Neuss: Nüsser Ovend 2020 lässt die Puppen tanzen

Im Gare du Neuss : Nüsser Ovend lässt die Puppen tanzen

Im Gare du Neuss wurde das närrische Publikum mit Neuem und Altbewährtem überzeugt. Stadt und Politik mussten traditionell viel einstecken.

Läuft es nicht beim Neusser Rennverein, weil der Präsident einen Vogel hat? Hat der Rat keine anderen Probleme, als die Anschaffung von Hundkotbeuteln? Fragen über Fragen, die am Samstag beim Nüsser Ovend aufkamen. In freier Rede nahm Michael Klinkicht humorig und temperamentvoll sich selbst und die Neusser Politik pointiert aufs Korn. Mit dem neuen Prologius hat die Brauchtums- und Karnevalsgruppe der Vereinigung der Heimatfreunde Neuss offensichtlich einen Glücksgriff getan, der an alte glänzende Redner wie Friedhelm Ruf anknüpft. Elferrats-Vorsitzender Jean Heidbüchel und sein Vize Dennis Volkeri: „Wir haben den Grünen-Politiker, der ein alter Hase im lokalen politischen Geschäft ist, einfach mal gefragt. Und er hat spontan zugesagt.“ Klinkicht ist unter anderem Vorsitzender des Bezirksausschusses Norf, verliert in dieser Funktion auch bei kleinteiligen lokalen Themen nicht seine Schlagfertigkeit.

Die Brauchtumsgruppe der Heimatfreunde hat offensichtlich gut daran getan, für das Wiederaufleben des „Nüsser Ovend“ den Gare du Neuss als Feier-Lokalität zu wählen. Ein Pluspunkt: Die Atmosphäre stimmt dort einfach. Es herrschte eine familiäre Stimmung im hochkarätigen närrischen Publikum. Wobei es sich bei der dritten Neuauflage (insgesamt kommen die Heimatfreude auf 90 Nüsser Ovende) wieder einmal zeigte, dass das lokalpolitsche Rekeln auf höchstem Niveau – lange vermisst – eine Zukunft hat. Der Bundestagsabgeordnete Hermann Gröhe als Leichtmatrose, Landrat Hans-Jürgen Petrauschke als Zirkusdirektor, Bürgermeister Reiner Breuer als Kapitän auf der Brücke des Rats-Narrenschiffes, Schützenkönig Kurt Koenemann als Rokoko-Fürst und Thomas Nickel als Safari-Abenteurer – bunte Schmetterlinge, geschminkte Clowns und viel Fantasie-Kostüme lieferten den Rahmen für den gelungenen Abend.

Georg Kaster, dem Gewinner des Talent-Wettbewerbes, präsentierte zusammen mit CDU-Bürgermeisterkandidat Jan-Philipp Büchler als „Novesia Goldnuss Duo“ eine Büttenrede der musikalischen Art. Hausmeister Bolle zeigte seine verblüffenden Zaubertricks und überraschende Wahrheiten (im Rathaus seien Taschentücher verboten, weil da „Tempo“ draufsteht). Babsi (Sabine Leuker) machte deutlich, dass sie die Sonnenbank als einzige Bank fürs Geldanlegen akzeptiert und eine Dachbegrünung in Neuss kritisch sieht (das Grünflächenamt käme ja schon am Boden nicht klar). CDU-Mann Sebastian Rosen bezeichnete sie als „glücklosen Menderes“ im DSDS-Wettbewerb und den Stadtgarten nannte sie „Stoff-Zentrale“. Zudem präsentierten sich die Tanzgarde, die Band „Stadtrand“, DJ Titschy sowie im Finale in großer und bunter Besetzung die Karnevalsgesellschaft Regenbogen und das Bundesfanfarencorps Düsseldorf Hamm. Zum Start in die anschließende Party gab es das Neusser Heimatlied.