Neuss: Navi-Panne führt Lkw in Seitenstraßen in Reuschenberg

Anwohner in Neuss beschweren sich: Navi-Panne führt Lkw in Seitenstraßen

Täglich kommt es rund um die Lutherstraße zu chaotischen Szenen, weil fehlgeleitete Lastwagen dort einbiegen – und anschließend wieder wenden. Die Stadt verweist auf ein vom Land gefördertes Optimierungs-Programm für Navis.

Eigentlich haben 40 Tonner an diesem Ort nichts verloren. Zu schmal sind die Straßen, zu eng die Kurven, um dort bedenkenlos zu fahren – geschweige denn zu wenden. Dennoch biegen mehrmals täglich schwere Lkw von der Erprather Straße in die Luther Straße – und das, obwohl sie eigentlich weiter geradeaus fahren müssten, um zu ihrem Ziel zu gelangen: dem Brata-Werk am Burgweg.

Das Resultat: demolierte Autos, beschädigte Bäume – genervte Anwohner. „Ich habe panische Angst“, sagt Marlies Kösling, die an der Lutherstraße wohnt. „Die Lkw rangieren direkt vor unserem Zaun. Das ist Millimeter-Arbeit“, sagt sie. Im Sommer sei die Situation aufgrund der erhöhten Lkw-Frequenz kaum auszuhalten.

Doch nur ein Teil der verirrten Lkw-Fahrer versucht in den Kurven zu rangieren. Manche fahren auch in die gegenüberliegende Calvinstraße – nur um Sekunden später rückwärts wieder hinaus zu fahren, weil es sich um eine Sackgasse handelt. Andere wiederum fahren einen Bogen über die Melanchthonstraße und über eine enge Seitenfahrbahn der Bergheimer Straße, um wieder auf die Haupt-Route zu gelangen. Doch auch diese Straßen sind nicht für Lkw gemacht. „Zwei Spiegel wurden bereits beschädigt“, sagt Kirsten Verhas. Die Anwohner machen sich auch Sorgen um die Kinder, die auf dem nahegelegenen Spielplatz spielen. „Die Lkw kommen zu unterschiedlichsten Zeiten. Manchmal um 5 Uhr, manchmal um 22.30 Uhr“, sagt Elisabeth Scherer.

Unter anderem wurde dieser Seitenspiegel beschädigt. Foto: Janßen/Simon Janßen
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Nach Angaben von Stadtsprecherin Nicole Bungert, ist der Stadt das Problem bekannt. Es habe bereits mehrere Beschwerden gegeben. Doch die Ursachenforschung sei schwierig. Aktuell wird vermutet, dass bei einem Karten-Update eines Navi-Herstellers etwas falsch programmiert wurde. Damit solche Fehl-Leitungen in Zukunft verhindert werden können, beteiligt sich die Stadt Neuss am vom Land NRW geförderten Projekt „Mobil im Rheinland“. Ziel dabei ist es, eine kostenfreie Software für Navigationsgeräte anzubieten, die ein sogenanntes Vorrangnetz für eine stadtverträgliche Lkw-Navigation enthält. Die technischen Grundlagen dafür sind bereits geschaffen. Auf die Daten können Hersteller seit Herbst 2018 zurückgreifen.

Ein mittlerweile alltägliches Bild: Große Lkw zwängen sich durch die engen Straßen. Foto: Janßen/Simon Janßen

Das Problem an der Luther-Straße wurde damit aber noch nicht gelöst. Auch Brata ist über die verirrten Fahrer informiert. „Wir bekommen immer wieder Beschwerden“, sagt ein Sprecher des Unternehmens. Manchmal würden Anwohner sogar mit dem Fahrrad vorfahren, um die Lkw-Fahrer zu ihrem Ziel zu leiten. Auch eine zuletzt verbesserte Beschilderung trage noch keine Früchte. Die Anwohner fordern nun ein generelles Durchfahrtverbot für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen. Der Stadtverordnete Carsten Thiel (UWG) kündigt einen entsprechenden Antrag an.

Mit Navi-Fehlern kennt sich auch Markus Zander aus. Die Adresse seines Büros lautete bis zum Frühjahr 2018 „An der L142“. Das Problem: Die Straße besteht nur aus einem Grundstück und Navis können mit der Straße nichts anfangen. Paketsendungen kamen teilweise sechs Wochen zu spät. Das Problem wurde nun zumindest eingedämmt, weil die Stadt aus „An der L142“ eine Verlängerung der Villestraße gemacht hat.

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