Neuss: Nachwuchsorchester Sinfo hat wieder einen Orchesterrat.

Sinfonieorchester der Musikschule : Musik und soziales Gewissen

Das Nachwuchsorchester Sinfo hat erstmals seit Jahren wieder einen Orchesterrat.

Die Uhr zeigte genau 3.48 Uhr, als das Protokoll der Gründungsversammlung per Whatsapp verschickt wurde. Bis in die frühen Morgenstunden hatten die jungen Musiker diskutiert und Ideen gesammelt. Erstmals seit Jahren hat das Neusser Nachwuchsorchester Sinfo wieder einen Orchesterrat. Und das neu gewählte Gremium hat sich viel vorgenommen. „Wir wissen, dass wir mit unserer Musik Menschen erreichen und so auch etwas in unserer Gesellschaft bewegen können“, sagt Klarinettist Tobias Janßen. „Wir wollen uns noch mehr als bislang sozial engagieren und konkrete Hilfsprojekte unterstützen.“

Die Orchesterfahrt von Sinfo nach Borkum ist seit Jahren Tradition. Eine Woche lang wird intensiv gearbeitet und geprobt, am letzten Abend wird ebenso traditionell Party gemacht. Doch in diesem Jahr war die Atmosphäre anders, ruhiger, ernsthafter. Die jungen Musiker kamen ins Gespräch, über die Bedeutung, die Musik für sie selbst hat, und die Freude, die sie am Musizieren haben. Eine Freude, die sie nicht nur weitergeben, sondern die sie in Zukunft auch aktiv nutzen wollen, um Menschen zu helfen, die nicht so viel Glück hatten wie sie selbst. Dass diese Ziele nur durch neue Organisationsformen umsetzbar sind, war allen schnell klar. Also kam die Idee auf, die Einrichtung eines Orchesterrats wiederzubeleben, den es in der Vergangenheit einmal gegeben hatte, für den sich irgendwann aber kein Orchestermitglied mehr so richtig zuständig fühlte. Das war jetzt anders. „Wir hatten bestimmt zehn Bewerbungen, alle waren sehr engagiert und bereit, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Geigerin Despina Theodosiadi. Gewählt wurde ein fünfköpfiges Team „mit einer guten Mischung aus erfahreneren und neueren Sinfo-Mitgliedern, Männern und Frauen, Bläsern und Streichern“, sagt Querflötistin Sarah Linder. Diese fünf Musiker halten jetzt regelmäßig Kontakt und informieren ihre Kollegen über Pläne und Ideen, die dann diskutiert werden können.

Weil die Begeisterung groß war, sollte noch in diesem Jahr das erste Projekt umgesetzt werden. „Bei unserer letzten Probe vor Weihnachten spielen wir immer Weihnachtslieder“, erzählt Waldhornist Jakob Urdenthal. „Bis jetzt war das eine interne Veranstaltung, und das wollen wir ändern und damit eine erste soziale Aktion neu ins Jahresprogramm von Sinfo aufnehmen.“ Der Orchesterrat nahm Kontakt zu sozialen Einrichtungen in Neuss auf und bot an, den Menschen vor Ort mit einem kleinen Weihnachtskonzert eine Freude zu machen. Obwohl die Idee denkbar kurzfristig umgesetzt werden musste, war das Interesse groß: Am 6. Dezember wird Sinfo im Demenz-Zentrum der Augustinus-Kliniken auf der Furth spielen. „Wir freuen uns sehr darauf – und sind sicher, dass es für die Senioren dort ein schönes Erlebnis wird“, sagt Janßen.

Angedacht ist weiter, auch das Frühjahrskonzert des Nachwuchsorchesters in einen sozialen Rahmen zu stellen. „Wie das genau aussehen könnte, überlegen wir noch“, so Urdenthal. Möglich sei etwa, dass Sinfo bestimmten Hilfsorganisationen einen Raum ermögliche, bei Info-Ständen ihre Arbeit und ihre Projekte zu präsentieren. Und auch eine Spendensammlung ist eine von mehreren Ideen, denn das Konzert ist kostenlos. Über weitere Auftritte im Jahresverlauf denken die Musiker genauso nach wie über eine intensivere Zusammenarbeit mit dem Neusser Verein „Himmelblaue Traumfabrik“, für den sie seit Jahren ein Herbstkonzert im Zeughaus geben, das in diesem Jahr bereits vier Wochen vor dem Termin ausverkauft war. Kontakt wollen sie außerdem zu dem Neusser Rapper Maxim Noise aufnehmen, der sich seit Jahren sozial engagiert. Und nicht zuletzt wollen sie durch ihr Engagement auch eine Vorreiterrolle für andere Musikschüler übernehmen. „Vielleicht bilden sich aus dem Orchester selbst kleinere Gruppen, die Konzerte für einen guten Zweck geben wollen“, meint Janßen. Oder weitere Musikschüler, die nicht im Sinfo aktiv sind, begeistern sich für die Idee, mit Musik zu helfen.

Auch wenn auf ihn durch die geplanten Aktionen vermutlich mehr Arbeit zukommen wird, ist Sinfo-Leiter Ralf Beckers begeistert vom Engagement seiner Musiker. „Ich bin geradezu gerührt, dass eine solche Initiative aus dem Orchester selbst kommt, ohne dass wir Lehrer das irgendwie angestoßen hätten“, betont er. Die jungen Menschen könnten sicher sein, von ihm, seinen Kollegen im Team und Musikschulleiter Holger Müller jede Unterstützung für ihr Vorhaben zu bekommen.

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