Neuss: Musical „Alice im Wunderland“ feiert Premiere

Neusser Musical „Alice im Wunderland“ : Eine Welt voller Absurditäten

„Alice im Wunderland“, die 22. Musicalproduktion in Kooperation zwischen der Schule für Kunst und Theater („Alte Post“) sowie der Musikschule der Stadt Neuss, feierte im ausverkauften Globe-Theater Premiere.

Alice träumt sich in ein Wunderland mit herrlichen Absurditäten: Die bereits 22. Musicalproduktion in Kooperation zwischen der Schule für Kunst und Theater („Alte Post“) sowie der Musikschule der Stadt Neuss feierte im ausverkauften Globe-Theater jetzt Premiere.

Der Klassiker der Weltliteratur „Alice im Wunderland“ wurde 1865 von Lewis Carroll – hinter diesem Pseudonym verbirgt sich der Mathematikprofessor Charles Lutwidge Dodson – veröffentlicht: Die Herausforderung für Regisseur Sven Post und ein großes Team bestand darin, einen der bekanntesten Texte der literarischen Fantastik für ein Musical zu adaptieren. Und das ist Eddy Schulz (Musik), Franka von Werden (Erzählung), Karima Rösgen (Songs) und Tanja Emmerich (Choreografien) geradezu genial gelungen. Für die dramaturgische Mitarbeit konnten Dennis Palmen und Hans Ennen-Köffers, der Leiter der „Alte Post“ und im Musical wahrlich überragender Herzkönig, gewonnen werden.

Viel Tempo und Tanz beleben das Neusser Musical. Foto: Hanne Brandt

Bereits der Eingangssong „Lass dich fallen – willkommen im Wunderland“ hatte Gänsehaut-Atmosphäre. Die blendenden Protagonisten auf der Bühne wurden dabei unterstützt von den „Choricals“ auf dem zweiten Rang, dem mehr als 30 Sänger starken Chor des Marie-Curie-Gymnasiums unter der Leitung von Mario Stein. Bereits da gab es ersten Jubel und Beifall, der sich bis zum Ende steigern sollte. Nichts hat die Produktion zu tun mit der Filmwelt eines Walt Disney: Texte und Musik sind zu einem tiefgründigen Stück arrangiert: Alice (Antonia Krapp) erlebt sich dreigeteilt (Die „Splitter-Alices verkörpern Natalia Stellmach und Justine Ritters), und reift im Verlauf des Musicals zu einer erwachsenen Persönlichkeit. Viele Figuren der Originalgeschichte sind erhalten: Die quirligen Dideldi (Ole Glitza) und Dideldum (Marc-Oliver Teschke), die sadistische Herzogin (Nina Schmeißer), Maus (Silvia Krieger), Weißes Kaninchen (Elsa Amanuel) und die immer zu spät kommende Grinsekatze (Nina Böbel). Die Eidechse Willi (Leon Hu) wird zumeist von der Schafott-besessenen Herzkönigin (Tamara Jäger) an der Leine geführt.

Alle sind gesanglich glänzend besetzt, auch scheinbare Nebenrollen wie der Herzbube (Gereon Breuer) strotzen vor stimmlicher Potenz. Ein wenig überragt das Ensemble Finn Schuy als verrückter Hutmacher mit seiner auch musikalisch überbordenden Teegesellschaft. Und weil Sven Post auf viel Tempo setzt, verdienen sich die „Wunderland-Wesen“, mal als Kinderchor, dann als durchgeknalltes Spielkartenheer, tänzerisch und zum Teil akrobatisch Bestnoten. Perfekt begleitet die neunköpfige Band um Jonas Salomon (Gitarre). Nach der vermeintlichen Enthauptung Alices setzt Eddy Schulz sogar eine Harfe (Alena Cox) ein. Die Wunderwelt erfährt der Zuschauer vor allem auch in den originell-opulenten Kostümen. Bis zu 500 Euro durfte Sergio Abajur für das Einzelexemplar ausgeben. Er war auch für Bühne und Maske der richtige Mann: Bereits fünf Stunden vor der Aufführung begann er die Schminkarbeiten. Auch Technik (Michael Kloss) und Ton (Amadeus Sektas) waren vorbildlich.

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