn des gleichnamigen ersten Bundeskanzlers, ist – nach Jahren als Unternehmensberater in New York und Düsseldorf – geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Bauwens in Köln.

Das im Baugeschäft tätige Unternehmen betreibt unter dem Stichwort „Creating Excellence“ digitale Wohn- und Gewerbeimmobilien in deutschen Metropolregionen. Fast zwangsläufig begrüßte Ulrich Deppendorf den Adenauer-Enkel mit der Frage: „Kennen Sie die ARD-Sendung ‚Ich trage einen großen Namen?’“ Der Gast antwortete „Ich war sogar mal in der Sendung“, um dann seine Verbundenheit mit Neuss zu erklären: „Ich komme hier in Gnadental fast nach Hause, denn mein Onkel Hermann Josef hat in der Nachbarschaft gelebt.“ Hermann Josef Werhahn war mit der jüngsten Tochter des Bundeskanzlers verheiratet, mit der Anfang dieses Jahres (3. Februar) in Neuss verstorbenen Libet Werhahn-Adenauer.

Dann aber wurde es schnell politisch: Ulrich Deppendorf fragte den auch im Aufsichtsrat der DuMont-Mediengruppe sitzenden Adenauer nach den Hintergründen des Verkaufs des Berliner Verlages, in dem unter anderem die Berliner Zeitung erscheint. Extrem zurückgehende Auflagezahlen seien der Hauptgrund: „Es gibt keine echte Leser-Blatt-Bindung mehr.“ Im übrigen sei es wirtschaftlich kaum tragbar, modernste Druckmaschinen nur in den Abendstunden laufen zu lassen: „Sie müssen rund um die Uhr betrieben werden.“ Auf die Frage „Was hat die Regierung Merkel geleistet?“ antwortete das CDU-Mitglied überraschend: „Sie hat viele Fehler gemacht.“ Das Finanzdesaster sei nie richtig diskutiert worden, auch im Parlament nicht. Der Atomausstieg kam zu schnell „und die Flüchtlingspolitik von 2015 hat uns letztendlich die AfD beschert“. Gleichwohl ist Adenauer überzeugt, dass die Große Koalition bis zum Ende durchhalten wird.

Schon bei der Euro-Finanzkrise seien die Zinsen zu niedrig gewesen. Das Überangebot an Kapital sei mitverantwortlich. „Ich befürchte, dass Frau Lagarde, seit 1. November Präsidentin der Europäischen Zentralbank, wie ihr Vorgänger weitermachen wird“, sagt Adenauer. Er hält auch die „schwarze Null“ für unzeitgemäß. Die Vernachlässigung der Infrastruktur verlange massivste Investitionen. Zu vielen weiteren Themen fand der Wirtschaftspolitiker klare Worte. Auf präzise Fragen aus dem Publikum gab es ebensolche Antworten. Ein Beispiel: Fehlen in der Politik Leit- und Vorbilder? Adenauer: „Die politische Klasse denkt nur noch um die Ecke. Aber: Wir haben die Politik, die wir verdienen. Man kann heute keinem Bürger mehr empfehlen, zu einem Kreisparteitag zu gehen!“ Das forderte Landrat Hans-Jürgen Petrauschke denn doch heraus: „Vorsicht!“