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Neuss: Ökologieprojekt in Selikum soll die Obererft artenreicher machen

Ökologieprojekt in Neuss-Selikum : Die Obererft soll artenreicher werden

Das Tiefbaumanagement muss die Wasserrahmenrichtline der EU umsetzen. Die Pläne sind fertig. Was fehlt, ist ein Landeszuschuss.

Oben hui, unten pfui: Die Obererft mag idyllisch anzuschauen sein, als künstlich angelegtes Fließgewässer hat sie unter der Wasseroberfläche aus ökologischer Sicht aber echte Defizite. Mit finanzieller Unterstützung wird das Tiefbaumanagement Neuss (TMN) versuchen, diesem Umstand abzuhelfen. Gleich an neun Stellen zwischen der Brücke Nixhütter Weg und der Zielgeraden vor der Wasserkreuzung „Epanchoir“ soll dazu in das Gewässer eingegriffen werden. „Das Ziel ist dabei, die Artenvielfalt in jeder Hinsicht zu vergrößern“, berichtet Gerd Eckers, technischer Leiter des TMN.

Grundlage für den Eingriff ist die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union. Die gilt seit dem Jahr 2000 europaweit als einheitliches Schutz- und Nutzkonzept und verpflichtet den für den Gewässerunterhalt Verantwortlichen dazu, einen exakt definierten Zustand herzustellen. „Von daher haben wir keine Wahl“, sagt Sven Schümann (CDU), der die Ausbauplanung im Bauausschuss diskutierte, bevor diese im November noch Umweltausschuss und Rat beschäftigt.

Am Erft-Abzweig Empellement in Selikum beginnt die Obererft. Foto: Christoph Kleinau

Bei etwa der Hälfte der Flüsse und Bäche in Deutschland, die vom  Bundesumweltamt als „erheblich verändert“ oder „künstlich“ ausgewiesen sind, gilt – im Gegensatz zu den natürlichen Gewässern – das „gute ökologische Potenzial“ als Ziel. Dahinter verbirgt sich eine Art Starthilfe, damit sich etwas entwickeln kann. Die Rahmenplanung dafür hat das Aachener Büro „L.Plan“ schon vor zweieinhalb Jahren abgeschlossen. Diese sieht vor, die einförmige Gewässerstruktur durch den Einbau von  Buhnen oder das Einbringen von Totholz aufzubrechen und die Fließgeschwindigkeit so zu verändern, dass zum Beispiel strömungsschwache Zonen entstehen, in denen sich Sediment ablagern kann. So sollen im Gewässerlauf an sieben Stellen ökologische Trittsteine entstehen, die die Ausbreitung von Wasserorganismen begünstigen.

Ein besonderes Augenmerk wird ferner darauf gelegt, dass unter  den fünf Brücken im Projektabschnitt Einbauten gemacht werden, damit vor allem die Amphibien in der Obererft diese Stellen besser passieren können. Das Tiefbaumanagement ist neben der Obererft nur für den Stingesbach und einige Gräben verantwortlich, die zum Teil kein Wasser führen, erklärt Eckers. Um den Rhein kümmere sich der Bund, während für Nordkanal oder Erft – man ahnt es fast – der Nordkanal- beziehungsweise Erftverband verantwortlich sind. Die Zuständigkeit von Gerd Eckers und seiner Truppe für die Obererft beginnt am Empellement. Einem mit sechs Schleusen bestückten Stauwehr im Selikumer Busch, das 1814 gebaut wurde, um Wasser von der Erft in die Obererft abzuleiten, damit seine Kraft in der Stadt Mühlen antreibt. Das TMN ist aber auch Dienstleister für das Umweltamt und muss sicherstellen, dass die Obererft immer so viel Wasser führt, dass das vom Umweltamt betreute Feuchtbiotop „Groovsches Loch“ nicht trocken fällt.

Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtline hatte es schon einmal bis in den Wirtschaftsplan des TMN geschafft, dann wurde sie aber wegen eines personellen Engpasses nicht umgesetzt. Aber: Da ist Neuss in guter Gesellschaft. Auch der Bund hat das Zeitziel 2015 verfehlt. Als neue Vorgabe gilt jetzt 2027.