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Neuss: „Orgelsommer“ in St. Quirin mit beeindruckendem Konzert beendet

Konzertreihe in St. Quirin Neuss : Neusser „Orgelsommer“ mit beeindruckendem Konzert beendet

Das letzte Konzert im „Orgelsommer“ hat der Programmmacher, Münsterkantor Joachim Neugart, bestritten. Die Reihe mit fünf Konzerten war dem Franzosen Louis Vierne gewidmet.

Zwischen 50 und 90 Zuhörern hatten die fünf Konzerte des „Orgelsommers“, den Münsterkantor Joachim Neugart dem vor 150 Jahren geborenen französischen Komponisten Louis Vierne gewidmet hat. Der „Hausherr“ war auch der Interpret des letzten Konzertes.

Da unter Corona-Bedingungen 120 Plätze in der Basilika zur Verfügung standen, konnte der Förderkreis der Kirchenmusik, in dessen Trägerschaft die Konzertreihe „Orgelsommer“ durchgeführt wird, nicht ganz zufrieden sein. Dessen ungeachtet zeichneten sich alle fünf Konzerte durch die hohe musikalische Qualität der eingeladenen Interpreten aus.

Joachim Neugart gab zunächst einen Einblick in die „Werkstatt von Louis Vierne“ - am E-Piano vor dem Hochaltar. „Aber Sie sind in einem Orgelkonzert“, sagte er beruhigend zum Publikum und realisierte das auch mit Viernes eindrucksvollem „Cathédrales“ an der großen Münsterorgel.

Er bereicherte den Eindruck durch zwei kurze Werke aus Viernes „24 Stücke im freien Stil“ von 1913. Nahezu alle sechs Orgelsymphonien – bis auf die vierte – wurden im Orgelsommer zumindest auszugsweise vorgestellt. Joachim Neugart spielte die zweite in allen fünf Sätzen.

Nach einem opulenten ersten Satz und einem Choral, vom schlichten Duo zum beeindruckenden Bekenntnis aufgebaut, folgt ein schnelles Scherzo, von Neugart galant mit wispernden Stimmen registriert – all das wird überhöht durch ein Finale in wuchtigen Akkorden, die im grandiosen Schluss immer noch virtuos umspielt werden.

Johann Sebastian Bachs „Fantasie G-Dur“ (BWV 572) blieb auch bei überragender Interpretation in einem ausnahmslos impressionistischer Musik gewidmeten Konzert ein Fremdkörper. Da passte dann doch eher der Choral „Hodie mecum eris in Paradiso“ von Charles Tournemire und auch, in der Zugabe, die wunderbaren „Harmonies du Soir“ von Sigfrid Karg-Elert.

Was die Zuhörer ganz besonders zufrieden stellen musste: Das Werk Louis Viernes, des stilistischen Vollenders der Orgelsymphonie und Meisters häufig wechselnder Klangfarben, war auf der großen Münsterorgel attraktiv darstellbar.

Immerhin konnten die Interpreten aus 86 Registern auf vier Manualen und Pedal des 1907 erbauten und 2015 generalsanierten Instrumentes auswählen. Allein elf Flöten sind in den vier Werken, darunter Block- und Traversflöte, und im Pedal sogar ein Flötbass. Häufig wurden Viernes Melodien mit Klarinette und Oboe aus dem Schwellwerk illustriert, für seine mächtigen Finale standen Prinzipale und Mixturen zur Verfügung, im Pedal Posaune, Trompete und Tuba.

Für Tournemires Choral setzte  Neugart die edle Vox humana ein. Das gefiel auch dem in der Ostapsis thronenden und angestrahlten Christus, vom Kirchenmaler Jakob Berwanger geschaffen, sichtbar.