Neuss: "Nipple Jesus" als Einmann-Theater vom RLT

Einmann-Stück im Neusser Theatercafé Diva : Der Türsteher und die Kunst

Kai Wolters hat aus „Nipple Jesus“ von Nick Hornby ein Theaterstück gemacht.  

Anfangs wollte Kai Wolters nicht so recht. Nick Hornbys Roman „NippleJesus“ hatte RLT-Intendant Reinar Ortmann ihm als Vorlage für ein Stück in der Reihe „Nachtschicht extra“ im Theatercafé Diva vorgeschlagen. Doch der Disponent der Bühne, der auch gern Regie führt und Stücke konzipiert, war zunächst wenig begeistert. Nicht wegen des Buches: „Das ist wunderbar, liest sich weg und ist auch spannend“, meint er. Aber er sah es nicht auf der Bühne, und so hat es nach seinen Angaben etwas gebraucht, bis er den Ansatz fand: In seiner Fassung entwickelt sich die Figur des Dave, der den Sprung vom Türsteher zum Museumswärter schafft, aus dem Schauspieler heraus, der ihn darstellen wird: Josia Krug.

Die Geschichte selbst erzählt nämlich von einem jungen Mann, der mit Kunst wenig am Hut hat und kaum begreift, was er da bewachen soll: einen überdimensionalen Jesus, der ihn aber wegen seiner Größe fasziniert – und erst recht, als er aus der Nähe erkennt, dass er von der Künstlerin wie ein Puzzle aus tausenden von Brüsten zusammengesetzt wurde. „Natürlich kann man nach dem Sinn von Kunst fragen“, sagt Wolters und überträgt diese Haltung auch auf seinen Schauspieler Krug, der als Dave nach und nach merkwürdige Erfahrungen mit den unterschiedlichen Besuchern macht und am Ende feststellt, wie viel Kunst mit dem zu tun hat, was eine Gesellschaft charakterisiert. „Aber ich sehe auch diesen Dave als Kunstfigur“, sagt Wolters und zieht durchaus Parallelen zwischen einem Ausstellungs- und einem Theaterbesucher, denn jedem werde ein Kunst-Stück geboten.

Ein bisschen steckt für ihn die Anmutung dahinter, dass der Schauspieler sich dabei seine eigene Kunstausstellung macht. 70 Minuten hat Krug, um sein eigenes Werk zu schaffen – in einem Café, das nicht nur Bühne, sondern auch zum Ort wird, der Kunst zeigt: „Hier und da ein Bild.“

Das Besondere an dem Stück ist zudem, dass Hornby an den Tantiemen, die ein Theater für die Aufführung zahlen muss, nicht verdienen will. Sämtliche Gelder, die der Verlag einnimmt, gehen an eine Stiftung zur Förderung autistischer Kinder, die der Autor auch mitbegründet hat.

Info Oberstraße 95, Freitag, 29. September, 20 Uhr (Premiere), Karten unter 02131 269933

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