Neuss: Musiker konzipieren Mitmach-Konzert für Grundschüler

Konzert in der St.-Peter-Grundschule : Musik zum Mitmachen

Eine Gruppe von Musikern, die sich „WeltenBaum“ nennt, hat ein Konzert konzipiert, um Kinder für Musik zu begeistern. In der St.-Peter-Grundschule fand vor begeisterten Kindern die Uraufführung statt.

Als Christian Weber vom Neusser Kulturamt rund 100 Kinder der Jahrgangsstufe 3 der St.-Peter-Gemeinschaftsgrundschule in Rosellen zu einem Mitmachkonzert mit Weltmusik für Grundschulkinder begrüßte, schallte ihm noch ein geordnetes „Guten Morgen, Herr Weber“ entgegen. Und dann ging es auch schon los. Mit ein bisschen Chaos. Scheinbar.

Ein neues rhythmisch-musikalisches Format mit vier „WeltenBaum“-Musikern feierte Premiere in gleich zwei Konzerten. Zuvor waren die ersten Premierengäste wiederum 100 Kinder der zweiten Jahrgangsstufe. „1,2,3 – Zählst du noch oder tanzt du schon?“. Es gibt nämlich gerade und ungerade Takte, Stücke mit zwei, drei, vier und noch mehr Schlägen und mitreißenden Rhythmen: Aber die Musiker spielten zunächst jeder für sich im eigenen Rhythmus das Herbstlied „Hejo, spann den Wagen an“. Dann sollte jeder einzeln sich vorstellen mit der korrekten Melodie: Lilit Tonoyan (Violine), Adrian Wachowiak (Klavier), Jonas Dunkel (Kontrabass) und Timafey Birukov (Schlagzeug und Vibraphon) zeigten, dass sie die Melodie beherrschten. Und siehe da: Im korrekten Zusammenspiel sangen die Kinder sogar mit vollständigem Text das Lied mit. „Richtig kann ich das auch auf der Gitarre spielen“, rief der Drittklässler Tobias dazwischen. Unter Anleitung der Musiker klappte das Lied unglaublich gut – sogar im Kanon.

Ebenfalls im 4/4-Takt geschrieben ist das israelische Volkslied „Hava nagila“ (Seid glücklich und singt). Dass es im Zweier doppelt so schnell gespielt und gesungen wird, nahmen die Kinder sofort mit rhythmischem Klatschen an. Komplizierter wurde es bei einem Hochzeitstanz mit wechselnden Rhythmen. Immerhin machte das wilde Tanzvergnügen den Kindern viel Spaß. Weil der Schlagzeuger Timafey besonders Musik im 9/8-Takt liebt, gab es mit „The Butterfly“ einen irischen Slip Jig, der auf der fünften und neunten Zählzeit einen Akzent hat. Das war nun doch sehr kompliziert bei allerdings wiederum hohem Spaßfaktor.

Lateinamerikanische, indische und marokkanische Musik zeigte, dass es zwischen den Kulturen viele Parallelen gibt und jede doch ihre Besonderheit hat. In einem arabischen Lied lassen sich sogar verschiedene Takte gleichzeitig miteinander verbinden.

Die vier jungen „WeltenBaum“-Musiker kennen sich bereits aus gemeinsamer Zeit im „Cologne World Jazz Ensemble“. Alle sind studierte Musiker, die in Neuss lebende Lilit Tonoyan ist zudem Stipendiatin der Deutschen Kammerakademie Neuss (seit 2016). Auf das Projekt vorbereitet wurden sie von der bekannten Musikvermittlerin und Konzertpädagogin Anne Kussmaul.

Gefördert wird das neue Projekt durch die Kultursekretariate NRW, das Kulturamt der Stadt Neuss und die Landesmusikakademie NRW. Der Vorsitzende des Trägervereins dieser Akademie, der frühere Leiter der Neusser Musikschule, Reinhard Knoll, war ganz begeistert: „Das war richtig gut gemacht. Wir leben in einem Land mit vielen Kulturen. Die authentische Realisation fremder Musik und Mitmach-Aktionen haben die Kinder mitgenommen. Ich wünschte, dass es so etwa viel öfter gibt.“ Die Musiker bedankten sich zum Finale bei der Schulleiterin  Sabine Witte und vor allem bei den vitalen, „wirklich lebhaften Kids“.

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