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Neuss: Niedriger Grundwasserstand legt Stingesbach langfristig trocken

Naturschutz in Neuss : Niedriger Grundwasserstand legt Stingesbach langfristig trocken

Der Abschnitt im LSG ist völlig verwildert, lediglich der Graben an der Quelle – mittlerweile ein Ort, an dem sich Brennnesseln tummeln – lässt überhaupt darauf schließen, dass dort mal ein Bach verlief.

Wo früher leise Wasser plätscherte, wächst heute wild das Unkraut auf einem lediglich feuchten Boden. Der durch ein Landschaftsschutzgebiet (LSG) führende Stingesbach im Neusser Norden liegt brach – seit nunmehr drei Jahren, Kostenpflichtiger Inhalt wie Andrea Blaum, Vorsitzende des BUND Meerbusch, feststellte.

Der Stingesbach (auch „Stinkesbach“ genannt) hat seinen Ursprung nahe der Gladbacher Straße. Für 1,1 seiner insgesamt 8,2 Kilometer verläuft der Bach über Neusser Stadtgebiet, dann führt er in Meerbusch rund um den Hülsenbusch, durch Büderich und mündet im Rhein. Wasser führt er aber nicht mehr – weder in Meerbusch noch in Neuss. Der Abschnitt im LSG ist völlig verwildert, lediglich der Graben an der Quelle – mittlerweile ein Ort, an dem sich Brennnesseln tummeln – lässt überhaupt darauf schließen, dass dort mal ein Bach verlief.

Der Grund dafür ist wohl der niedrige Grundwasserstand, vermutet Andrea Blaum. In dieser Annahme bestätigt sie Kreissprecher Benjamin Josephs. Er verweist darauf, dass der Stingesbach keine Quelle habe und sich aus dem Grundwasser speise. Diesen Kontakt zum Grundwasser habe der Bach allerdings weitestgehend verloren. Die Grundwasserstände in der Region seien insgesamt auf niedrigem Niveau, erklärt Benjamin Josephs. Zusätzlich wird Niederschlagswasser in den Stingesbach eingeleitet. Doch auch die Niederschlagsmengen in NRW liegen Statistiken zufolge in den diesjährigen Sommermonaten unter dem zum Vergleich herangezogenen vieljährigen Mittelwert (erhoben im Zeitraum 1961 bis 1990).

Dass ein Bach in einem Feuchtgebiet trocken fällt, hält Wolf Meyer-Ricks, Vorsitzender beim Nabu Kreisverband Neuss, für nicht besorgniserregend. Er hofft, dass sich das Problem legen wird, „wenn wir wieder einen vernünftigen Grundwassertstand haben“, sagt er, betont aber: „Es ist immer schade, wenn ein Feuchtgebiet trocken fällt.“

Gleichzeitig sei dies eine logische Konsequenz der aktuellen Wetterlage. Man müsse sich darauf einstellen, das so etwas passiere. Von technischen Maßnahmen – Meyer-Ricks führt dazu ein Beispiel an, in dem ein Brunnen gebohrt wurde, um mit Pumpanlagen künstlich einen Bach zu speisen – rät er ab. „Das halte ich für maßlos übertrieben“, sagt der Nabu-Vorsitzende. Vielmehr spricht er sich für simple Möglichkeiten, etwa das (zeitweise) Schließen eines Abflusses, um das Wasser im Bach zu halten, aus. Und selbst wenn der Stingesbach langfristig trocken bleibt, ist Wolf Meyer-Ricks optimistisch. „Da wird dann etwas Neues entstehen“, sagt er.

(capf)