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Neuss: Neue Hoffnung für die Kiesgrube

Politik will Eventfläche sichern : Neue Hoffnung für die Kiesgrube

Politik will Eventfläche dauerhaft sichern, erteilt aber Plänen für ein Wasserfreizeitzentrum eine Absage.

Die Eventlocation „Kiesgrube“ hat 147.000 Fans auf Facebook – und auch in der Neusser Politik mehr Anhänger, als die Betreiber der Firma Tribehouse vielleicht selbst geglaubt haben. Denn am Ende einer turbulenten Diskussion im Planungsausschuss, von der zwischenzeitlich auch jede Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde, stand ein Ergebnis, das der Vorsitzende Karl-Heinz Baum mit einem Satz zusammenfasst: „Tribehouse kann wieder hoffen.“

Endgültig begraben aber scheinen alle Pläne, den See zwischen Bonner Straße und Am Blankenwasser in Richtung Wassersport- und Freizeitnutzung weiterzuentwickeln. Ein dazu von SPD, FDP und UWG eingebrachter Antrag wurde mit einem knappen Satz von CDU, Grünen und Linkspartei abgeschmettert: „Aufgrund der bestehenden Rechts- und Sachlage ist eine Abänderung nicht herbeizuführen“, fasst Ingrid Schäfer (CDU) die Ansicht der Mehrheit aber auch der Verwaltung zusammen. Erich Gürtler, dem Teile des einst als „Regattasee“ geplanten Gewässers gehören, kann mit einer solchen Begründung gar nichts anfangen. Er fühlt sich mit seinem Wunsch nach einer geordneten städtebaulichen Nutzung des Sees einfach beiseite geschoben und wertet den Beschluss als Kampfansage. Die Stadt dürfe vor jährlich Tausenden illegaler Badegäste und einer Vermüllung der Uferzonen nicht länger die Augen verschließen, sagte er am Rand der Sitzung.

Roland Sperling (Linke) erkennt diese Nöte der Besitzer an, die den See nicht einzäunen dürfen, als Eigentümer aber für die Abfallbeseitigung verantwortlich sind. Er beantragte, die Stadt für diese Aufgabe in die Pflicht zu nehmen. Aber auch dafür fand sich keine Mehrheit.

Die SPD hatte im Sommer die Idee zur Diskussion gestellt, die „Kiesgrube“ langfristig zu sichern, das Areal zu entwickeln und dabei auch Gürtlers Pläne zum Bau einer Wasserski-Anlage zu berücksichtigen. Nachdem dieses Ansinnen Anfang September im Umweltausschuss abgeschmettert worden war, wurde der Antrag, den jetzt auch FDP und UWG mittrugen, so modifiziert, dass eine Sollbruchstelle erkennbar wurde: Wenn für den Masterplan am Ende keine Mehrheit zu finden wäre, sollte wenigstens die Eventfläche der Kiesgrube gerettet werden. So kam es dann auch.

Die Verwaltung soll nun die entsprechenden Beschlüsse dazu vorbereiten, bekam aber von der schwarz-grünen Koalition noch eine Menge Fragen vorgelegt, die in diesem Zusammenhang zu klären sind. Die wichtigste aus Sicht der Koalition: Was sagt eigentlich der Besitzer der privaten Gewerbefläche dazu? Die Kiesgrube sei ja nur Mieter, sagte Schäfer. Und sollte der Besitzer in fünf Jahren andere Pläne haben – was sei dann gewonnen? Auch deshalb wollte die Koalition nach anderen potenziellen Standorten suchen lassen, bekam dafür aber Gegenwind. Alle Anstrengungen müssten darauf abzielen, zunächst den etablierten Standort abzusichern, forderte nicht nur Arno Jansen (SPD).

Der Standort war eigentlich zum Jahresende schon aufgekündigt worden, weil ein Teil der Fläche für ökologische Ausgleichmaßnahmen vorgesehen ist. Nun wird der Betrieb vorerst bis Ende 2019 verlängert.