Neuss: NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann wirbt für die Pflege

Talk bei der medicoreha in Neuss: Minister Laumann wirbt für die Pflege

Auf Einladung von medicoreha-Gründer Dieter Welsink kam NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Donnerstag nach Neuss. Der Christdemokrat warb dafür, dass die Pflegeberufe gestärkt werden müssen.

Bekennende Fans haben Minister vermutlich eher selten. Das ist bei Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW, seit Donnerstag anders. Nach seinem Vortrag über die „Zukunft der Therapie- und Pflegeberufe in Zeiten des Fachkräftemangels“ in der Fachklinik für ambulante Rehabilitation der medicoreha bekannte Andrea Albrecht, Pflegedirektorin des Lukaskrankenhauses und als Pflegemanagerin des Jahres ausgezeichnet, dass sie „jetzt Fan geworden“ sei. Wie ihr erging es wohl auch einigen der Fach- und Pflegeschüler, deren Ausbildern sowie Vertretern aus Politik und der Gesundheitsbranche.

Denn der Minister sprach zwar auch über den Fachkräftemangel, aber vor allem über die Bedeutung der Therapie- und Pflegeberufe. „Seit ich denken kann, geben die akademischen Gesundheitsberufe – also die Ärzte und Apotheker – den Ton an“, sagte er. Als Beleg nannte er den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Er ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser sowie Krankenkassen und bestimmt den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. „Wenn aber über die Leistungen der Therapie- und Pflegeberufe geredet wird, sitzen deren Vertreter nicht am Tisch“, kritisierte Laumann. „Wir müssen aber begreifen, dass diese Berufe eine höhere Entscheidungskompetenz benötigen.“

An die angehenden Therapeuten und Krankenpfleger appellierte er, dass sie die Weiterentwicklung ihres Berufes selbst in die Hand nehmen müssten. So sei die Gründung einer Pflegekammer beispielsweise eine Möglichkeit für mehr Einflussnahme. Um mehr Menschen für die Pflegeberufe zu interessieren, habe NRW als erstes Bundesland den Weg in die Schulgeldfreiheit eingeschlagen. Seit September 2018 übernimmt das Land 70 Prozent der Ausbildungskosten. Der Minister bekannte, dass er nie verstanden habe, warum der Staat zwar das Medizin- oder Pharmaziestudium bezahle, jedoch nicht die Ausbildung angehender Therapeuten und Pfleger an privaten Einrichtungen.

Zudem möchte Laumann erreichen, dass die tarifliche Bezahlung in den Therapie- und Pflegeberufen Normalität wird. „Unser Gesundheitssystem ist nicht transparent genug“, so Laumann. Eine faire Entlohnung auszuhandeln, sei aber nicht Aufgabe der Politik, sondern die von Gewerkschaften und Arbeitgebern. Transparent seien auch nicht die Anerkennungsverfahren von Schulabschlüssen ausländischer Bewerber für den Pflegebereich. Er wolle weder das Niveau des Staatsexamens noch der Zugangsvoraussetzungen senken, beteuerte der Minister. Doch möchte er mehr Licht in den Dschungel von teilweise willkürlich wirkenden Entscheidungen bringen. Laumann, der selbst mit einer Krankenschwester verheiratet ist, betonte aber auch, dass die Therapie- und Pflegeberufe nicht jeder ausüben könne. „Für diese Arbeit nah am Menschen brauchen wir Menschen mit viel Empathie und entsprechender innerer Einstellung.“

Eine Pflegeschülerin brachte in der anschließenden Diskussionsrunde, die von NGZ-Chefreporter Ludger Baten moderiert wurde, einen weiteren Vorschlag ein: „Wir sollten mehr bekannt machen, wie toll diese Arbeit ist. Denn es kann der schönste Beruf der Welt sein.“

Mehr von RP ONLINE