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Neuss: Neusser Feuerwehr bereit für überörtlichen Hochwasser-Einsatz

Nach Entwarnung : Neusser helfen den Hochwasser-Opfern

Der Rhein-Kreis ist von den Folgen des Starkregens weitgehend verschont geblieben. Die befürchtete Erft-Flutwelle blieb aus. Die Anteilnahme für die Opfer der Hochwassers ist groß. Helfer sind vor Ort, Spenden wurden gesammelt.

In Neuss gibt es riesige Hilfsbereitschaft für die Opfer der Hochwasser-Katastrophe. In Holzheim zum Beispiel ging es am Freitag um 17 Uhr los. Dann machten sich am Brauerei-Ausschank Frankenheim gleich mehrere Fahrzeuge auf den Weg in Richtung Eifel. Gastronom Michael Entrop hatte spontan eine Spendensammlung für Hochwassergeschädigte organisiert – und ist von der Hilfsbereitschaft überwältigt. „Es ist der Wahnsinn, wie sich die Menschen einbringen“, sagt er. Gesammelt wurden seit Donnerstagabend vor allem Decken, Handtücher, Hygieneartikel, Schlafsäcke und Kleidung. Am Freitag war schon so viel zusammengekommen, dass neben einem Fünf-Tonnen-Lkw noch weitere Fahrzeuge beladen wurden. Rund 180 Umzugskartons waren da längst vollgepackt.

Die Spenden sind für die stark von der Hochwasser-Katastrophe betroffene Eifelstadt Schleiden, insbesondere den Ortsteil Gemünd, bestimmt. „Meine Mitarbeiterin Melanie Bröxkes hat dort früher gewohnt und pflegt noch enge Kontakte dorthin“, erklärt Entrop.

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Die Feuerwehr Neuss befand sich am Freitag hingegen in Wartestellung. Bereits am Morgen hatte der Krisenstab des Kreises nach einem Austausch mit dem Erftverband sowie den Städten Grevenbroich und Neuss für die Erft im Rhein-Kreis Neuss eine Entspannung der Situation gemeldet. Die befürchtete Flutwelle bleibe im Rhein-Kreis aus, es sei aktuell nicht mehr damit zu rechnen, dass die Pegelstände noch wesentlich steigen.

 Kräfte des THW Ortsverbandes Neuss in Hückelhoven
Kräfte des THW Ortsverbandes Neuss in Hückelhoven Foto: S. Pflepsen

Das setzte Kräfte frei, die bislang für den Einsatz an der Erft im Rhein-Kreis sozusagen „geblockt“ waren. Die Feuerwehr Neuss meldete daraufhin bei der Bezirksregierung Düsseldorf, dass die Löschzüge 11 (Stadtmitte), 14 (Norf) und 17 (Holzheim) bereit für einen Einsatz im Hochwasser-Krisengebiet sind. „Diese drei Löschzüge sind für sogenannte überörtliche Einsatzeinheiten bei Großlagen eingeplant“, erklärt Feuerwehrsprecher Christian Franke. Ob und, falls ja, wann die Bezirksregierung die Neusser Kräfte anfordert und wo diese dann helfen, musste fortan abgewartet werden. „Wir stehen bereit und können uns sofort auf den Weg in die Region machen, in der unsere Hilfe gebraucht wird“, sagt Franke. Doch die Anforderung blieb vorerst aus.

Im Rhein-Kreis Neuss ist der Erft-Pegel laut Feuerwehr in den vergangenen 24 Stunden zwar – bei leichten Schwankungen – um bis zu 20 Zentimeter gestiegen. Auch die Fließgeschwindigkeit des Flusses sei höher als sonst. Mit einer Flutwelle wird im Kreis aber nicht mehr gerechnet. „Durch die Deichbrüche im Krisengebiet hat sich das Wasser dort in der Fläche verteilt“, erklärt Franke. „Die Erft wird auch bei uns in den kommenden Tagen zwar mehr Wasser als üblich mit sich führen. Aber es kommt eben nicht alles auf einmal bei uns an, sondern fließt über mehrere Tage ab.“ Der Erftverband hatte zudem erklärt, dass Flutwasser im Rhein-Erft-Kreis in ehemalige Tagebaugruben abgeleitet wurde. Dort versickere es schneller, weil der Boden nicht natürlich gewachsen sei, sondern aufgeschüttet wurde.

Trotz der Entwarnung behalten der Rhein-Kreis und die Städte die Lage im Blick. „Wir werden die Entwicklung weiter engmaschig beobachten“, erklärt Kreisdirektor Dirk Brügge. Er betont zudem, dass in direkter Wassernähe aufgrund der höheren Fließgeschwindigkeit trotzdem weiter Vorsicht geboten sei.

Derweil rückten weitere Helfer aus Neuss in Hochwassergebiete ab, zum Beispiel Kräfte des Ortsverbandes des Technischen Hilfswerks. Wie dessen Sprecher Jan Sperling mitteilte, seien bereits sieben Helfer mit einer besonders leistungsfähigen Pumpe (5000 Liter pro Minute) an die Rur nach Hückelhoven gefahren und dort bis Donnerstagmittag geblieben. Am Freitag sei die siebenköpfige Truppe dann ein zweites Mal angefordert worden, dieses Mal nach Übach-Palenberg.

In Grimlinghausen und Kaarst warten am Freitag auch zwei DLRG-Bootstrupps mit je fünf Rettungskräften auf ihren weiteren Einsatz. Bereits am Mittwochabend waren sie gemeinsam mit zwei Tauchtrupps nach Swisttal gestartet und haben dort mit ihren speziellen Hochwasserbooten Bewohner aus ihren unterspülten und größtenteils zerstörten Häusern gerettet, wie DLRG-Einsatzleiter Lutz Seebert mitteilt. Das sei oft schwierig gewesen, weil es sich in vielen Fällen um ältere, ja sogar bettlägrige, Menschen gehandelt habe. „Schwierig waren und sind dort natürlich auch die Bootsfahrten“, so Seebert weiter, „weil das Wasser nicht klar ist, und man nie weiß, ob das Boot nicht beschädigt wird“. In dem Keller eines Hauses hätte ein Tauchtrupp aus dem Rhein-Kreis einen Mann nur noch tot bergen können. „Das muss man auch erst einmal verkraften“, sagt Seebert, der aber auch von einer großen Hilfsbereitschaft der Bevölkerung untereinander und gegenüber den Rettungskräften spricht. „In dieser Katastrophe stehen allen zusammen“, so Seebert.

Große Nachfrage verzeichnen Baumärkte und Fachgeschäfte. „Wir hatten am Donnerstag schon viele Kunden aus der Eifel, die nach Stromerzeugern, Pumpen, Nass- und Trockensauger, aber auch Schippen und Besen fragten“, sagt Stephan Stagnier vom Bauhaus-Markt in Allerheiligen. Lieferengpässe gebe es nun bei den Pumpen. Ähnlich ist es auch beim Unternehmen für Arbeitsschutz Coenen, das aber in erster Linie Fachbetriebe bedient.