Neuss: Musikkabarettist Bodo Wartke mit eigener Version der "Antigone"

In der Stadthalle Neuss : Musikkaberettist Bodo Wartke kommt mit „Antigone“ nach Neuss

Nach „König Ödipus“ nun die „Antigone“: Der Musikkabarettist macht sich einen eigenen Reim auf das antike Drama von Sophokles und zeigt es in knapp zwei Wochen auch in Neuss.

Als Bodo Wartke im März dieses Jahres in Neuss seine Version von Sophokles’ Drama „König Ödipus“ zeigte, stand schon fest, was als nächstes auf dem Spielplan des Klavierkabarettisten steht: „Antigone“. Der zweite Sophokles-Abend erlebte nur wenige Wochen nach dem Neusser Auftritt seine Premiere, und schon in der Stadthalle hatte er als Zugabe einen kleinen Vorgeschmack gegeben. Vor einem ohnehin völlig begeisterten Publikum, das nun in den Genuss kommen kann, die ganze „Antigone“ à la Bodo Wartke zu erleben. Damit erfüllt sich der Künstler auch selbst einen Wunsch, denn schon im März hatte er die Hoffnung ausgedrückt, auf eine „der schönsten Bühnen des Landes“ zurückkehren zu können.

„Antigone“ gehört wie auch „König Ödipus“ zu den Sonderprogrammen des Künstlers, der ansonsten mit Abenden wie „Was, wenn doch?“ oder „Klaviersdelikte“ sein Publikum begeistert. Seine Karriere hat er übrigens mit einem Preis gestartet, der immer noch einen Ehrenplatz in seiner Sammlung hat, wie Wartke sagt: dem „Sprungbrett“ vom Handelsblatt, der ihm 2000 im Kom(m)ödchen verleihen wurde. Warum er nun schon zum zweiten Mal auf einen antiken Stoff zurückgreift, lässt sich jedoch schnell erklären: „In ,Ödipus’ und auch ,Antigone’ erzähle ich Geschichten, die nicht ich, sondern Sophokles sich ausgedacht hat, vor mehr als 2000 Jahren. Beide finde ich aber so faszinierend, dass ich mich gefragt habe: Wie kann man die heute mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln interessant und unterhaltsam auf die Bühne bringen?“, sagte Wartke damals zur NGZ. Musik aber bleibt ein wesentlicher Bestandteil jeden Auftritts, das ist auch bei „Antigone“ nicht anders.

Dem Jubel des Publikums in der Stadthalle nach zu urteilen, hat er mit „Ödipus“ auf jeden Fall den Nerv getroffen, das Drama vom (Schul-)Staub befreit, ohne ihm damit Gewalt anzutun. Denn Sophokles, so hat Wartke auch gesagt, habe ein „total gutes Buch“ geschrieben, allerdings sei es auch sehr sperrig für Jugendliche. Und so habe er sich schon in der Schule gefragt: „Warum schreibt man das nicht mal so um, dass es Spaß macht?“ Das ist ihm bei „Ödipus“ offenbar schon nachhaltig gelungen. Jedenfalls erfüllt es es ihn durchaus mit ein bisschen Stolz, dass einer seiner Zuschauer später mit der richtigen Antwort auf die Frage „Wo hat Ödipus seinen Vater erschlagen?“ in der Sendung „Wer wird Millionär?“ punkten konnte.

Der Musikkabarettist verwandelt „Antigone“ in eine Performance der Gegenwart: gereimt und doch verständlich, witzig und zugleich höchst dramatisch. Gemeinsam mit Bühnenpartnerin Melanie Haupt bekommt er deutschlandweit Standing Ovations. Mit „Antigone“ präsentiert Wartke die abendfüllende Fortsetzung seines Theaterstücks „König Ödipus“. Zusammen mit der Schauspielerin und Kabarettistin Melanie Haupt (die 2000/2001 am RLT engagiert war) spielt Wartke alle Rollen der antiken Tragödie des Sophokles. Und ebenfalls wichtig: ein Baseballcap, Klavier, Ukulele, Mundharmonika und Cajon. Auch „Antigone“ ist komplett gereimt, die Sprache ist modern.

120 Minuten dauert Wartkes Bühnenversion der Geschichte von Ödipus’ Tochter, die sich Kreon, dem König von Theben, widersetzt und ihren Bruder Polyneikes trotz des königlichen Verbotes bestattet. In seiner Selbstüberschätzung bestraft Kreon Antigone, was eine Reihe an Selbstmorden auslöst. In Bodo Wartkes Bearbeitung wird aus dieser griechischen Tragödie ein musikalischer und frech präsentierter Klassiker.