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Neuss: Ökonom Paul. J. J. Welfens warnt vor Rezession durch Corona

Paul J. J. Welfens aus Neuss : Wirtschaftswissenschaftler warnt vor Rezession durch Corona

Der Neusser Wirtschaftswissenschaftler Paul J. J. Welfens sieht in der Coronavirus-Pandemie eine nicht nur gesundheitlich, sondern auch ökonomisch eine Herausforderung von historischer Bedeutung.

Quarantänemaßnahmen würden in vielen Ländern zu spät und halbherzig ergriffen; Großveranstaltungen müssten abgesagt, Bildungseinrichtungen geschlossen werden. Dies bedeute wirtschaftliche Einbrüche. „Internationale Wertschöpfungsketten und damit die Güterproduktion, geprägt in einigen Sektoren durch Importe ausländischer Vorprodukte, werden durch Virus-Probleme in wichtigen Produktionsländern, etwa China, Korea und Italien, gestört“, schreibt Welfens. „Die Nachfrage nach bestimmten Dienstleistungen – von Tourismus bis Logistik – wird deutlich sinken, zugleich steigt der Druck auf die Gesundheitssysteme.“ In Deutschland seien durch die Absage von Großveranstaltungen „negative Impulse“ für den Dienstleistungssektor entstanden.

Zudem habe der in China im Februar festgestellte 80-prozentige Nachfragerückgang auf Deutschlands größtem Exportmarkt Auswirkungen auf die Automobilindustrie und deren Zulieferer. „Deutschland wird Ende 2020 eine Rezession verzeichnen und rechtzeitige energische Expansionsmaßnahmen der Fiskalpolitik sowie in geringem Umfang der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank sind für Deutschland und die Eurozone sinnvoll“, betont Welfens.

International solle die Koordination der Geld- und Fiskalpolitik über die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erfolgen, die China und Indien einbinden könnte. „Pandemiebekämpfung muss ökonomisch heißen, dass man eine global koordinierte Wirtschaftspolitik ansetzt, gegebenenfalls auch via G20“, so Welfens. Ökonomisch unmittelbar betroffen sei in fast allen Ländern der internationale Tourismus, der in einigen Ländern bis zu zehn Prozent der Wertschöpfung – der nationalen Produktion – ausmache. Sollte der Tourismus um 50 Prozent einbrechen – Welfens spricht von einer realistischen Größenordnung für viele Länder – drohe ein hoher Rückgang des realen nationalen Einkommens. Für Deutschland als führendes EU-Absatzland bedeute jeder Rückgang des Nationaleinkommens in wichtigen Absatzländern, dass ein weiterer Dämpfungseffekt beim Realeinkommen eintrete. Darüber hinaus drohten neue Flüchtlingsströme.

„Effektive Kooperation auf internationaler Ebene und energische Anti-Epidemiepolitik auf nationaler Eben sind gefordert“, beton Welfens. Internationale Zusammenarbeit sei dabei besonders wichtig.

(NGZ)