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Neuss: Neuer Chef sagt Gebäudemanagement ab

Enthaltung der Mehrheitsfraktion als Grund : Neuer Chef sagt Gebäudemanagement ab

Eigentlich hätte Christian Stähler zum 1. Oktober ins Neusser Rathaus wechseln sollen, um seinen Dienst als GMN-Betriebsleiter aufzunehmen. Nun hat der Siegener abgesagt – und die Enthaltung der CDU als Grund genannt.

Es war ein Schreiben, das Reiner Breuer nicht unbedingt freudig stimmte. Wie der Bürgermeister am Montag unserer Redaktion mitteilte, bleibt das Gebäudemanagement der Stadt Neuss auf unbestimmte Zeit ohne neuen Betriebsleiter. Dabei schien alles in trockenen Tüchern: Der Siegener Christian Stähler sollte zum 1. Oktober ins Neusser Rathaus wechseln, bei seiner Vorstellung in nicht-öffentlicher Sitzung des Finanzausschusses Ende Juni soll er überzeugt haben, die Zustimmung des Rates galt nur noch als Formsache. Doch nun erhielt Reiner Breuer plötzlich die Absage von Stähler. In dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, heißt es: „…für Ihr Vertrauen und die damit verbundene Chance, das Gebäudemanagement der Stadt Neuss zukünftig zu leiten, möchte ich mich sehr bei Ihnen bedanken. Dennoch habe ich mich entschlossen, Ihr Angebot nicht anzunehmen“.

Als Grund für seinen Entschluss nennt Stähler die fehlende Rückendeckung der CDU bei der Abstimmung im Rat: „Die Stimmenthaltung der Mehrheitsfraktion stellt für mich keine Ausgangssituation dar, auf der die von Ihnen beschriebene Mammutaufgabe geleistet werden kann. Auch wenn ich hier der festen Meinung bin, dass diese Entscheidung nicht in meiner Person begründet liegt.“ Reiner Breuer zeigt sich enttäuscht: „Es ist ärgerlich. Das Verfahren ist damit erstmal beendet“, sagt der Bürgermeister, der betont, dass die Stadt die personelle Verstärkung zwar gut hätte gebrauchen können. Das Gebäudemanagement sei jedoch in der alten (und nun auch neuen) Besetzung „voll handlungsfähig“, also mit Christoph Hölters (seit Ende 2013 kommissarischer Betriebsleiter), Andrea Hoffmann (Technische Leiterin) und Dirk Reimann (Kaufmännischer Betriebsleiter).

Für die von Stähler aufgeführten Gründe zeigt der Bürgermeister Verständnis: „Ich hätte vermutlich genauso gehandelt, wenn sich bei so einer wichtigen Personalie die größte Fraktion enthält und keine Meinung hat.“ Über die Gründe der CDU könne er nur mutmaßen.

Licht ins Dunkel bringt auch die CDU-Fraktionsvorsitzende Helga Koenemann auf Nachfrage unserer Redaktion nicht und beruft sich auf die Tatsache, dass die Thematik aus dem nicht-öffentlichen Teil stammt. „Personendiskussionen möchte ich generell nicht in der Öffentlichkeit führen“, so die Fraktionsvorsitzende, die jedoch hinzufügt: „Das ganze Verfahren ist nicht so ganz optimal verlaufen.“ Gleiches gelte für die Vorstellung des Kandidaten, dessen Entscheidung man jedoch nun „respektieren müsse“.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Arno Jansen befürchtet nun, dass sich Baumaßnahmen der Stadt länger hinziehen – zum Beispiel in Schulen und Kindergärten. Zudem werde sich der personelle Neustart beim GMN auf unbestimmte Zeit verzögern.

Eine erneute Ausschreibung wird es laut Reiner Breuer nicht geben. Diese sei schlichtweg „aussichtslos“. Im selben Atemzug erinnert der Bürgermeister an die bisherige Suche, die einer Nadel im Heuhaufen glich. So musste sich ein Personalunternehmen der Sache annehmen, nachdem im Zuge eines eigenen Ausschreibeverfahrens der Stadt keine geeigneten Kandidaten gefunden worden waren. Die „Head Hunter“ fanden letztendlich Stähler – „mit Abstand der beste Kandidat“, wie Breuer betont. Aber warum ist die Stelle als Betriebsleiter des Neusser Gebäudemanagements so unattraktiv? „Sie ist mit viel Arbeit verbunden – und braucht politischen Rückhalt“, sagt Breuer.

Das GMN hatte Ende 2014 Aufwendungen von rund 55 Millionen Euro. Es beschäftigte über 170 eigene Mitarbeiter, davon 35 im technischen und 15 im kaufmännischen Bereich sowie 55 als Hausmeister und –warte und 65 als Reinigungskräfte. Zu den 210 Gebäuden zählen unter anderem Schulen, Verwaltungsgebäude, Kindergärten, Feuer- und Rettungswachen, Museen und Theater, soziale Einrichtungen und Jugendzentren sowie Sporthallen.