Neuss: Neuer Vorstoß zu generellem Tempo 30

Nach Anwohnerklagen in Neuss : Neuer Vorstoß zu generellem Tempo 30

Die Politik greift Anwohnerbeschwerden auf, die über Lastwagen und zu hohe Geschwindigkeiten klagen.

Der Anrufer in der Redaktion klang erregt. „Aus Neuss ziehe ich bald weg“, schimpfte er, nachdem die Stadtverwaltung an der Deutschen Straße wie auch an der Weingartstraße Tempo 30 angeordnet hatten. Wenn das ein Grund für einen Wohnortwechsel ist, könnten bald noch mehr dazukommen. Denn das Thema „Tempo 30“ ist neu aufgerufen – und soll dieses Mal grundlegend diskutiert werden. Es müsse Schluss damit sein, immer nur einzelne Straßen herauszupicken, sagt Ingeborg Arndt (Grüne). und Ingrid Schäfer (CDU) ergänzt: „Die Situation in Wohngebieten muss – wieder – erträglicher werden.“

In seiner nächsten Sitzung soll der Unterausschuss Rad und Verkehr das Stadtgebiet einmal ganzflächig unter diesem Aspekt betrachten. Für die Anwohner an Hammer Landstraße und An der Obererft heißt das, dass ihr Begehren nach Verkehrsberuhigung zunächst einmal zurückgestellt werden muss. Sascha Karbowiak (SPD) hätte gerne von der Verwaltung Vorschläge dazu gehört, wie eine Absenkung der gefahrenen Geschwindigkeiten und die Herausnahme des Lkw-Verkehrs angegangen werden können. Und zwar bevor die geplante und ab 2020 zu erwartende Kanalsanierung und die Wiederherstellung der Straße die Chance bietet, neue Verhältnisse zu schaffen. Doch auch er muss sich in Geduld fassen.

Neu ist die Idee für ein flächendeckendes Tempo-30-Gebot nicht. Das hätte seine Fraktion schon vor Jahren beantragt, erinnert sich Michael Klinkicht (Grüne). Damals sei die Diskussion durch die Verkehrssituation auf der Erftstraße ausgelöst worden. Doch herausgekommen seien Zwischenlösungen wie etwa Tempo 40 auf der Hauptstraße in Holzheim oder der Weckhovener Straße – aber kein Komplett-Paket.

Das lässt die Verwaltung zumindest in Teilen so nicht gelten. Als eine der ersten Städte Nordrhein-Westfalens habe Neuss schon 19955/96 alle Wohngebiete abseits der Hauptverkehrsstraßen als Tempo-30-Zonen ausgewiesen, heißt es in einer Stellungnahme. Gleichzeitig sei damals ein Vorbehaltsnetz mit Vorfahrtstraßen ausgewiesen worden, auf denen Tempo 50 gelten sollte und noch gilt.

In diese Kategorie fallen Bundes-, Landes- und  Kreisstraßen sowie Hauptverkehrsstraßen. Im Stadtplan erkennt man sie an ihrer Farbe, in Natura oft daran, dass auf ihnen Busse oder Bahnen verkehren. Nordkanalallee und An der Obererft fallen in diese Rubrik.

Tempo 30. Foto: Martin Röse

Dass Anwohner dieser und anderer „gelber“ Straßen nach Tempobeschränkungen und Lkw-Verboten rufen, kann die Verwaltung verstehen. Man werde das auch beobachten und – wo möglich – nach Verbesserungen suchen. Allerdings stehe die Stadt in der Pflicht, für ein leistungsfähiges Verkehrsnetz zu sorgen. Zu hohe Geschwindigkeiten wären ohnehin nur in den Zeiten mit schwächerem Verkehr zu registrieren. In dem „stark ausgelasteten Netz“ würde innerorts das Geschwindigkeitsniveau ansonsten „deutlich unter 50 km/h liegen“.